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Kompressor | Beitrag vom 06.07.2018

Bremer Kunstausstellung zu Online-DatingTinder ist die neue Bar

Jasmin Mickein im Gespräch mit Gesa Ufer

Tom Wood B&W Kiss, 1982 (Detail)aus der Serie Looking for love, 1982–85Fotografie, 24 x 30 cmKunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, © Tom Wood,courtesy of the artist (copyright Tom Wood - courtesy of the artist)
Tom Wood B&W Kiss, 1982 (Detail) aus der Serie Looking for love, 1982–85 (copyright Tom Wood - courtesy of the artist)

Die Bremer Ausstellung "What is love" ist die erste Schau, die dem Phänomen Online-Dating in der Kunst nachspürt - mit Werken aus alter Zeit bis heute: Das Internet ändert nicht, wie wir lieben, aber wie wir einander umwerben, sagt Kuratorin Jasmin Mickein.

Die Bremer Ausstellung "What is love" ist die erste Schau, die dem Phänomen Online-Dating in der Kunst nachspürt und Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen zum Thema Erotik, Partnerschaft, Liebe und Schönheit zeigt. Sie ist der Versuch, ein jüngeres, netzaffines Publikum ins Museum zu locken.

Jasmin Mickein hat die Schau kuratiert. Sie habe festgestellt, dass Online-Dating zwar im Wohnzimmer oft ein Thema sei und dass Journalisten häufig in Form eines Selbstversuchs darüber berichteten – dass es darüber hinaus aber kaum öffentlich diskutiert werde. 

"Wie lernt man jemanden kennen?"

"Ich finde, das ist ein absolut relevantes Thema heutzutage – wie lernt man jemanden kennen? Es gibt Online-Dating und wie geht man damit um – und es wird aber institutionell nicht diskutiert."

So sei die Idee entstanden, eine Ausstellung zu machen, die ganz konkret bei diesem Thema ansetzt. Die These der Schau, erklärt Mickein so:

"Das Internet ist einfach ein neuer Ort geworden, an dem man sich trifft: so wie die Bar sich auch als ein Ort etablieren musste, wo sich Männer und Frauen treffen dürfen, ist das Internet und konkreter das Online-Dating zum Ort geworden." 

Ein Werk in der Schau ist von einer türkischen Fotografin, die 25 Männer auf Tinder getroffen und diese dann gebeten hat, über ihren männlichen  Körper zu sagen, was sie schön und was sie nicht schön fänden. Und dann habe sie die Männer gebeten, über ihren weiblichen Körper zu urteilen.

"Das Ganze hat sie in einem Buch veröffentlicht, wo auf der rechten Seite – so wie bei Tinder – rechts geliked ist und wo auf der linken Seite das gedislikte Körperteil ist." So behandle sie die Themen der Schönheit, der Selbstinszenierung und auch des Urteilens über Körperteile und über Schönheit.

Erotik im Leben und in der Kunst

In der Ausstellung sind auch Werke aus der Sammlung zu sehen, die sich mit der Darstellung von Liebe in der Vor-Tinder- Zeit befassen – von Feuerbach über Picasso bis Tom Wood.

Im ersten von fünf Abschnitten geht es um Urpaare: also Adam und Eva oder Amor und Psyche – und wahrscheinlich der Ursprung unserer Kultur und unserem Verständnis, dass wir als Individuen nicht vollständig seien, dass wir nach einer Beziehung streben und Singles bemitleiden.

Adriaen Isenbrant (Ysenbrant) Adam und Eva, um 1520 (Detail) Öl auf Eichenholz40 x 30 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen (Lars Lohrisch)Adriaen Isenbrant: Adam und Eva, um 1520 (Detail) (Lars Lohrisch)

Im fünften Teil, der für Mickein der Höhepunkt der Ausstellungist,  gehe es um Erotik, denn, so Mickein: "Sex spielt natürlich eine große Rolle – ob jetzt beim Online-Dating oder in der realen Liebe und auch in der Kunst selber wird Erotik thematisiert."

"Das Internet als relativ neue Technologie ändert nicht, wie wir lieben - aber das Internet ändert natürlich, wie wir einander umwerben", sagt Mickein.

Studien zeigten, dass Menschen, die nach einer ernsthaften Beziehung streben, durch das Internet nicht zu jemanden werden, der ständig Affären hat.

"Das Internet ist eine neue Plattform, auf der Menschen das suchen, was sie suchen wollen – und das finden – potenziell."

(Selbst-)klassifizierung als Voraussetzung

Das Problem sei, dass beim Online-Dating Menschen klassifiziert werden müssen. Man müsse Eigenschaften anklicken, die man sucht oder die man an sich selber ausgemacht hat. Bildungsgrad, Größe, Geschlecht, Hobbies.

Wenig Romantik also im Internet? Mickein sagt:

"Das ist dem Internet nun leider inhärent, dass Computer mit Algorithmen funktionieren, und beim Online-Dating Menschen nur suchbar sind, wenn sie sich gewissen Eigenschaften zuordnen."

Erfahrungen wie Geruch, Stimme, Gestik und Mimik – das sei das, was ein Mensch an einem anderen liebe – könne das Internet eben leider nicht abbilden.

What is Love? Von Amor bis Tinder
Ausstellung in der Kunsthalle Bremen
7. Juli bis 21. Oktober 2018

(mf)

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Fazit

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