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Breitband | Beitrag vom 02.06.2018

Breitband SendungsüberblickWann ist "zu weit" zu weit?

Moderation: Vera Linß

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Eine weiße Ziege schaut mit großen Augen in die Kamera. (Photo by Michael Kahl on Unsplash)
Unschuldig schauen hilft nur bedingt, wenn Grenzen überschritten werden. (Photo by Michael Kahl on Unsplash)

Der Journalismus bewegt sich grundsätzlich auf einem schmalen Grat. Er muss unabhängig und neutral sein, gleichzeitig aber starke Meinungen und Argumente entwickeln, sich sicher sein, wann er anklagt oder verteidigt. Darf ein Journalist also auf eine Demo? Darf er mit einem Geheimdienst seinen Tod inszenieren?

Verlasst die sozialen Netzwerke

Jaron Lanier hat ein neues Buch veröffentlicht, das den Titel trägt: "Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst". Der Netzkritiker hält Twitter, Facebook und Reddit für das große Übel des Internets. Doch er glaubt auch, dass die Probleme des heutigen Netzes viel früher angefangen haben. "Schon bevor Google gegründet wurde, wussten wir, dass es eine schreckliche Idee war, das ganze Geschäft auf Werbung aufzubauen". Doch er könne dies Larry Page und Sergey Brin nicht vorwerfen, Google so gebaut zu haben. Sie seien von den frühen Aktivisten dazu gedränt worden, dass alles im Web kostenlos sein müsse. Christoph Drösser hat den Informatiker für Breitband in seinem Haus in Kalifornien besucht.

 

Demos: No-Go-Areas für Journalisten?

Unter dem Motto "AfD wegbassen" gab es große Demonstrationen gegen den Aufmarsch von AfD und ihren Anhängern in Berlin. Der Büroleiter für die "ZEIT im Osten", Martin Machowecz schrieb daraufhin auf Twitter: "Ich sehe recht viele Journalisten in meiner Timeline, die gestern offenbar mehr oder weniger privat an einer Demo namens "AfD wegbassen" teilgenommen haben. Ich finde das problematisch. Kann man denn dann am nächsten Tag wirklich wieder glaubwürdig über die #AfD schreiben?"

Daraufhin entbrannte eine Diskussion im Netz und in den Kommentaren von Zeitungen, ob Journalisten an Demonstrationen teilnehmen dürfen. Daniel Bouhs fasst für uns die Meinungen zusammen.

 

"Inszenierung des Jahres"

Am Dienstag, den 29. Mai, wurde die Erschießung des russichen Journalisten Arkadij Babtschenko in Kiew gemeldet. Babtschenko ist ein bekannter Kriegsjournalist und Kreml-Kritiker, der mehrfach bedroht wurde und deswegen in der Ukraine im exil lebte. Ist, weil die Meldung über seinen Tod rund einen Tag später eine kuriose Wendung nahm: Plötzlich war er auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes zu sehen. Seine Erschießung war nur inszeniert, um die Hintermänner und den Auftragsmörder dingfest zu machen. Damit, so sagt der ukrainische SBU, konnte die Befehlskette bis nach Russland zurückverfolgt werden. Doch Beweise dafür legte er bisher nicht vor. Jetzt wird diskutiert, ob Babtschenkos Handeln richtig war, denn er hat nicht nur mit einem Geheimdienst zuammengearbeitet, sondern auch sein höchstes Gut als Journalist in Frage gestellt, seine Glaubwürdigkeit. Über die internationalen Reaktionen auf einen Mord, der keiner war und ob dies ein Bärendienst am Journalismus war, berichtet Azadê Peşmen.

 

Das toxische Netz

In einer großen Untersuchung haben Journalisten von netzpolitik.org, in Zusammenarbeit mit weiteren Journlisten in Europa, untersucht, wie toxisch die Debatte im Netz wirklich ist. Ihre Frage war, wann es zu einem Shitstorm auf den Social-Media-Accounts von Politikern kommt. Im Rahmen des "Political Speech  Project" untersuchten sie zufällig ausgewählte Facebook und Twitter-Accounts von 40 europäischen Politikern. Wir sprechen mit Alexander Fanta von netzpolitik.org über die Methodik der Untersuchung und die Ergebnisse.

 

Die zweite Schicht von Bitcoin

Beim Internet war es der Durchbruch, an den sich heute nicht mehr viele erinnern. Erst die Einführung des HTTP-Protokolls brachte nutzerfreundliche Anwendungen, wie beispielsweise den Browser. Es war damals die zweite Schicht, aufgesetzt auf die ausgehende Technik des Internets. Jetzt entwickeln sich Techniken wie das Lightning-Protokoll für Bitcoin, dass eine ähnliche Entwicklung hervorrufen könnte und das "Internet des Geldes", das lange versprochen wird, wirklich anwenderfreundlich zu machen. Über das neue Protokoll und Vergleiche mit den Anfangszeiten des "Internets der Information", sprechen wir mit Friedemann Brenneis.

 

Die Netzmusik-Playlist

Lower Loveday - Chains (CC-BY-SA)
Frankie Barbano - Like A Bee (CC-BY)
SINEVVAVE - Sofia (CC-BY-SA)
Templeton Universe - Disenchanted (CC-BY)
Mack Aroni - Letters (CC-BY)
Captive Portal - Be Which One? (CC-BY-SA)

Das Team der Sendung

Moderation: Vera Linß
Redaktion: Jana Wuttke und Jochen Dreier
Netzmusik: Teresa Sickert
Webredaktion: Jochen Dreier

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