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Im Gespräch | Beitrag vom 25.09.2020

Boxerin Zeina NassarDie Unstoppbare

Moderation: Katrin Heise

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Zeina Nassar, Boxerin, steht in der TSC-Boxhalle und hält die Boxhandschuhe hoch. (picture alliance / dpa / Arne Immanuel Bänsch)
Boxerin, Schauspielerin, Studentin: Zeina Nassar ist für viele muslimische Frauen ein Vorbild. (picture alliance / dpa / Arne Immanuel Bänsch)

Zeina Nassar boxt seit ihrem 14. Lebensjahr. Die 22-Jährige lebt in Berlin, studiert in Potsdam, spielt am Gorki-Theater und ist deutsche Boxmeisterin im Federgewicht. Ihr Markenzeichen: ein Hijab im Ring. Jetzt hat sie auch ein Buch geschrieben.

Berliner Meisterin, deutsche Meisterin und nominiert für die Europameisterschaften – Zeina Nassar hat es im Boxsport weit gebracht. "Boxen ist für mich wie das Leben", sagt sie. "Das verlangt eine Strategie, Ausdauer und eine Menge an Kraft. Ich habe es sehr auf das Leben übertragen können, es spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Ich habe angefangen, Verantwortung zu übernehmen, ich habe gemerkt, dass ich geduldiger geworden bin und meine eigenen Grenzen erkannt habe."

Im Libanon ein Star

Ihre Eltern sind anfangs nicht davon begeistert, dass ihre Tochter boxen möchte. Aber sie hat einen starken Willen und ist ehrgeizig. Das Boxen, erklärte die damals 13-Jährige ihren Eltern, mache stärker, schneller und schlauer. "Aufgrund der Konzentration habe ich gesagt, dass ich halt bessere Noten schreiben könnte. Da war meine Mama superglücklich und hat sich sehr gefreut. Es hat auch geklappt und außerdem war es ein guter Ausgleich zur Schule."

Zeina Nassar wächst mit drei Geschwistern in Berlin-Kreuzberg auf. Ihre Eltern waren aus dem Bürgerkriegsland Libanon nach Deutschland geflohen. Heute reist Zeina Nassar regelmäßig mit ihrer Schwester in das Land ihrer Eltern, in dem die Familie noch viele Verwandte hat. Dort ist die erfolgreiche Boxerin ein Star – und ein Vorbild für viele Mädchen und Frauen. "Viele haben durch mich mit dem Boxen angefangen, auch Frauen mit Kopftuch. Deshalb bin ich superstolz darauf und freue mich jedes Mal, im Libanon zu sein."

Boxen mit Hijab

Die gläubige Muslimin darf lange nicht an Wettkämpfen teilnehmen – weil sie ihr Kopftuch im Ring nicht ablegen will. 2019 werden die internationalen Wettkampfregeln auf ihren Druck hin endlich geändert. "Letztendlich gibt es keine Argumente, die dagegensprechen, weil das Kopftuch, mein Hijab im Ring überhaupt keine Rolle spielt, weil alle Frauen sowieso unter dem Kopfschutz ein Tuch tragen müssen."

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Das Kopftuch trägt Zeina Nassar bereits als Neunjährige. Heute macht sie Werbung für den Sporthijab eines Herstellers für Sportkleidung. Und sie engagiert sich für Chancengleichheit. In den sozialen Netzwerken, in denen die junge Boxerin sehr aktiv ist, erhält sie immer wieder Hassmails. Die macht sie öffentlich. Auf Instagram hat sie inzwischen über 100.000 Follower. "Es ist eine große Verantwortung, vor allem, weil ich auch weiß, es folgen mir Jugendliche, Kinder, und dann achte ich auch darauf, was ich jetzt genau poste. Weil ich ein Vorbild bin."

Neben dem Boxsport studiert Zeina Nassar an der Potsdamer Universität Soziologie und Erziehungswissenschaften; außerdem steht sie im Berliner Maxim-Gorki-Theater in dem Stück "Stören" auf der Bühne. Als ob Sportkarriere, Studium und Theaterspielen nicht genug wären: Nun hat die dynamische 22-Jährige auch ein Buch über ihr Leben geschrieben: "Dream big: Wie ich mich als Boxerin gegen alle Regeln durchsetzte."

(svs)

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