Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Sonntag, 15.12.2019
 
Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Studio 9 | Beitrag vom 11.09.2018

Bob Woodward: "Fear – Trump in the White House"Das Weiße Haus ist ein Tollhaus

Von Sebastian Schreiber

Podcast abonnieren
US-Verteidigungsminister James Mattis (links) und Präsident Donald Trump in Brüssel (afp / Emmanuel Dunand)
"Er hat den Verstand eines Fünft- oder Sechstklässlers": Verteidigungsminister Mattis (links) über Donald Trump. (afp / Emmanuel Dunand)

In seinem Buch "Fear" zeichnet Pulitzer-Preisträger Bob Woodward ein erschreckendes Bild von den chaotischen Zuständen im Weißen Haus. "Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte", soll Stabschef John Kelly gesagt haben.

Fast ein halbes Jahrhundert schon berichtet der Journalist Bob Woodward über die Präsidenten der USA – neun sind es gewesen von Nixon bis Trump. Kritisch und sorgenvoll waren viele seiner Berichte.  Doch nie in seiner Karriere habe er einen Präsidenten gesehen, der sich so weit weg von der Realität bewegt wie Trump, sagte Woodward im Interview mit dem Sender CBS:

"Einige seiner Mitarbeiter sind besorgt, dass er Dinge unterschreibt oder Anweisungen gibt, die die Sicherheit in den USA oder in der Welt gefährden."

"Er ist ein Idiot", sagt Stabschef Kelly

"Fear – Trump in The White House" erscheint heute in den USA, doch für Aufregung sorgt das Buch schon seit einigen Tagen. Die Washington Post veröffentlichte bereits erste Auszüge. Und die haben es in sich. Es sei schon vorgekommen, dass Mitarbeiter Briefe aus Trumps Büro verschwinden lassen, damit er sie gar nicht erst unterschreiben kann. Selbst engsten Regierungsbeamten fehle das Vertrauen in den US-Präsidenten. Stabschef John Kelly sagte dem Buch zufolge über Trump:

"Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos, zu versuchen, ihn von irgendwas zu überzeugen. Er ist durchgedreht. Wir sind im Ort der Verrückten. Ich weiß gar nicht, warum wir eigentlich hier sind. Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte."

Journalist Bob Woodward is seen in the lobby of Trump Tower in New York (USA) on January 3, 2017. Foto: Albin Lohr-Jones/Consolidated/Pool/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / Albin Lohr-Jones/Consolidated/Pool/dpa)Der Enthüller des Watergate-Skandals, Bob Woodward, am 3. Januar 2017 in der Lobby des Trump Towers in New York. (picture alliance / Albin Lohr-Jones/Consolidated/Pool/dpa)

Verteidigungsminister Mattis wird etwa zitiert mit der Beschreibung, Trump habe den Verstand eines Fünft- oder Sechstklässlers. Woodward berichtet, der Verteidigungsminister habe Trump erklären müssen, warum die USA überhaupt Truppen in anderen Ländern stationiert haben.  

"Mattis sagte zu ihm – wir machen das, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern."

An anderer Stelle habe Trump vorgeschlagen, den syrischen Machthaber Assad umzubringen. Und ein bereits geplanter Twitter-Eintrag zu Nordkorea, der als Kriegserklärung hätte verstanden werden können, sei erst in letzter Sekunde zurückgezogen worden.

"Alles Lüge", heißt es aus dem Weißen Haus

Das Weiße Haus will von alledem nichts wissen. Die betroffenen Personen betonten, das alles seien Lügen, die Geschichten aus dem Buch: ausgedacht, stellt es auch Präsident Trump dar:

"Das Buch ist Fiktion – das Problem hatte Woodward auch schon mit anderen Präsidenten. Er will Aufmerksamkeit und seine Bücher verkaufen."

Vizepräsident Mike Pence äußerte sich im Interview CBS ähnlich. Er sagte, Zitat: "Das einzige, was falsch ist an dieser Geschichte, ist: alles"

"The only thing that is wrong about this narrative is: everything:"

Bob Woodward ließ das nicht auf sich sitzen. Dass Trump und seine Mitarbeiter nun behaupten, die Darstellungen in seinem Buch seien falsch, sei der verständliche Versuch, ihre Jobs im Weißen Haus zu retten, sagt Woodward – und fügt hinzu: seine Berichterstattung sei sorgfältig und vorsichtig.

"My reporting is meticulous and careful."  

"Die Menschen sollten aufwachen"

Mit etwa 100 Quellen habe Woodward gesprochen – einzelne Personen habe er fast zehnmal für das Buch interviewt. Es gebe hunderte Seiten an Mitschriften, dazu Tonbandaufzeichnungen, Zeugen, Uhrzeiten, genaue Beschreibungen von Situationen. Das sei es auch, was Woodwards neue Veröffentlichung von anderen Büchern über das Weiße Haus unterscheidet, sagt der Journalist Robert Costa von der Washington Post:

"Was dieses Buch anders macht, ist Woodwards Glaubwürdigkeit. Er ist 75 Jahre alt, macht diesen Job schon so lange. In dem Buch gibt es viele Details: Unterhaltungen und Szenen sind mit einer größeren Genauigkeit beschrieben als in anderen Büchern."

Noch immer gilt Woodward in den USA als einer der besten seiner Zunft: Der Pulitzer-Preisträger ist vor allem bekannt als Reporter, der in den 70er Jahren daran beteiligt war, den Watergate-Skandal um Präsident Nixon aufzudecken. Seitdem veröffentlichte Woodward fast 20 Bücher – eines wie sein neuestes Werk, "Fear – Trump in the White House", hat es noch nicht gegeben.

"Dieses Mal war ich im Bauch der Bestie", sagt Woodward. "Und was nehmen Sie daraus mit?", fragt der Reporter von CBS. "Dass die Menschen besser bald aufwachen sollten."

Mehr zum Thema

Enthüllungen in den USA - Politologe: Woodward-Buch wird Trump wohl nicht gefährden
(Deutschlandfunk, Interview, 9.9.2018)

Anonymer Zeitungsartikel - Widerstand im Weißen Haus
(Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 6.9.2018)

USA - Washington Post auf Erfolgskurs
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 10.10.2015)

Interview

Klimakonferenz in MadridKeine Einigung in zentralen Punkten
Greta Thunberg hinter einem leeren Wasserglas bei Ihrem Auftritt auf einem Podium während der Klimakonferenz in Madrid. (picture alliance / nordphoto / Alterphoto / Manu R.B.)

"Recht schwache Beschlüsse und in manchen Bereichen überhaupt keine": DLF-Redakteur Georg Ehring ist enttäuscht von den Ergebnissen der Klimakonferenz in Madrid. Immerhin sei durch die Abschlusserklärung ein völliger Gesichtsverlust vermieden worden.Mehr

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur