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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 05.11.2015

Brücke am Kwai Grausame Geschichte zwischen Thailand und Birma

Von Udo Schmidt

Die Brücke am Fluss Kwai in Thailand (imago/Action Pictures)
Touristin auf der Brücke am Fluss Kwai in Kanchanaburi, Thailand. (imago/Action Pictures)

Durch den Spielfilm "Die Brücke am Kwai" aus dem Jahr 1957 ist die Eisenbahnbrücke zwischen Thailand und Birma weltbekannt geworden. Dass beim Bau der Zugverbindung ab 1942 Tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter starben, wissen viele nicht mehr.

Der River Kwai Marsch, die Melodie, das Erkennungszeichen, wenn es um die Brücke am Kwai geht, den Fluss, der in Thailand eigentlich Kwai Noi heißt. Die Brücke am Kwai, das war ein populärer Film in den Fünfzigern, der River Kwai Marsch, die dazu passende Musik des Orchesters Mitch Miller. Beides, Film und Musik, haben mit der grausamen Geschichte der Todeseisenbahn zwischen Thailand und Birma, zu der auch die Brücke über den Kwai Noi gehört, allerdings wenig zu tun.

Schuften in der feuchten Tropenhölle

Im Juli 1942 wurde der Bau der Death Railway begonnen, einer Strecke, die am Ende 415 Kilometer lang war, von Khok Moh in Thailand bis Thanbyuzayat in Burma, dem heutigen Myanmar. Im feuchten Tropenklima schufteten mehr als 60.000 Kriegsgefangene mitten im Dschungel – vor allem Briten und Australier aus dem Kampf um Singapur – zusammen mit 180.000 asiatischen Zwangsarbeitern trotzten sie dem Regenwald eine Trasse ab, auf der in großer Eile Schienen verlegt wurden, um der japanischen Armee einen schnellen Nachschubweg zu erschließen. Mehr als 12.000 Kriegsgefangene und wahrscheinlich 85.000 Zwangsarbeiter starben in der Tropenhölle. Der Australier Rod Beattioe bemüht sich seit zwanzig Jahren um das Andenken:

"Als ich hier anfing, das war die Brücke das einzige Symbol für die Eisenbahn, dann kam der ´Hellfire Pass' hinzu. Ich habe mich bemüht, noch mehr von der Strecke bekannt zu machen, über die Brücke hinaus."

Lek steht mit seiner Geige jeden Tag auf der Brücke, jeden Tag seit acht Jahren.

"Acht Jahre mache ich das schon, ich stehe hier auf der Brücke, im Schatten eines Baumes und kann mich wunderbar konzentrieren."

Und so ganz nebenbei füllt sich Leks Geigenkasten mit Bath, der thailändischen Währung.

Der River Kwai Marsch zahlt sich aus. Der stählernen Brücke, zu der früher auch noch eine parallele Holzbrücke gehörte, sieht man den Schrecken von damals nicht an. Also marschieren Jugendliche, mit ihren Lehrern aus Bangkok gekommen, fröhlich über die Schienen. Die Jugendlichen haben sich mit der Brücke und der gesamten Todeseisenbahn im Unterricht beschäftigt, sie wissen vom Kampf der Japaner mit den West-Alliierten.

Ban Choi ist 80, lebt schon immer in der Gegend am Kwai Noi Fluss und ist damit Augenzeugin. Die alte Dame erinnert sich:

"Ich war damals ja noch ein kleines Kind, ich habe die Soldaten und die Gefangenen gesehen, mein Vater hat auch davon erzählt."

Ban Choi verkauft kleine Schnecken in Tüten, die von den Thais zurück in den Fluss geworfen werden. Das bringt Glück, sagen sie und sagt auch Ban Choi. Abend übrigens traut sich die 80-Jährige nicht in die Nähe der Brücke:

"Abend sind hier Geister, die Geister der Getöteten, man kann sie im Dunkeln sehen."

Ein Anlaufpunkt, um sich zu erinnern

Für die wenigen noch lebenden Kriegsveteranen ist neben der Brücke vor allem der "Hellfire Pass" ein Anlaufpunkt, um sich zu erinnern. Auch dieser Höllenfeuerpass war Teil der Eisenbahnstrecke, die in den Dschungel geschlagen wurde, so genannt übrigens, weil die Arbeit am Durchschnitt durch die Felsen auch nachts weiterging, mit Karbidlampen:

"Am Anfang lautete die Vorgabe für jeden Mann einen Meter am Tag voranzukommen, dann zwei, dann hieß es schließlich, es wird gearbeitet, bis die Aufgabe erfüllt ist. Das bedeutete manchmal 20 oder mehr Stunden am Stück zu schuften, bevor es zurück ins Camp ging."

Das Leben der Kriegsgefangenen in den japanischen Camps war furchtbar, kaum und wenn dann schlechtes Essen, dazu die Tropenhitze und Monsunregen, für Tausende waren diese Bedingungen nicht zu überleben. Die Besucher der Brücke versuchen daran zu denken. Jean kommt aus den USA:

"Das ist natürlich sehr interessant, hier diese Brücke zu sehen, von der ich vorher nicht wusste, ob es sie eigentlich wirklich gibt. Ich muss an die vielen Leben denken, die hier verschwendet wurden."

Am Ende aber bleibt dem Touristen auf der Brücke am Kwai Noi eher die fröhliche Stimmung, die Lek mit seiner Geige verbreitet.

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