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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.07.2018

Brandenburgische Konzerte in LeipzigBach für virtuose Könner

Moderation: Ulrike Klobes

Das Ensemble Collegium 1704 steht in einem hellen Kirchenraum (Collegium 1704/Petra Hajská 2015)
Das Collegium 1704 hat sich nach einem Jahr benannt, in dem in Prag ein besonderes musikalisches Großereignis stattfand. (Collegium 1704/Petra Hajská 2015)

Die Brandenburgischen Konzerte brauchen eine starke Besetzung: Deshalb sind sie ein dankbareres Repertoire für das Prager Collegium 1704, das erneut beim Bachfest Leipzig zu Gast ist – mit Unterstützung eingeladener Barock-Spitzenkräfte.

Der junge Johann Sebastian Bach, ein lebenslustiger Mann, der gerne tanzt, fand in Köthen eine ideale Stelle am Hof eines Musikliebhaber-Fürsten mit stattlicher Kapelle. Hier schrieb er Tanz-Suiten und Konzerte. Musik, die sowohl auf verständige Musiker als auch auf ein Musik-gieriges, höfisches Publikum traf.

Schloss Köthen, Schlosshof (C. Jann/Kulturstiftung Sachsen-Anhalt)Da, wo Bach einst musizierte und tanzte ist heute auch eine Bach-Gedenkstätte - im Schloss Köthen (C. Jann/Kulturstiftung Sachsen-Anhalt)
In dieser Amtszeit begegnete er dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg. Dieser hörte Johann Sebastian Bachs Musik und bestellte sofort etliche Konzerte bei ihm. Bach ließ sich Zeit. Erst nach zwei Jahren schickte er eine Sammlung von sechs Konzerten, die allerdings nicht für das Niveau der Markgrafen-Kapelle geeignet zu sein schien, sondern eher ein Konglomerat verschiedener Konzert-Formate war. Legt man Besetzung der Konzerte und die Musikerbesetzung des dortigen Hofes nebeneinander, wird schnell klar - diese Musik konnte dort nicht zur Aufführung gelangen.

Starke Solisten gefordert

Das erste Konzert zum Beispiel verlangt eine für damalige Verhältnisse starke Bläsertruppe: zwei Hörner, drei Oboen und ein Fagott, samt Streicherapparat und Bassinstrumente für den sogenannten Basso continuo. Zudem setzte Bach ein Violino piccolo ein - ein recht kleines Streichinstrument, das erst einmal in einer Instrumentenkammer eines Fürsten zur Verfügung stehen musste.

Ein Violino piccolo mit verziertem Hals neben einer modernen Geige  (Deutschlandradio / Cornelia de Reese)Neben einer Geige ein Violino piccolo mit verziertem Hals - kein Kinderinstrument, sondern eine schwer zu spielende Diskantgeige (Deutschlandradio / Cornelia de Reese)
Im zweiten Brandenburgischen Konzert wird ein versierter Trompeter für den Solopart gebraucht. Dem stehen knifflige Partien für Solo-Oboe, Solo-Flöte und Solo-Violine zur Seite.
Das nächste Konzert benötigt wieder eine ganz andere Besetzung: und zwar eine recht große Streicherbesetzung samt Cembalo. Hier müssen sie die Musiker in das tänzerische Konzert stürzen - die Schönheit der Musik kann sich nur dann entfalten, wenn die Streicher zu einem homogenen Klang finden. Alles andere, als einfach. 

Diese "Gruppenkonzerte", die besonders in Deutschland in dieser Zeit populär waren, sind hoch virtuos und nichts für provinzielle Blattspieler.

Ergänzt wird das Programm mit einer persönlichen Umarbeitung des Konzertes BWV 1061, das der Leiter des Ensembles, Václav Luks, für eine andere Besetzung als ursprünglich überliefert umgearbeitet hat. Ein legitimer Umgang mit dieser Musik, die oftmals für jene Besetzungen umgeschrieben wurde, die gerade zur Verfügung stand.

Xenia Löffler hält ihre buchsbaumfarbene Barockoboe in der Hand (xenialoeffler.com/Daniel Maria Deuter)Xenia Löffler mit ihrer Lieblingsoboe (xenialoeffler.com/Daniel Maria Deuter)

Das Prager Alte Musik Ensemble "Collegium 1704" ist regelmäßig beim Bachfest in Leipzig zu hören. Für dieses Konzert haben die Musiker Barock-Spitzenkräfte eingeladen: die Oboistin Xenia Löffler und Vittorio Ghielmi für den Part an der Viola da gamba, ebenso die Sopranistin Julia Sophie Wagner, die als Bach-Spezialistin gilt.

Im Gespräch mit Ulrike Klobes erörtert Václav Luks Themen wie Tempowahl und Besetzungsbesonderheiten für sein Konzert:

Aufzeichnung des Konzertes vom 16. Juni 2018 in der Nikolaikirche Leipzig beim Bachfest Leipzig

Johann Sebastian Bach
Brandenburgisches Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046
Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047
Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048

Konzert C-Dur für zwei Cembali, Streicher und Basso continuo BWV 1061,
eingerichtet für Oboe, Violine, Viola da gamba, Fagott, Streicher und Basso continuo von Václav Luks

Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen" BWV 51

Julia Sophie Wagner, Sopran
Xenia Löffler, Oboe
Vittorio Ghielmi, Viola da gamba
Collegium 1704

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