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Echtzeit | Beitrag vom 04.07.2020

Black Fashion MattersSchwarze Modelabels kämpfen um Marktanteile

Von Antje Passenheim

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Porträt von Aurora James. (Laif / Redux / Nina Westervelt)
Modellabel-Gründerin Aurora James hat die Kampagne "15 Percent Pledge" ins Leben gerufen, die dazu aufruft, Schwarze Unternehmen zu unterstützen. (Laif / Redux / Nina Westervelt)

Schwarze Designerinnen und Designer geben den Ton an: in der Szene, aber nicht auf dem Markt. Modedesignerin Aurora James möchte das mit ihrer Kampagne "15 Percent Pledge" ändern: 15 Prozent der Verkaufsfläche soll Schwarzen Labels gehören.

"Wie viel kannst du tun, um eine alte Wunde zu heilen? Weißt du, wovon ich rede?", fragt Jamal Braimah.

"In der Mode und der Kunstwelt geht es nicht um Trennung. Es geht um Inklusion!" Pat Cleveland hat es in den 1970ern als eines der ersten Schwarzen Models erlebt.

Und Designer Jamal Braimah denkt wie sie. Der Chef des New Yorker Modelabels Western Elders hat es geschafft. "A black brand", so Jamal Braimah, eine Schwarze Marke. Zwei Welten im Onlinevertrieb. "Mein Ethos ist sehr klar. Ich sage: Afrika hat uns erschaffen. New York hat uns gemacht."

Seine Shirts sind auch Black Power. In Schriftzügen oder Symbolen aus Ghana. Von wo seine Familie stammt. "Aufgewachsen bin ich im Hip-Hop der 90er. In Queens. Und dann die absolute Kontrastsituation, wenn ich meine Familie sah", erzählt Jamal Braimah.

Weltweite Stilikonen

Die Vibes des Hip-Hop haben die Mode auf New Yorks Straßen und Laufstegen genauso geprägt wie die vieler afroamerikanischer Musikströmungen. Von den fransigen Charleston-Kleidern in den Golden Twenties über die weiten Anzüge von Jazzmusiker Cab Calloway bis zu Harlems King of Fashion: Dapper Dan, der die Hip-Hopper in den 1980ern zu weltweiten Stilikonen machte.

Doch nur wenige Schwarze Designer hatten so viel Erfolg wie er.

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Weil sie nicht so große Namen haben wie Rihanna mit ihrem Dessouslabel Fenty. Oder die Edelmarke Pyer Moss, deren Designer Kerby Jean-Raymond bekannt dafür ist, soziale Probleme anzusprechen: Schon 2016 hat er bei der New York Fashion Week in seiner Show Polizeibrutalität angeprangert.

Oder Christopher John Rogers, dessen Label aus Brooklyn Frauen wie Michelle Obama, Lizzo oder Cardi B. auf die Titelseiten der Fashion-Magazine bringt.

"Viele Leute wollen dich da nicht reinlassen. Die wollen nicht, dass du weißt, wie es geht", meint Jamal Braimah.

Viele scheitern bereits am Kapital

In der Szene geben sie zwar den Ton an. Doch das bringt die meisten Schwarzen Designer nicht ins Geschäft, weiß Constance White. Und die Modeexpertin und Buchautorin weiß auch warum.

Die meisten scheitern bereits am Kapital, sagt sie. "In der Modewelt ist das wie in der Gesellschaft überhaupt: Geschichtlich sind Schwarze Bürger immer diskriminiert worden, wenn es um die Finanzierung von irgendwas ging."

"How to Slay", so heißt Whites Fotobuch, in dem die Afroamerikanerin über die Königinnen und Könige des Schwarzen Stils schreibt. Vielen fehle neben Geld einfach auch das Netzwerk.

"Du weißt vielleicht nicht, an wen du dich wenden kannst. Wie du dich vermarkten kannst, wenn du aus der Schwarzen Kultur kommst. Aus deinem Zirkel", sagt Constance White. "Du hast nicht den reichen Onkel, der vielleicht eine Stofffabrik hatte. Du kennst keinen, der im Vertrieb gearbeitet hat, der dir Wissen übermittelt."

Und schließlich gäbe es immer noch viele, die glaubten: Black Couture gehört nicht in die Haute Couture. "Wenn sie einen Schwarzen Designer kommen sehen, reagieren sie ablehnender als wenn ein Weißer kommt", sagt White.

"15 Percent Pledge" möchte Kleiderstangen erobern

"Du wirst Afroamerikanerin genannt, farbig, Schwarz… Was immer. Du bist immer irgendwo auf der Palette, irgendwo", sagt Pat Cleveland. Sie hat es erlebt, als sie sich in den 1970ern als eines der ersten Schwarzen Models bis in die "Vogue" vorarbeitete.

Genau das bewegte Aurora James, als Millionen Menschen auf den Straßen der US-Städte gegen Polizeigewalt und Diskriminierung protestierten. Und gleichzeitig so viele Menschen in den Schwarzen Communities wirtschaftlich von Corona in die Knie gezwungen wurden.

Die Gründerin des Modelabels Brother Vellies setzte eine Instagram-Kampagne in Gang: Der "15 Percent Pledge" will Geschäfte zu dem Gelöbnis bringen, mindestens 15 Prozent ihrer Regale und Kleiderstangen für Produkte Schwarzer Hersteller freizuhalten. "Schwarze Menschen repräsentieren 15 Prozent der Bevölkerung in den USA. Also bitten wir die großen Läden, dass sie 15 Prozent ihrer Verkaufsfläche für Schwarze Hersteller bereitstellen", sagt Aurora James.

Ein dicker Fisch hat angebissen

Der erste dicke Fisch hat bereits angebissen, verriet James in einem Online-Interview: Die Kosmetikkette Sephora macht mit. James verspricht sich am Ende einen Boost für Schwarze Gemeinden. "Allein die vier, die ich zuerst angeschrieben habe, können 15 Milliarden Dollar Umsatz bringen. Geld, das über Schwarze Unternehmen in die Gemeinden kommt."

Branchenkennerin Constance White ist begeistert. "Ich liebe es. Eine Sache bei all den ganzen Rufen nach Gleichheit und Gerechtigkeit ist, dass wir Zähne zeigen müssen." Viel zu tief gegriffen, meint dagegen Ex-Model Pat Cleveland.

Kunst habe nichts damit zu tun, dass jemand sage: "Ich gebe dir 15 Prozent." Das habe etwas mit Talent zu tun. "Nimm 100 Prozent – wenn du kannst", rät Pat Cleveland.

Fazit

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