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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 28.08.2019

Bonns Bürgermeister Ashok-Alexander Sridharan"Ich habe mich nie als Migrant gefühlt"

Moderation: Katrin Heise

Ein Portrait des Oberbürgermeisters von Bonn, Ashok-Alexander Sridharan. Er trägt einen Anzug und lächelt in die Kamera. (Regina Spitz)
Unser Gesprächsgast: Ashok-Alexander Sridharan, der Oberbürgermeister von Bonn. (Regina Spitz)

Er ist "ne bönnsche Jung" mit indischen Wurzeln. Ashok-Alexander Sridharan regiert Bonn als Deutschlands erster Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund. Die Ex-Bundeshauptstadt will er wieder nach vorne bringen – auch beim Klimaschutz.

Seit 2015 ist Ashok-Alexander Sridharan Oberbürgermeister von Bonn, seiner Geburtsstadt, in der die Familie seiner Mutter seit 1590 ansässig ist. Sein Vater ist hingegen Inder, vertrat sein Land als Diplomat in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. "Ich habe mich, ehrlich gesagt, nie als Migrant gefühlt", sagt der CDU-Politiker.

Ashok-Alexander Sridharan ist zweisprachig aufgewachsen, war mit seiner Familie von Kindesbeinen an regelmäßig zu Besuch in Indien. "Ich habe das immer als positiv wahrgenommen", sagt er über seine Verwurzelung in zwei Kulturen. Der Kommunalpolitiker Sridharan legt daher besonderes Augenmerk auf die Integration von Flüchtlingen, betont aber, dass "wer sich an unsere Spielregeln nicht hält, der auch damit rechnen muss, dass er wieder zurückgeführt wird".

Das Sicherheitsgefühl ist berührt

Bestürzt ist der Bonner Oberbürgermeister über die zunehmenden Übergriffe gegen Kommunalpolitiker. Auch er wurde und wird bedroht. Sridharan erzählt, dass vor seiner Tür schon Menschen standen, die der Polizei als gewaltbereit bekannt sind. Sein Sicherheitsgefühl für sich und seine Familie "ist berührt, aber ich gehe da wirklich unbefangen durch die Stadt". Gerade in der Kommunalpolitik müsse man auf die Menschen zugehen können, auch wenn der Ton der gesellschaftlichen Debatte deutlich rauer geworden sei.

Seine Stadt Bonn habe den Umzug der Bundesregierung nach Berlin vor 25 Jahren gut verkraftet, sagt Ashok-Alexander Sridharan. Ein kompletter Umzug der Bundesministerien an die Spree wäre aber "ein Schlag ins Kontor" für die Bundesstadt und sei auch nicht zweckdienlich. Denn die mittlerweile in Bonn ansässigen UN-Behörden bräuchten Ansprechpartner deutscher Ministerien vor Ort. Die vielen Beamtenflüge zwischen Bonn und Berlin müssten aber schon wegen des Klimaschutzes reduziert werden, meint der Oberbürgermeister und wirbt für eine Sprinter-Verbindung der Deutschen Bahn zwischen beiden Städten.

Wenn der Ozean im Wohnzimmer steht

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für Sridharan Kernthemen der Kommunalpolitik. Als Präsident der internationalen Städteverbands ICLEI, der sich diesen Fragen widmet, hat er viel von Kollegen gelernt, deren Städte viel heftiger vom Klimawandel betroffen sind, als das beschauliche Bonn:

"Wenn man mal mit einem Bürgermeister eines kleinen Inselstaats gesprochen hat wie den Solomon Islands und von dem hört, dass der Ozean da schon teilweise in den Wohnzimmern steht, bekommt man einen ganz anderen Eindruck vom Klimawandel und der Notwendigkeit, hier etwas ändern zu müssen."

Als Ashok-Alexander Sridharan den Anruf seiner Partei empfing, er möge doch bitte bei der Wahl zum Bonner Oberbürgermeister kandidieren, war er gerade auf Pilgerfahrt. Der Sohn eines Angehörigen der indischen Priesterkaste der Brahmanen ist gläubiger Katholik. Der Glaube sei für ihn sehr wichtig, auch als Politiker, sagt Sridharan. Ebenso die religiöse Toleranz, wie er sie in seiner Familie erlebt habe: Obwohl sein Vater damals noch Hinduist war, heirateten die Eltern in einer katholischen Kirche.

(pag)

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