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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.02.2019

Buchautor über den Taxifahrer-ProtestAm Rand des Existenzminimums

Jochen Rausch im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Taxi in der Berliner Friedrichstraße. (Marc Kleen/Unsplash)
Verdienen oft wenig mit ihrer Arbeit: Taxifahrer. (Marc Kleen/Unsplash)

Der Bundesverkehrsminister will neuen Fahrdiensten wie Uber den Marktzugang erleichtern. Taxifahrer fürchten um ihr mageres Einkommen. Jochen Rausch hat ein Buch über sie geschrieben und warnt, die Lebensgrundlage vieler Fahrer sei in Gefahr.

Die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer angestrebte Reform des Personenbeförderungsgesetzes soll es privaten Fahrdienst-Anbietern wie Uber künftig leichter machen. Unter anderem soll die Rückkehrpflicht für Mietwagenfirmen mit Fahrern abgeschafft werden. Bislang müssen die Fahrer nach jeder Tour an den Hauptstandort zurückkehren und dürfen anders als Taxis nicht auf der Straße auf Kunden warten. Das will Scheuer ihnen in Zukunft erlauben.

Taxiunternehmen betrachten dies als existenzbedrohend. Die Branche wehrt sich gegen die Konkurrenz und protestiert, ruft zu Demonstrationen auf.

Jochen Rausch, Autor und Journalist beim WDR, hat sich länger mit dem Job hinter dem Steuer beschäftigt. Für sein Buch "Im Taxi. Eine Deutschlandreise" (2017) führte Rausch über 200 Gespräche mit Fahrern.

Taxifahrer wird, wer keine andere Möglichkeit hat

Tatsächlich, so Rausch, lebten viele Fahrer schon jetzt oft am Existenzminimum - was man unter anderem auch am Typ und Zustand ihrer Taxis ablesen könne. Und kaum einer sei Taxichauffeur aus Leidenschaft:

"Es sind schon oft Leute, die am Ende einer beruflichen Karriere stehen, die vielleicht nicht gerade sehr erfolgreich verlaufen ist. Ich habe noch nie einen Taxifahrer getroffen, der gesagt hat: 'Ich wollte immer schon Taxifahrer werden!' Das ist immer etwas, das man macht, wenn nichts anderes mehr bleibt."

Es gebe viele Taxikunden, die die Fahrer überhaupt nicht "als Menschen beachteten", sagte Rausch. Deshalb müsse man sich fragen: "Will man diesen Menschen auch noch ihre Existenz wegnehmen - wo landen wir dann?"

Er könne jedenfalls niemandem empfehlen, Taxifahrer zu werden, betonte der Journalist. Tatsächlich hätten diese wenig Möglichkeiten, ihre Dienstleistung zu verbessern, um sich von Konkurrenz wie Uber abzuheben.

(mkn)

Jochen Rausch, "Im Taxi. Eine Deutschlandreise"
Berlin Verlag 2017, 128 Seiten, 9 Euro

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