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Studio 9 | Beitrag vom 06.06.2019

Biologin zum "Masterplan Stadtnatur"Mehr Grün in den Städten kann nur ein Anfang sein

Alexandra-Maria Klein im Gespräch mit Julius Stucke

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Zwei Menschen sitzen im hohen, grünen Gras, ein Rad steht daneben. (imago / Hoch Zwei Stock / Angerer)
Tempelhofer Feld in Berlin: Die Städte sollen mit dem Plan der Bundesregierung grüner werden. (imago / Hoch Zwei Stock / Angerer)

Das Bundeskabinett hat ein Konzept des Umweltministeriums beschlossen, das mehr Natur in die Städte bringen soll. Ein wichtiger Schritt, findet Alexandra-Maria Klein - der aber nicht ausreiche, kritisiert die Biologin der Universität Freiburg.

Mit dem "Masterplan Stadtnatur" will die Bundesregierung die Artenvielfalt in den Städten erhöhen. Das Konzept soll nicht nur Tieren und Pflanzen helfen, sondern Stadtbewohnern auch mehr Erhohlungsräume bieten.

Man brauche durchaus so eine Förderung, sagt Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg. Allerdings müsse man einen wichtigen Zusammenhang beachten, ergänzt die Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie: 

"Die biologische Vielfalt, über die wir reden, die sehr stark zurückgegangen ist, geht nicht in den Städten zurück, sondern sie geht in der Agrarlandschaft zurück."

Wenn der Plan der Bundesregierung auch die Bildung fördere, sei das schon mal gut, so Klein:

"Momentan sind die Menschen sehr weit davon weg, zu verstehen, wie Lebensmittel produziert werden und was biologische Vielfalt damit zu tun hat, was es bedeutet gesunde Böden zu haben."

Grün ist nicht gleich grün

Natur per Plan zu regeln, kann erst mal seltsam klingen. Sicherlich müssten solche Konzepte auch immer wieder angepasst werden, sagt die Biologin, allerdings müsse man irgendwo anfangen. Ihr großer Kritikpunkt ist, dass der Plan erst mal nur in Städten umgesetzt wird: "Warum nicht auch in Dörfern?"

Mehr Natur in der Stadt, sei ein guter Gedanke, allerdings müsse man schauen, was genau gemacht werden soll, fordert Klein. "Wir brauchen mehr Grünflächen, auf denen wir einheimische Pflanzen haben." Nur eine wirkliche Vielfalt würde am Ende Arten erhalten.

"Hochgezüchtete Rosengärten, die keinen Nektar mehr haben", helfen am Ende nicht die Biotopvielfalt in den Städten zu erhöhen.

(nho)

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