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Breitband | Beitrag vom 09.03.2019

Breitband SendungsüberblickStimmen neuer Dienstmädchen und Regulierung des Darknets

Moderation: Jenny Genzmer und Tim Wiese

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Ein Mensch mit einer spiegelnden Maske vor dem Gesicht. Er wirkt wie ein Roboter. (Photo by Alex Iby on Unsplash)
Eine Maschine hat kein Geschlecht, doch sobald es so anmutet, treten Rollenklischees hervor. (Photo by Alex Iby on Unsplash)

Was hat es für gesellschaftliche Auswirkungen, wenn fast alle Sprach-Assistenten standardmäßig weibliche Stimmen haben? Außerdem könnte ein Urteilsspruch und eine Initiative im Bundesrat die Regulierung des Darknets vorantreiben.

Der Klangforscher Holger Schulze sagt, dass die Sprachassistentinnen die digitalen  wären. Wir befehlen, sie führen aus. Doch warum eigentlich? Führt dies nicht zurück zu längst verworfenen Geschlechterrollen, vielleicht sogar ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen?

Was die Maschine wirklich ist

Deutlich wird dies weniger bei erfolgreichen Befehlen, als bei unverstandenen Eingaben über Sprache. Dann heißt es: "Das kann sie nicht", "so intelligent ist sie nicht" oder "Mann, ist sie blöd".

Korrekt wäre es, dass neutrale Personalpronomen "Es" zu benutzen, die Maschine als das zu bezeichnen, was es ist. Doch der Mensch ist anders gestrickt. Wenn die Stimme einer Maschine weiblich oder männlich klingt, dann wird diese auch als männlich oder weiblich bezeichnet - völlig abgesehen davon, dass die Namen Siri, Cortana und Alexa vorn vornherein Weiblichkeit suggerieren.

"Einer demokratischen Kultur, die auf Gleichstellung bedacht ist, ist dies aber nur wenig zuträglich. Die digitalen Dienstmägde der Gegenwart verfestigen und verewigen Geschlechterhierarchien, Ungleichbehandlung und Ausbeutung," meint Holger Schulze. Darüber sprechen wir mit ihm und versuchen Lösungsansätze vorzustellen und zu finden.

Licht ins Darknet

Am Donnerstag erging das Urteil im Elysium-Fall, bei dem es um ein 2017 im Darknet ausgehobene Kinderpronografie-Netzwerk ging. Die vier Angeklagten erhielten jeweils hohe Haftstrafen von drei Jahren und zehn Monaten bis zu neun Jahren und neun Monaten plus Sicherheitsverwahrung.

Das Ermittlungsverfahren geht aber weiter, da die Plattform über 100.000 Mitglieder hatte. Doch die Anonymisierung im Darknet macht es für die Kriminalbehörden schwierig Mittäter ausfindig zu machen.

Ein Vorstoß Nordrhein-Westfalens im Bundesrat möchte es zumindest Gerichten in Zukunft noch leichter machen, Plattformbetreiber im Darknet zu Rechenschaft zu ziehen. Nach dem Gesetzesvorschlag wäre schon das Anbieten von Diensten im Darknet strafbar, wenn sie eine Straftat wie das Verbreiten von Rauschgift, Sprengstoff oder Kinderpornografie ermöglichen. Höchststrafe wäre ein dreijähriger Freiheitsentzug. Hessen und Bayern unterstützen den Entwurf.

Doch Kritiker fürchten, dass künftig jede Handlung im Darknet strafbar sein könnte, sofern diese eine Straftat erleichtert. Zum Beispiel das reine zur Verfügung stellen eines Portals. Eine zu harte Gesetzeslage könnte dann aber auch das normale Internet beeinflussen, denn auch bei den bekannten Kleinanzeigen-Portalen im Surface-Web wird gelegentlich Hehlerware angeboten. Ein strengeres Gesetz könnte weitaus größerer Auswirkungen haben, als der Bundesrats-Vorstoß sich erhofft. Peggy Fiebig berichtet.

Facebook verspricht (mal wieder) Änderungen

In den Medien und Meinungen beschäftigen wir uns mit dem neuen Datenskandal bei Facebook, sowie der überraschenden Ankündigung Mark Zuckerbergs Facebook in Zukunft zu einem sicheren Netzwerk umzubauen, dass stärker auf Privatssphäre setzt. Außerdem klären wir über die Hintergründe des Spiels "Rape Day" auf, das international für Schlagzeilen sorgte und sprechen über das "Comeback" der Gruppe Anonymous.

Round and Around and Around and Around we go

Es gibt einen neuen Audio-Hype und er verspricht gleich ein paar Dimensionen zu überspringen: 8D-Audio. Dabei werden häufig bekannte Charts-Songs in neue Klang-Räumen geremixt, so dass die verschiedenen Spuren (zumindest über Kopfhörer) sich kreisförmig im Kopf des Hörers bewegen. Im Endeffekt wird dies durch einen sogenannten Spatializer-Effekt erreicht.

Manche halten das für eine Revolution und die Zukunft von Musik, andere für absoluten Schwachsinn. 8D-Audio hat also genau das Zeug für einen kritischen Blick unseres Musik-Experten Christoph Möller.

Netzmusik-Playlist

Goodgirl - Crimes
Little Waist - No Mass (CC BY)
Tom Woodward - Stranger, Please Don't Go (CC BY)
Mentalease - Push a Button (CC BY)
Kill Bill x Rav - passionfruit [feat. Scuare] (CC BY)
Squady - Slow Down (CC BY

Moderation: Jenny Genzmer und Tim Wiese
Redaktion: Jochen Dreier und Jana Wuttke
Medien und Meinungen: Dennis Kogel
Netzmusik: Roland Graffé

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