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Kompressor | Beitrag vom 05.11.2020

Buch über Grafiker Hans Hillmann Der filmische Zeichner

Johann Ulrich im Gespräch mit Timo Grampes

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Ein Aquarellbild von Menschen, die sich auf einer Straße drängen, im Hintergrund ein roter Doppeldeckerbus. (avant-verlag / Hans Hillmann)
Hans Hillmann wurde in den 1950er-Jahren für seine Filmplakate bekannt. Viele andere Zeichnungen und Illustrationen wurden bis heute nicht publiziert. (avant-verlag / Hans Hillmann)

Der Zeichner Hans Hillmann gilt als Begründer des modernen Kinoplakats der Nachkriegszeit. Nun dokumentiert ein neues Buch die Vielseitigkeit des Künstlers. Der Herausgeber Johann Ulrich sieht in ihm auch einen frühen Schöpfer der Graphic Novel.

Der Zeichner Hans Hillmann (1925 bis 2014) prägte als Grafiker wie kein anderer die Plakatkunst im Nachkriegsdeutschland. Seine Kinoplakate für den Autorenfilm entwickelten ab den 1950er-Jahren eine neue moderne Formensprache, die ihn international berühmt machte.

Weniger bekannt seien dagegen seine Zeichnungen und Illustrationen, sagt Johann Ulrich, der Herausgeber des neuen Buchs "Hillmann. Ein Zeichner und seine Welten". In enger Zusammenarbeit mit Hillmanns Witwe würden nun einige Schätze aus seinem Nachlass erstmals publiziert.

Porträt von Hans Hillmann an seinem Schreibtisch. (avant-verlag)Hans Hillmann in seiner Frankfurter Atelierwohnung: Bei ihm drehte sich auch im hohen Altern noch alles um die Arbeit. (avant-verlag)
Bezeichnend für Hillmann sei dessen Humor, sagt Ulrich, aber auch ungewöhnliche Perspektiven in seinen Arbeiten. Er erinnert an dessen Serie "Berühmte Liebespaare", die einst in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienen sei. "Was wir in dem Buch auch wollen, ist, seine Bandbreite darzustellen, weil er als Zeichner diese realistischen, fein ausgearbeiteten Illustrationen hat." Darunter seien auch Zeichentrickfilme auf Papier, die in dem Buch "Sequenzen" genannt würden.

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Gewürdigt wird auch die grafische Erzählung "Fliegenpapier", nach einer Kurzgeschichte von Dashiell Hammett. Das seien vielleicht 60 Seiten Text gewesen, sagt Ulrich. Aber Hillmann habe daraus über die Jahre mehr als 250 ganzseitige Illustrationen gemacht.

Erfinder der Graphic Novel

Der Illustrator habe darin so filmisch erzählt, dass er ganz elektrisiert gewesen sei, so Ulrich. "Wenn man die Zeit bedenkt, dass er da schon Mitte der 70er-Jahre angefangen hat, an diesem Buch zu arbeiten, da muss man fast sagen, da hat jemand die Graphic Novel für sich selber noch einmal erfunden."

(gem)

Hrsg. Johann Ulrich: "Hillmann. Ein Zeichner und seine Welten"
avant-Verlag 2020
300 Seiten, 50 Euro

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