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Religionen / Archiv | Beitrag vom 05.11.2017

Buddhistische KücheBewusster Kochen mit Zen

Von Mechthild Klein

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Eine Buddha Bowl. (imago/Westend61)
Buddha Bowl: "Gerade die einfache Küche lässt den Geschmack erst einmal entwickeln, dass man wieder die Geschmäcker erkennt." (imago/Westend61)

Zen kann man nicht nur auf Meditationskissen praktizieren, sondern auch in der Küche. In japanischen Klöstern ist der Koch sogar der zweite Mann nach dem Abt. Die wichtigste Vorbereitung für eine gelungene Zen-Küche: ein aufgeräumter Arbeitsplatz.

Christof Zirkelbach ist leidenschaftlicher Koch. Ausgeübt hat er seine Berufung viele Jahre lang im Zen-Meditationszentrum von Willigis Jäger auf dem Benediktushof bei Würzburg. Er spart nicht an Kritik, wenn es um Kochmoden geht:

"Es werden immer teurere Küchen, in denen immer weniger gekocht wird. Das fällt mir ein. Es geht darum, die Küche wird zu einem Statussymbol."

Er beobachtet, dass die Wertschätzung für ein gutes Essen und für gute Zutaten verloren gehen. Mikrowellen, Fastfood und Billig-Essen verdrängen immer mehr die Kenntnis, wie man schnell und trotzdem gut kocht.

Denn gutes Essen erfordert kein stundenlanges Einkaufen und Kochen, sondern nur eine offene Haltung, sagt er. Um Zutaten wieder schätzen zu lernen, plädiert Zirkelbach dafür, alle Produkte als gleichwertig zu sehen.

"Das heißt, die Karotte ist genauso wichtig wie die Brombeere oder das Huhn oder so. Wenn ich es nicht überlaste mit meinen Vorstellungen, dann hat es was, was möglich werden kann aus dem Essen. Wenn alles gleichwertig ist, dann wird das eine größere Vielfalt. Es wird mehr ein ‚es wird‘ als ein ‚ich will‘. Das würde ich anführen als Verbindung von Zenund Kochen. Ich mach nicht irgendwas, sondern das Essen wird. Weil ich den einzelnen Dingen Raum gebe und mich mit denen befasse und dann wird ein gutes Essen."

Die Zen-Küche ist eine einfache Küche

In der Zen-Meditation geht es darum zu lernen, feste Denkmuster und Regeln zu erkennen und loszulassen. Damit man sich ganz auf den Moment einlässt. Etwas vollkommen unverstellt wahrzunehmen, das geht natürlich auch beim Kochen. Die wichtigste Vorbereitung ist aber ein aufgeräumter Arbeitsplatz. Also:

"Die Küche saubermachen. Alle Gerätschaften sauber machen. Dass die Küche blitzt und blankt. Und dann wirklich ganz einfache Mahlzeiten zubereiten. Ein bisschen Reis, ein paar Kartoffeln und dann ein bisschen Gemüse. Unser Kochbuch zeigt die einfache Küche."

Doris Zölls ist Zen-Meisterin und spirituelle Leiterin des Benediktushofs in Bayern. Auch sie kocht sich täglich kleine Mahlzeiten. Einen Getreidebrei zum Frühstück beispielsweise, aufgekocht in Milch mit ein paar Nüssen und kleingeschnittenen Datteln oder Aprikosen.  

"Gerade die einfache Küche lässt den Geschmack erst einmal entwickeln, dass man wieder die Geschmäcker erkennt. Und dass man auch mit dem Einfachen satt werden kann. Das sind ja alles Geschenke. Das sind ja alles neue Bereiche, die wir uns wieder erschließen müssen. Durch die vielen Zusatzstoffe, die wir haben, haben wir ja den Geschmack verloren für das Einfache."

Routinen vermeiden

Durch Zen-Meditation versucht man, jede Tätigkeit bewusst zu leben. Man schult seine Wahrnehmung, indem man seinen Atem beobachtet, die Regungen des Körpers und die Geräusche wahrnimmt. Zugleich wertet man nicht und verändert nicht die Sitzposition. Das Kochen wiederum ist eine besondere Herausforderung, weil man bei Tätigkeiten mit viel Wiederholung schnell in eine Routine rutscht, die einen abschweifen lässt. Zudem sind Gerüche und Geschmack emotional besetzt. Es steigen Erinnerungen hoch, man zieht Vergleiche und plötzlich ist man nicht mehr bei der Sache und hängt seinen Gedanken nach. In japanischen Klöstern ist der Koch der zweite Mann nach dem Abt. Er sollte im Zen verwurzelt sein. Vom Koch hängt es ab, wie die Stimmung ist, ob das Essen den Mönchen schmeckt.

"Also achtsam zu leben, heißt in die Tätigkeit zu kommen und heißt auch, den Willen zu schulen. Und den Willen zu schulen bedeutet wirklich, lebendig zu sein. Wir neigen sehr dazu alles uns bequem machen zu wollen und rutschen dann in eine Trägheit, die uns aber nicht erfüllt. Und die uns im Gegenteil sehr, sehr lustlos macht." 

Deshalb sollte das Kochen auch nicht länger als eine halbe Stunde am Tag dauern, maximal eine Stunde. 

"Weil sonst überwinden wir nicht den inneren Schweinehund uns dafür aufzumachen. Wir haben ja nicht unendlich Zeit. Von daher muss man da ein bisschen kreativ werden, wie man das am besten macht, dass man viel abdecken kann mit ein paar Handgriffen."   

Satt werden, indem man bewusst mit Dingen umgeht

Auf diese Weise kommt man auch weg vom Fastfood und von Fertiggerichten, glaubt die Zen-Meisterin. Indem man sich schon vor dem Essen bewusst macht, wie die Nahrungsmittel entstanden sind, durch die Arbeit und Mühe anderer Menschen, dass hier Pflanzen verarbeitet wurden oder auch Tiere dafür ihr Leben ließen. Zölls erklärt:

"Es ist natürlich so, dass der Mensch immer von Gier geprägt ist und beim Essen spürt man das am besten. Also am ungünstigsten ist es, wenn man mit Hunger einkaufen geht. Da kann man es am deutlichsten erleben, was man da alles kauft. Und es ist schon eine Bewusstheit, die gefordert wird, nicht einfach aus der Gier heraus alles haben zu wollen. Weil alles haben zu wollen, macht nicht satt. Sondern es macht eigentlich satt, dass man ganz bewusst mit den Dingen umgeht. Das befriedigt einen. Aber nicht die Menge und die Masse."

Essverhalten ist erlernt, ergänzt Koch Christof Zirkelbach. Deshalb sei es nicht nur wichtig, welchen Stellenwert man dem Essen gibt, sondern auch, dass die Kinder neugierig aufs Essen werden. Dass sie zumindest auch probieren dürfen und das Schmecken erlernen.

"Das entscheidet dann auch über unser Kochen und über unsere Kultur. In dem Moment, wo sie einen Salat kaufen, entscheiden Sie schon ganz viele Dinge. Sie entscheiden, will ich den aus meinem eigenen Garten haben. Will ich den Bio kaufen oder ist mir das egal. In dem Moment entscheiden Sie über das Leben anderer, weil sie natürlich mehr noch als bei einer Wahl entscheiden, wie wir wirtschaften. Wie wir unser Leben gestalten."

Literaturhinweis:

Christof Zirkelbach, Doris Zölls: Wie Zen schmeckt. Die Kunst des achtsamen Genießens
Kösel-Verlag, 176 Seiten, 20 Euro

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