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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 19.06.2019

Boris Johnson und Donald TrumpAlt und weiß und ohne Drang zur Wahrheit

Derek Scally im Gespräch mit Anke Schaefer

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Das Foto zeigt Werbeplakate für den Verbleib in der EU vor drei Jahren, kurz vor dem Brexit-Referendum in Großbritannien. (dpa / picture alliance / empics / Yui Mok)
Werbung für den Verbleib in der EU vor drei Jahren, kurz vor dem Brexit-Referendum in Großbritannien: Schon damals wurden Trump und Johnson zusammengedacht. (dpa / picture alliance / empics / Yui Mok)

Zwei ältere Männer stehen im Scheinwerferlicht: Boris Johnson will die Geschicke Großbritanniens bestimmen. Donald Trump eröffnet den Wahlkampf mit einem neuen Slogan. Der irische Journalist Derek Scally über zwei Politiker, die sich nicht unähnlich sind.

US-Präsident Donald Trump hat den Wahlkampf eröffnet und vor Anhängern einen viel umjubelten neuen Slogan präsentiert. "Keep America great" heißt es nun - eine Fortschreibung des Slogans "Make America great again", mit dem Trump einst in die politische Schlacht gezogen war. Jetzt sind die USA also wieder großartig. Und natürlich ist Trump dafür ganz persönlich verantwortlich.

Derweil mischt Boris Johnson die politische Landschaft in Großbritannien auf. "Er hält sich für den Nachfolger von Winston Churchill", berichtet der irische Journalist Derek Scally: "Er findet sich toll."

Donald Trump hat George Washington als Vorbild benannt. Doch eigentlich könne Johnson das Vorbild für Trump sein, sagt Scally - schließlich habe Johnson in seiner Zeit als Korrespondent des "Daily Telegraph" in Brüssel gezeigt, wie viele Lügen man verbreiten könne, ohne dass es dem eigenen Ruf schade.

Trump ist schon ganz oben, Johnson wohl bald

Johnson habe sich damals den Titel "Lügenpresse" verdient: "Er hat gesehen, das geht weg wie warme Semmeln in Großbritannien." Dass die Lüge Wirkung erzielt, habe Donald Trump ebenfalls verstanden: "Boris Johnson hat das ein bisschen aufgewärmt und Donald Trump hat das durchgezogen", sagte Scally im Deutschlandfunk Kultur.

Trump ist schon ganz oben, Johnson wohl bald. Allerdings gebe es auch noch genug Zeit für flapsige Bemerkungen und Fettnäpfchen, betonte der Journalist: Dafür sei Johnson ja immer zu haben. Und wenn man ihn in die Enge treibe, dann gehe ihm auch schnell der Charme aus.

Kurze knackige Sätze lassen sich gut brüllen

Irgendwann würden auch noch die Tories merken, dass es hier um das Schicksal eines Landes geht. Johnson versuche deswegen momentan keine Spielchen und präsentiere sich als Saubermann - er wolle als "Schwergewicht" wahrgenommen werden. In den anderen europäischen Hauptstädten habe man sich die Meinung über Johnson allerdings längst gebildet, sagte Scally.

Trump wiederum brauche keine neuen Themen, betonte Scally. Journalisten fänden dessen Getwittere eher peinlich, "aber es kommt an". Kurze knackige Sätze ließen sich auch gut brüllen: "Er macht sein Ding." Mit einer "Sowohl als auch"-Strategie habe noch niemand eine Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen.

(ahe)

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