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Interview / Archiv | Beitrag vom 11.11.2016

Buchmesse in Istanbul"Ein Ort der Auseinandersetzung"

Alexander Skipis im Gespräch mit Nana Brink

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Männer und Frauen stehen vor dem "Cumhuriyet"-Gebäude und halten Ausgaben der Zeitung mit der Aufschrift "Putsch gegen die Opposition" in die Höhe. (AFP/ OZAN KOSE)
Der deutsche Buchhandel will in Istanbul auch Solidarität mit den Journalisten der oppositionellen "Cumhuriyet" zeigen. (AFP/ OZAN KOSE)

Für Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandel, kommt ein Boykott der Istanbuler Buchmesse aus politischen Gründen nicht in Frage. Es sei vielmehr Aufgabe des Buchhandels, als Ehrengast auf der Messe die "katastrophalen Zustände" in der Türkei zu benennen.

Deutschland ist Ehrengast auf der diesjährigen Internationalen Buchmesse im Istanbul (12. bis 15. November 2016). Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des  Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, fährt mit einer Mischung aus Kampfgeist und Besorgnis in die Türkei. Kampfgeist, weil sein Verein in verschiedenen Veranstaltungen das Thema "Meinungsfreiheit" in den Mittelpunkt rücken und eine Mahnwache für die inhaftierte Schriftstellerin Asli Erdogan organisieren will. Besorgnis, weil die Situation für Autoren und Verlage in der Türkei immer angespannter wird.

"Die Messe in der Türkei wird mit Sicherheit nicht eine Messe wie in der Vergangenheit sein.  Sie wird eine Messe sein, die, jedenfalls von unserer Seite aus, ein Ort der Auseinandersetzung sein wird." Einen Boykott dagegen habe der Börsenverein nie in Erwägung gezogen – "weil es immer die schlechteste aller Lösungen ist, wenn man den Gesprächsfaden abbrechen lässt."

Einstehen für die freie Meinungsäußerung

Für Skipis hat der Buchhandel vielmehr einen wichtigen Zweck zu erfüllen: für die freie Meinungsäußerung einzustehen. Dazu gehöre, "nicht nur Öffentlichkeit für die katastrophalen Zustände in der Türkei" herzustellen, sondern zugleich "Solidarität mit denen, die verfolgt werden" zu zeigen.

Als "unerträglich" bezeichnet Skipis die bisherige "Appeasement-Politik" Deutschlands und der Europäischen Union gegenüber der Türkei. Er hoffe, dass die Online-Petition #FREEWORDSTURKEY, die der Börsenverein gemeinsam mit dem Pen-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen initiiert hat, Gehör finden werde. Aktuell hätten schon über 110.000 Menschen unterzeichnet.

Der intensive Kontakt zu Verlagen und Autoren,  den der deutsche Buchhandel pflege, mache eines deutlich:

"Es herrscht eine Stimmung von Angst und Schrecken. Es geht ein Furor durchs Land, der unglaublich einschüchtert. Ich bewundere den Mut der Menschen dort, die noch ihr Wort erheben, um ihrer entsprechenden Ausdruck zu geben."

Einschücherung ist an der Tagesordnung

Kritische Medien wir die Zeitung "Cumhuriyet" würden systematisch eingeschüchtert und auch finanziell ruiniert, indem man Unternehmen unter Druck setze, dort keine Anzeigen mehr zu schalten.

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