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Tonart | Beitrag vom 01.06.2021

Brit-Band Black MidiErneuerer der Rockmusik

Christoph Reimann im Gespräch mit Martin Böttcher

Die britische Band Black Midi bei einem Konzert. Im Vordergrund mit Gitarre: Sänger Geordie Greep. (picture alliance / Photoshot)
Die Rockband Black Midi lässt sich auf nichts festlegen. Für unseren Kritiker macht genau das sie besonders spannend. (picture alliance / Photoshot)

In Großbritannien wird ein totgesagtes Genre erfolgreich wiederbelebt: Rockmusik. Neben Bands wie Shame oder Dry Cleaning ragen auch die Musiker von Black Midi heraus. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, sich das neue Album „Cavalcade“ anzuhören.

Wer ein Mittagstief hat und sich einen Song von Black Midi anhört, ist vermutlich schnell wieder hellwach. Die Songs des neuen Albums "Cavalcade" der vier jungen Londoner Geordie Greep , Matt Kwasniewski-Kelvin, Cameron Picton und Morgan Simpson klingen laut einer "Musikexpress"-Kollegin "wie ein dystopisches Wimmelbild von den verdrehten Einserschülern aus Brixton".

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Die Musik von Black Midi, sagt unser Kritiker Christoph Reimann, sei "vor allem das Ergebnis eines Input-Overkills." Sänger und Bassist Cameron Picton etwa sei erst Anfang 20 – "und damit ein Kind des Internets. Seine Generation ist damit aufgewachsen, dass alle Popmusik der vergangenen Dekaden immerzu verfügbar ist. Und das fließt ein in die Musik."

Unterschiedlichste Einflüsse

Picton zählt unter anderem so unterschiedliche Richtungen wie Astor Piazzolla, Oliver Messiaen, Actress oder Bert Jansch als Inspirationsquellen für das neue Album auf. "Manchmal klingt es so, als würde alles zur selben Zeit passieren", findet Reinmann.
Aber manchmal seien tatsächlich einzelne Einflüsse gut zu unterscheiden:

"Zum Beispiel das Mahavishnu Orchestra, eine ganz wichtige Band des Fusion-Rock in den Siebzigern. Auch da gab es eine Nähe zum Jazz, die man auch in der Musik von Black Midi hört. Cameron Picton hat aber betont, dass sie bisher ungehörte Musik machen wollen, dass sie innovativ sein wollen. Und ich denke, das gelingt ihnen auch über weite Strecken."

Ein Song über Marlene Dietrich

Auch Einflüsse von Jazz seien herauszuhören, sagt der Kritiker. Insgesamt gefalle ihm gut, dass die vier Musiker so vielseitig seien. Das bezieht sich auch auf die Songinhalte. Etwa der ruhige Song "Marlene Dietrich".

Ist es nicht etwas ungewöhnlich, dass so junge Musiker eine längst verstorbene Filmdiva besingen? "Die Songtexte sind oft schwer zu dechiffrieren", sagt Christoph Reinmann. Seine Interpretation: Es gehe an dieser Stelle um männliche Begierde, um die Objektifizierung von Frauen und, damit einhergehend, um die Probleme, die daraus resultieren.

Die Band nehme eine selbstkritische Haltung zu ihrer Männlichkeit ein. "Auch deshalb sind sie Erneuerer der Rockmusik und unterscheiden sich von anderen: Weil sie nicht dem Bild der typischen Rockband entsprechen."

Bei Black Midi Band komme so vieles zusammen, dass man sie zu Recht als Innovatoren der Rockmusik bezeichnen, urteilt Reimann: "Das macht das Album so spannend und so gut, obwohl das Zuhören nicht immer ganz leicht fällt."

(mkn)

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