Samstag, 21.09.2019
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.03.2019

Brasilianische Druckgrafik in LeipzigDie Macht der Vervielfältigung

Gregor Jansen im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Demonstration gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Zu sehen ist eine Fotokopie mit dem Präsidenten-Konterfei und dem Schriftzug: "Ele nao! - Der nicht!" (imago)
Die brasilianische Kulturszene wehrt sich mit allen Mitteln gegen Präsident Jair Bolsonaro, auch mit Druckgrafiken wie dieser hier. (imago)

In Leipzig werden Druckgrafiken brasilianischer und deutscher Künstler gezeigt, die jenseits des klassischen Drucks experimentieren. Kurator Gerd Jansen ist begeistert von diesem "billigen, einfachen und im Grunde auch antiautoritären Medium".

1935 hat Walter Benjamin im Pariser Exil einen Aufsatz geschrieben, der wegweisend war und auch heute noch wichtig ist: "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit".

Was geschieht mit der Kunst und der Kunstrezeption, wenn Werke beliebig oft reproduziert werden können, wenn nicht mehr zu unterscheiden ist zwischen Original und Kopie? Und was ist mit der Aura, die das Original umgibt? Geht sie verloren, und wenn ja: Was bedeutet das?

Initiiert vom Goethe-Institut Porto Alegre

Über alle diese Fragen haben jetzt neun Künstler aus Brasilien und fünf aus Deutschland nachgedacht. Das Resultat ist in der Ausstellung "Die Macht der Vervielfältigung" in der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen.

Initiiert hat das Projekt das Goethe-Institut Porto Alegre. Die Ausstellung kuratiert hat Gregor Jansen, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf.

100-jährige Druckgrafik-Geschichte

Jansen berichtet von einer 100-jährigen Druckgrafik-Geschichte der Region um Porto Alegre. Dort habe es sehr vielfältige Ansätze mit Druck und deren technischen Möglichkeiten zu experimentieren gegeben:

"Ich habe da eine Maschine vor Ort gesehen aus Heidelberg aus dem Jahre 1914." In den 50er- und 60er-Jahren und später habe es zudem "sehr relevante Druckclubs" gegeben, also eine Art "Künstlervereinigungen, die sich treffen, um über die politischen Möglichkeiten des Mediums nachzudenken und gemeinsam Stärken zu entwickeln."

Billiges Medium, das in den öffentlichen Raum wirkt

Jansen, für den die brasilianische Druckgrafik-Szene Neuland war, zeigt sich im Gespräch begeistert von diesem "billigen, einfachen und im Grunde auch antiautoritären Medium". Der Witz liegt für ihn darin, "dass es Kunst sein kann und darf, aber natürlich auch als sehr billiges Medium in den öffentlichen Raum wirkt".

Trotz der negativen Auswirkungen auf die brasilianische Kulturszene – seit dem Amtsantritt von Präsident Jair Bolsonaro sei eine gewisse Energie zu spüren. Die Künstler, die Kummer gewöhnt seien, versuchten, sich zu wehren, aktiv zu sein – genau mit ihren Mitteln der einfachen und billigen Kunst.

Betrachtet man die deutsche Druckgrafikgeschichte kann man sehr gut die Macht, die dieses Medium haben kann, erkennen: "Die Macht der Druckgrafik in Deutschland hat zur Reformation geführt und auch zu einer Demokratisierung."

Die Ausstellung "Die Macht der Vervielfältigung" ist noch bis zum 23. März in der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen.

Kulturpresseschau

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