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Kompressor | Beitrag vom 21.06.2016

BrasilienKulturschaffende gegen den Übergangspräsidenten

Timo Grampes im Gespräch mit Azadê Peşmen

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Der brasilianische Interimspräsident Michel Temer, hier am 7. August 2014 in Bogota/Kolumbien. (picture alliance / dpa / Leonardo Munoz)
Der brasilianische Interimspräsident Michel Temer (picture alliance / dpa / Leonardo Munoz)

Der brasilianische Übergangspräsident Michel Temer ist gerade mal einen Monat im Amt. Viel Kritik erntet er von Kulturschaffenden Brasiliens im In- und Ausland. In Cannes, Dresden und Berlin machten Tänzer und Theatermacher auf die politische Lage in ihrem Land aufmerksam.

Die Kunstschaffenden Brasiliens protestieren nicht nur auf internationalen Bühnen, sondern auch im Land selbst: In allen Bundesstaaten werden öffentliche Gebäude, die dem Kulturministerium zugehörig sind, derzeit von Künstlern besetzt. Theaterregisseur Andrei Bessa ist in der Stadt Fortaleza an einer Besetzung beteiligt:

"Alle Künstler, die an den Besetzungen beteiligt sind, sind der Meinung, dass wir ein effizientes Kulturministerium brauchen, es reicht nicht aus, ein leeres Gebäude zu haben, das nur diesen Namen trägt. Das ist die erste Forderung. Und die zweite: dass wir eine legitimierte Regierung brauchen."

Für die Wiedereinsetzung von Dilma Roussef

Die Übergangsregierung von Michel Temer akzeptieren viele brasilianische Künstler nicht, die Suspendierung von Dilma Rousseff sehen sie als Putsch an. Aber nicht alle Kreativen sehen das so. Vor allem diejenigen, die für den großen Medienkonzern Globo arbeiten, sind gegen Dilma Rousseff und unterstützen Michel Temer. Juliana Lemes, Filmemacherin aus São Paulo, kann das nicht verstehen. Sie möchte, dass Dilma Rousseff wieder ihr Amt antritt:

"Weil wir keine andere Option haben. Wenn Temer sein Amt abgibt, dann wird es Neuwahlen geben, aber wer sind dann die neuen Kandidaten? Als Dilma wiedergewählt wurde und ihr Amt angetreten hat, hat sie davon gesprochen, dass sie eine politische Reform auf den Weg bringen möchte. Und deshalb fragen wir uns jetzt: Aber wer wird jetzt diese politische Reform durchführen?"

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