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Kompressor | Beitrag vom 27.08.2015

Brutalismus in sozialen MedienBausünden der 60er-Jahre werden wieder hip

Oliver Elser im Gespräch mit Christine Watty

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Le Corbusier gilt als Erfinder des "Brutalismus". Eines der größten Projekte realisierte der Architekt im indischen Chandigarh. (Friederike Meyer)
Le Corbusier gilt als Erfinder des "Brutalismus". Eines der größten Projekte realisierte der Architekt im indischen Chandigarh. (Friederike Meyer)

Viele Gebäude aus den 1960er-Jahren sind im Stil des Brutalismus gebaut: Sichtbeton in eckigen Formen. In dem Begriff steckt "béton brut" gleich "roher Beton". Jahrzehntelang galten viele dieser Architekturen als Bausünde. Mittlerweile gibt es Fangruppen - und Architekten bauen wieder in diesem Stil.

Die 1960er-Jahren waren vom Baustil des Brutalismus geprägt. Stark beeinflusst war diese Richtung von der Betonarchitektur des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier. In den letzten Jahrzehnten stellte der Mainstream solche Gebäude des Brutalismus in eine klare Ecke: Das waren Bausünden.

Allmählich wird dieser Architekturstil aber wiederentdeckt. Auf Facebook gibt es beispielsweise die Brutalism Appreciation Society.

Der Brutalismus rangiere in den sozialen Medien weit vor allen anderen Architektur-Themen, sagt Oliver Elser im Deutschlandradio Kultur. Elser ist Kurator im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main und plant derzeit eine Ausstellung zum Thema Brutalismus.

Gebäude des Brutalismus verschwinden durch Abriss oder Sprengung

Es begeisterten sich deshalb derzeit so viele Leute für diese Form der Architektur, weil hier "etwas neu entdeckt werde, das im realen Leben von Umgestaltung und Abriss bedroht ist". So seien beispielsweise in Frankfurt am Main innerhalb eines Jahres drei Bauten verschwunden, die dem Brutalismus zuzurechnen seien: ein Museum, ein Unigebäude und ein Teil des Rathauses. "Das ist ein Erdrutsch mit großem Knall." Auch buchstäblich, denn das Unihochhaus sei gesprengt worden.

Das habe auch mit beigetragen zu der Entscheidung für die Ausstellung, die Elser aktuell vorbereitet. "Das ist bemerkenswert, dass gerade so viele Bauten der 60er-Jahre abgerissen werden."

Hinzu komme, dass sie in weiten Teilen der Bevölkerung so ein schlechtes Image haben. Dabei gebe inzwischen wieder Architekten, die ähnlich bauten. Zum Beispiel Arno Brandlhuber in Berlin.

Der Begriff Brutalismus leite sich ab von der französischen Bezeichnung für Sichtbeton, erklärt Elser "Béton brut", wörtlich übersetzt "roher Beton". Mit diesem habe Le Corbusier richtungsweisend gearbeitet. Zu brutalistischen Gebäuden in Deutschland zählen beispielsweise das Geomatikum der Universität Hamburg und die Tschechische Botschaft in Berlin.

 Blick von obeb auf Le Corbusiers Bau im indischen Chandigarh (Friederike Meyer)Blick von oben auf Le Corbusiers Bau im indischen Chandigarh, d (Friederike Meyer)

Dem Architekten Le Corbusier widmet Deutschlandradio Kultur anlässlich seines 50. Todestages einen Thementag. Ein Multimedia-Spezial dazu finden Sie hier.

 

 

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