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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 26.10.2018

Bronzekunst und Schrumpfköpfe in EuropaWem gehört Kulturgut aus Übersee?

Moderation: Annette Riedel

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Ein Schrumpfkopf der Jívaro (Ecuador), datiert auf 1920-1930, ist in der Ausstellung "Schädel – Ikone Mythos Kult" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Juli 2015 zu sehen. (imago / Becker&Bredel)
Ein Schrumpfkopf der Jívaro aus Ecuador zu sehen im Saarland: Wie gelangen solche Artefakte in europäische Museen? Nicht immer auf legalem Wege (imago / Becker&Bredel)

Viele europäische Museen stellen menschliche Überreste und wertvolle Kulturgüter aus Übersee aus. Einiges davon wurde zu Zeiten des Kolonialismus geraubt. Wie viel Raubkunst steckt in unseren Völkerkundemuseen?

Bei 15.000 Euro erfolgte der Zuschlag, und der südamerikanische Schrumpfkopf, der einmal das Haupt eines Menschen gewesen war, hatte einen neuen Besitzer. So geschehen diese Woche bei einer Versteigerung in Brüssel - business as usual. Üblich ist auch, dass in Völkerkundemuseen wertvolle Kunst- und Kultgegenstände aus Ländern des Südens gezeigt werden, deren Herkunftsgeschichte nicht selten blutig ist - Raubkunst aus den finsteren Zeiten des Kolonialismus. So etwa Bronze-Kunstwerke aus dem westafrikanischen Benin, einst Beute in einem britischen Kolonialkrieg, die heute viele ethnographische Sammlungen zieren.

Doch wem gehören diese Schätze aus außereuropäischen Ländern eigentlich? Müssten Kulturgüter, die dank kolonialer Unterdrückung nach Europa gelangt sind, nicht zurückgegeben werden? Von menschlichen Überresten ganz zu schweigen. Was wissen wir überhaupt darüber, wie diese Objekte in die Länder des Nordens gekommen sind? Brauchen wir eine Provenienzforschung auch für außereuropäische Kunst? Denn vieles ist Raubgut, aber nicht alles.

Ungleiche Machtverhältnisse zwischen Nord und Süd einst und jetzt machen Antworten auf diese Fragen nicht einfacher. Zumal es spätestens beim Umgang mit menschlichen Überresten auch um Rassismus geht. Doch gerade hier in Deutschland ist die koloniale Vergangenheit ein ziemlich blinder Fleck unseres historischen Bewusstseins. Der Bau des Humboldt-Forums in Berlin, das eine umfangreiche ethnographische Sammlung zeigen wird, wirft allerdings die Frage nach Herkunft und ethischer Bewertung der Exponate auf.

Teilnehmer:
Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Dr. Anna-Maria Brandstetter, Ethnologin, Universität Mainz
Dr. Joachim Zeller, Kolonialhistoriker, Berlin
Stefan Koldehoff, Journalist, Deutschlandfunk-Experte für Kunsthandel

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