Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Dienstag, 18.05.2021
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.10.2016

BlackfacingWo hört der Witz auf?

Barbara Breidenbach im Gespräch mit Susanne Burkhardt

Zwei Darsteller sind verkleidet als Nikolaus mit weißem Bart, roter Bischofsmütze und Mitra und als Zwarter Piet mit schwarz angemaltem Gesicht in einem schwarzem Kostüm mit Karos. (picture alliance / dpa / Lex Van Lieshout)
Auch um den "Zwarten Piet", der den Nikolaus in den Niederlanden begleitet, ist eine kontroverse Diskussion über Blackfacing ausgebrochen. (picture alliance / dpa / Lex Van Lieshout)

Am Samstag soll im Ersten eine Ausgabe von "Verstehen Sie Spaß?" laufen, die schon vorab in die Kritik geraten ist. Der Grund: Moderator Guido Cantz ist im Schweizer Fernsehen als Schwarzer verkleidet aufgetreten. Ein Fall von rassistischem Blackfacing?

Um den Moderator der Sendung "Happy Day", Röbi Koller, wie es in der Sendung üblich ist, reinzulegen, ist "Verstehen Sie Spaß?"-Moderator Guido Cantz im Schweizer Fernsehen als Schwarzer verkleidet aufgetreten. Der hatte eigentlich gedacht, einer Zuschauerin ihren lang gesuchten Vater präsentieren zu können.

Die Zuschauerin ist weiß, ein Foto, das den Vater zeigen soll, zeigt ebenfalls einen weißen Mann. Als die Showtür aufgeht, erscheint aber der schwarz geschminkte, verkleidete Guido Cantz. 

Ist das witzig oder geschmacklos? Rassistisches Blackfacing nennt es zum Beispiel der Medienjournalist Boris Rosenkranz auf seinem Blog "übermedien". In einem Video zeigt er Szenen aus der Schweizer TV-Sendung, erklärt, wie Blackfacing entstand und verweist auf andere Fälle Blackfacing, etwa in einer Sendung des Literaturkritikers Denis Scheck.

Barbara Breidenbach, Hauptabteilungsleiterin Fernsehunterhaltung beim Südwestrundfunk, bewertet den Auftritt von Guido Cantz als "nicht rassistisch". Da er als Lockvogel Prominenten von Angesicht zu Angesicht begegne, sei eine größtmögliche Verfremdung nötig - zumal Cantz selbst prominent sei und ein auffälliges Äußeres habe. Die Rolle des Schwarzafrikaners sei nur eine von vielen. Er sei schon als uralter Mann oder als auffällige Frau aufgetreten.  

Mehr zum Thema:

"Othello" am Gorki-Theater Berlin - Lehrstück rassistischer Ideologien?(
Deutschlandfunk, Kultur heute, 20.2.2016)

"Othello" am Maxim-Gorki-Theater - Eine Bühne voller puppenhafter Schmierenkomödianten
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 19.2.2016)

"Blackfacing" - Die rassistische Fratze hinter der Sprachmaske
(Deutschlandradio Kultur, Sein und Streit, 1.2.2015)

Rassismus am Theater - Keine Rollen für schwarze Schauspieler?
(Deutschlandradio Kultur, Rang I, 4.10.2014)

Jean Genets "Die Neger" - Proteste aus Unverständnis
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 31.3.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWie die Stadtflucht gelingt
Bei einem Dorffest sitzen viele Menschen auf Bierbanken. (imago images / Becker&Bredel)

Aus Jaffa meldet sich ein tapferer Historiker zu Wort."Klatschen reicht nicht" zu sagen, reicht nicht, findet die "taz". Frankreich freut sich auf kulturelles Remmidemmi. Und die „Welt“ erläutert, wie der Umzug von der Stadt aufs Dorf gelingen kann.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur