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Fazit | Beitrag vom 13.08.2020

Britische Kulturbranche Die durch das Raster fallen

Robert Rotifer im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Das Museum Tate Gallery of Modern Art in London. (Henning Angerer / Hoch Zwei Stock / imago-images)
Krise im Kulturbetrieb: Auch die Tate Gallery in London plant wegen des starken Besucherrückgangs einen Stellenabbau. (Henning Angerer / Hoch Zwei Stock / imago-images)

In Großbritannien ist der Kultursektor stark unter Druck, ein drastischer Abbau von Arbeitsplätzen droht. Die Corona-Hilfspakete ignorieren die Nöte der technischen Mitarbeiter, berichtet unser Korrespondent Robert Rotifer.

Auch im Vereinigten Königreich ist unklar, wann wieder Großveranstaltungen möglich sind. Der britische Fachverband der Licht- und Tontechnik sieht eine düstere Zukunft für seine Mitglieder voraus, die zum großen Teil das technische Know-how in der Kultur- und Veranstaltungsbranche auf der Insel stellen. Bis zu einer Million Arbeitsplätze könnten verloren gehen, heißt es.

Konzerthallen und Theater sind noch geschlossen

Kulturinstitutionen würden durchaus von Corona-Hilfspaketen profitieren, sagt unser Kulturkorrespondent Robert Rotifer in London. Aber bis zu drei Viertel der dort Tätigen seien Freiberufler und bekämen kein Kurzarbeitergeld. Zwar habe es für sie die Möglichkeit gegeben, sich 80 Prozent der normalerweise erzielten Einnahmen auszahlen zu lassen - aber diese Maßnahme laufe nun im Herbst aus.

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"Es gibt jetzt schon viele Leute, die existenzgefährdet sind, und es gibt noch viel mehr Leute, die bald sehr existenzgefährdet sein werden. Im Unterschied zu anderen Ländern machen nämlich in Großbritannien Konzertlokale und Theater immer noch nicht auf", berichtet Rotifer. Dieser Sektor sei in Großbritannien zudem im Vergleich mit anderen Ländern viel größer.

Explosion der Arbeitslosigkeit erwartet  

"Red Alert" hieß eine Aktion, die auf die Probleme aufmerksam machen sollte, über 700 Veranstaltungsorte machten mit. Hochkarätige Künstler wie Peter Gabriel, The Cure oder New Order erklärten sich solidarisch. "Normalerweise würden die Benefizkonzerte machen", so Rotifer: "Aber genau das geht ja gerade nicht."

Er selber habe Bekannte in der Musikszene, die starke Einbußen verkraften müssten, sagt Rotifer. Mit dem Auslaufen der Kurzarbeit stehe eine Explosion der Arbeitslosigkeit bevor. "Es ist, glaube ich, nicht übertrieben, vom Beginn einer Katastrophe für diesen Sektor zu sprechen."

(rja)

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