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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.03.2017

Brown/Platt: "Das große Wissens-Sammelsurium"Kunterbuntes Weltwissen

Von Sylvia Schwab

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Buchcover "Das große Wissens-Sammelsurium" (dpa / Gerstenberg / Deutschlandradio)
Buchcover "Das große Wissens-Sammelsurium" (dpa / Gerstenberg / Deutschlandradio)

Dieses Buch folgt keinem System, außer: Ist es interessant? Und so bieten die Autoren des "Wissenssammelsuriums" nützliche Fakten und anschauliche Darstellungen zu allen möglichen Themenbereichen von Fahrrad bis zu den Gezeiten.

Was haben Knoten und Sonnensystem, Fahrrad und Erdatmosphäre, Körperorgane und Gezeiten miteinander zu tun? Nichts. Zumindest auf den ersten Blick. Im "Wissens-Sammelsurium", diesem ungewöhnlichen Sachbilderbuch, geht es um "nützliches und unnützes Wissen für Schlauköpfe", wie es im Untertitel heißt. Wodurch klar wird, dass die beiden Autoren ein Buch im Sinn hatten, das zuerst einmal Spaß machen soll.

Und weil jeder etwas anderes unter "nützlich" versteht, haben Richard Platt und James Brown hier dann eben alles Wissen versammelt, was sie selbst besonders interessant fanden. Ein Sammelsurium eben, auf 60 farbige Doppelseiten gepackt: Links immer der Text und rechts die dazugehörige Zeichnung. In blau, grau, rosa, grün und rot.

Es gibt also kein System in diesem Buch, außer dem der Beliebigkeit. Hat man das akzeptiert, wird es total spannend. Denn die Frage ist dann nicht mehr: Was haben Knoten und Sonnensystem, Fahrrad und Erdatmosphäre, Körperorgane und Gezeiten miteinander zu tun? Sondern: Welche Themenfelder gibt es dann doch zu entdecken?

Und da findet sich das Universum mit Erde, Sonne, Mond, Wolken und Gezeiten. Dann: Musik, Noten und Orchester. Außerdem Zahlen und Buchstaben, den menschlichen Körper und ein paar hochinteressante mathematisch-physikalische Phänomene wie der Goldene Schnitt.

Texte und Zeichnungen machen Lust auf mehr

Schnell ist man so tief drin in komplexen, naturwissenschaftlichen Themen wie dem Notensystem, der Fibonacci-Folge oder dem menschlichen Auge. Dabei wirken Richard Platts Texte und James Browns Illustrationen unangestrengt und eher spielerisch, sie machen Lust auf mehr. Selbst dann noch, wenn sich zeigt, wie schwierig es ist, solche Themen knapp und verständlich zu erklären sowie sie zeichnerisch darzustellen.

Oft widmen sich die beiden daher dann auch lieber Einzel-Aspekten als den großen komplizierten Zusammenhängen. Das gelingt nicht immer. Und so werden "Zeitzonen& Tektonische Erdplatten" prompt auf einer Doppelseite gemeinsam behandelt und dargestellt, wo sie beide unter dem Motto "Zeit und Veränderung" laufen, obwohl sie eigentlich beide jeweils gut eine eigene Doppelseite hätten füllen können.

Weniger wäre da manchmal mehr gewesen! Denn auch James Browns Bilder, die hervorragend farblich und künstlerisch gestaltet sind, geraten oft sehr kleinteilig und fordern vom Betrachter volle Konzentration.

Manche Illustrationen sind zu kompliziert

Das "Periodensystem der Elemente" ist, um ein Beispiel zu nennen, viel zu kompliziert, um es mit den abgebildeten Tabellen wirklich verstehen zu können. Und so gerät dieses Wissensbuch nicht nur für Zehnjährige, an die es sich laut Verlag richtet, zu einer Herausforderung - auch als Erwachsener kommt man schnell an seine Grenzen.

Auf der anderen Seite aber gibt es so viele hochinteressante Informationen und Anregungen, dass man Lust bekommt auf mehr. Eben ganz, wie es sein soll: Ein Buch für Schlauköpfe und solche, die es werden wollen.

James Brown/Richard Platt: "Das große Wissens-Sammelsurium. Vom Seemannsknoten bis zum Sonnensystem – nützliches und unnützes Wissen für Schlauköpfe"
übersetzt von Christiane Manz
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2017
64 Seiten, 19,95 Euro
ab 10 Jahren

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