Blue Crime, vom 16.05.2020, 00:05 Uhr

Blue CrimeGerichtsreportagen

Mit Barbara Schäfer und Thekla Dannenberg

Einem grausamen Mord an einem Fünfjährigen folgt eine antisemitische Hetzjagd und ein gerichtliches Drama von "weittragendster Bedeutung" in der Kaiserzeit. Und den französischen Nobelpreisträger André Gide zieht es in den 1930ern an die französischen Schwurgerichte, zu literarischen Zwecken.

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Der französische Schriftsteller André Gide 1892 (www.imago-images.de)

"Ein gerichtliches Drama von weittragendster Bedeutung hat sich vom 4.-14. Juli 1982 vor dem Schwurgericht zu Cleve abgespielt. Bei solchen Ereignissen haben die der Verhandlung zwecks Berichterstattung beiwohnenden Journalisten eine umso größere Pflicht, ein wahrheitsgetreues Bild von allen im Gerichtssaale vorkommenden Ereignissen den Lesern zu liefern." Das schrieb Hugo Friedlander als Vorwort zur Veröffentlichung seiner Berichte über den Knabenmord von Xanten 1891 - ein Prozess mit vielen Ebenen und bis heute ein Lehrstück moderner deutscher Gerichtsbarkeit. 

Seine äußerst präzisen Beobachtungen und Berichte vor allem auch politischer Prozesse im Kaiserreich versammelte Hugo Friedlaender in Sammelbänden. André Gide dagegen machte aus dem Gerichtsverhandlungen, denen er beiwohnte, Literatur. Das Jounalistische hat er eher verachtet.

„Blue Crime“ heißt das neue Format, in dem Kriminalhörspiele, Dokus und Gespräche zum Kriminellen sich abwechseln. In erster Linie widmen sich die Sendungen wahren Verbrechen, ganz gleich, ob sie als kriminelle Fiktion, als Tatsachenbericht über wahre Fälle oder als literarische Gerichtsreportagen fürs Radio aufbereitet sind. Das Erzählen als Serie wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch internationale Dokus werden in Originalsprache gesendet, begleitet von Informationen online.

Die Geschichte der Gerichtsreportage reicht weit zurück. Häufig waren es engagierte Zeitungsreporterinnen und Zeitungsreporter, die die menschlichen Einzelschicksale und die gesellschaftlichen Muster, die sich an Prozessen erkennen ließen, für die Nachwelt festgehalten haben. Um diese Reportagen wird es im Mai bei „Blue Crime“ gehen. Die Moderatorinnen von „Blue Crime“ stellen als Bücher erschienene literarische und dokumentarische Gerichtsreportagen vor und lassen mit ihnen wahre Kriminalfälle noch einmal Revue passieren. Online ist die Sendung „Blue Crime“ bei hoerspielundfeature.de unter der Rubrik „Krimi“ zu finden.

Die Bücher, um die es in der Sendung vom 16. Mai 2020 geht:
André Gide
Schwurgericht. Drei Bücher vom Verbrechen
Aus dem Französischen von Ralph Schmidberger und Johanna Borek
Verlag Die andere Bibliothek 
Hugo Friedlaender
Mörder - Verräter - Attentäter.
Gerichtsreportagen aus dem Kaiserreich
Verlag VBB