Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 21.02.2016

BrandenburgSportjugend gegen rechte Tendenzen in den Vereinen

Von Thilo Schmidt

Podcast abonnieren
(picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Fußbälle liegen auf deinem Spielfeld hinter einer Eckfahne. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Was passiert, wenn in einem Sportverein rechtsextreme Kader eine Jugendmannschaft trainieren? Wahrscheinlich gibt es schlechte Presse, Konflikte und Misstrauen im Verein. Brandenburger Sportvereine können sich in solchen Fällen an den Landessportbund wenden.

Ein Sportverein in der brandenburgischen Provinz. Die Sportler treten öffentlich mit rechtsextremen Symbolen auf T-Shirts und Körperteilen auf. Bei einem Turnier halten die Spieler ein verfassungsfeindliches Plakat. Darüber berichtet erst eine Zeitung, dann entsteht ein solches Medienecho, dass der Verein überfordert und völlig hilflos ist. Er bestreitet, damit etwas zu tun zu haben, wittert üble Nachrede und macht schließlich ganz dicht. Dann bietet Uwe Koch von der Brandenburgischen Sportjugend, der dort Referent für soziale Projekte ist, seine Hilfe an.

"Wir unterstützen die Vereine dabei, mit diesen Problemen aktiv umzugehen. Das sind ungeklärte Fragestellungen, das sind Konflikte. Die da entstehen, in verschiedenen Bereichen. Aber oft sind die auch medial begleitet, sodass der Verein mit dem Rücken an der Wand steht. Und insofern sind wir gerade in dieser Frage auch ne Feuerwehr, dass wir den Verein wieder handlungsfähig machen."

Koch schult die Vorstände im Umgang mit den Medien betreut den Verein zusammen mit externen Beratern, holt dank guter Vernetzung den Staatsschutz, lokale Autoriäten und andere Institutionen ins Boot.

"Und der zweite Schritt nach der Handlungsfähigkeit ist dann das, mit dem Verein die demokratischen Strukturen aufzubauen, zu gucken, wo hat's geklemmt, und insofern sehen wir unsere Aufgabe auch darin, mit dem Verein nachhaltige Strukturen, demokratische Strukturen zu entwickeln und zu stärken."

Die Beratung geht über ein ganzes Jahr: Medienstrategie, Schulung zu verfassungsfeindlichen Symbolen. Sofern man "politisch" nicht mit "parteiisch" verwechselt, ist der Sport überhaupt nicht unpolitisch und sind Sport und Politik auch überhaupt nicht zu trennen, so Koch.

Ein Vorzeigemodell für andere Bundesländer

"Wir haben einen klaren antirassistischen Kodex, und in dem Kontext spielen wir natürlich in der großen Politik mit. Politik ist natürlich auch das, was passiert, wenn wir uns zu Rechtsextremismus oder zu allgemeinpolitischen Fragestellungen äußern. Und da ist der organisierte Sport durchaus nicht unpolitisch."

Ihr Beratungskonzept für Vereine mit Problemen am rechten Rand schuf die Sportjugend wegen der offenen rassistischen und rechtsextremen Strukturen in Brandenburg in den 90er-Jahren. Genauso wichtig wie die Intervention ist aber die Prävention. Robert Busch, Jugendsekretär der Sportjugend.

"Sport wird momentan noch in jeder Kommune betrieben, auch noch in der kleinsten Kommune gibt's einen Sportverein, sodass wir die Leute auch erreichen können, und wir versuchen halt mit dem Sport, über den Sport die Werte zu transportieren: Fair Play, Toleranz, und dafür zu werben, dass Leute sich eben ein Gesellschaftsbild machen, das in die Mitte gehört und nicht am rechten Rand behaftet ist."

Die brandenburgische Sportjugend ist Mitbegründer des Netzwerks "Tolerantes Brandenburg", ein Handlungskonzept der Landesregierung. Sie ist mit anderen Akteuren wie der "Opferperspektive" oder dem Aktionsbündnis Brandenburg auch Mitglied der Koodinierungsstelle des Netzwerks.

"Heute ist das 'Tolerante Brandenburg' tatsächlich ein Vorzeigeprojekt, oder ein Vorzeigemodell, für andere Bundesländer, weil es uns auch wesentlich die Arbeit erleichtert, wenn es um solche Fragen wie Rechtsextremismus-Bekämpfung geht, weil Netzwerke vorhanden sind, weil ne Abstimmung erfolgt, und weil es auch immer auf der Tagesordnung ist. Sowohl bei den einzelnen Verbänden und Vereinen als auch bei der Landesregierung."

Ein Engagement, das andere Bundesländer vernachlässigt haben - und das hat Folgen.

Nachspiel

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur