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Im Gespräch | Beitrag vom 04.09.2020

Biologe Michael OhlHerr der Wespen

Moderation: Ulrike Timm

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Die "Deutsche" Wespe baut ihre Nester auch auf Balkonen. (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)
Der Biologe Michael Ohl hat eine Wespenart entdeckt, die Köpfe von toten Ameisen am Eingang ihres Nestes stapelt, um Feinde abzuschrecken. (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)

Wespen haben es schwer: Sie sind wahnsinnig unpopulär. Der Biologe Michael Ohl ist so etwas wie ihr PR-Manager. Er versucht, der Öffentlichkeit das Wesen der aufdringlichen Hautflügler näher zu bringen - und ihren großen Nutzen.

Ein Hornissennest in der Nähe des Esstischs, dazu rät der Biologe Michael Ohl. "Zu Hause gibt es in diesem Jahr ein schönes Hornissennest, und wir haben im Grunde keine Wespen auf der Terrasse." Der Biologe am Berliner Naturkundemuseum hat sich auf Insekten spezialisiert - und ganz besonders haben es ihm die Wespen angetan.

Wespen sind ungemein nützlich

Ohl wird nicht müde, der von "Wespensommern" geplagten Öffentlichkeit zu erklären, wie nützlich das Insekt ist. "Sie jagen schädliche Insekten. Die Wespen sind schon sehr wichtig. Und aus diesem Grund hat man gesagt, dass man Wespen nicht willkürlich töten und Wespennester nicht wegmachen soll."

Der Biologe Michael Ohl (Mattes Linde)Leidenschaftlicher Blick auf die Natur: der Biologe Michael Ohl. (Mattes Linde)

Seine Leidenschaft gilt den Grabwespen, die im Gegensatz zu den Wespen, die wir meist wahrnehmen, Individualisten sind. "Im Gegensatz zu sozialen Wespen, die derzeit unsere Städte überschwemmen, gibt es dahinter eine enorme Vielfalt an einzeln lebenden Wespen, die gar nicht in Erscheinung treten. Es gibt von den Grabwespen 250 Arten. Damit rechnet man natürlich eigentlich gar nicht."

Spinnen, Wespen und Käfer statt Fußball

Spinnen, Wespen und Käfer statt Fußballplatz oder Klettergerüst: Michael Ohl streunte schon als Kind mit einem Tierbestimmungsbuch durch die heimische Natur und hatte Freude daran, die gefundenen Insekten ihrer jeweiligen Art zuzuordnen:

"Mich hat schon relativ früh interessiert, wie wir Menschen uns mit der Natur auseinandersetzen. Die Natur ist nicht nur etwas, das wir objektiv erforschen. Durch unsere persönlichen Zugänge, durch unsere Leidenschaft schauen wir durch eine besondere Brille auf die Natur. Und diese Auseinandersetzung des Forschers mit der Natur aus seiner eigenen Emotionalität heraus hat mich schon immer sehr fasziniert."

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Ohl arbeitet am Museum für Naturkunde in Berlin. Unter anderem leitet er dort auch kommissarisch das "Zentrum für integrative Biodiversitätsentdeckung", an dem die weltweite Artenvielfalt erforscht werden soll.

Besonders interessant sei dabei, Arten zu finden, die besondere Funktionen haben, erzählt Ohl: "Ich habe vor einiger Zeit eine Wespe entdeckt, die stapelt die Köpfe von toten Ameisen am Eingang ihres Nestes, um Feinde abzuschrecken."

Vom Aussterben bedroht

Die Forschung zur Artenvielfalt ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Auch wenn im Jahr ungefähr 18.000 neue Arten weltweit gefunden werden, wurde erst ein Bruchteil bisher entdeckt und benannt. Viele Arten werden wohl schon ausgestorben sein, bevor Forscher sie überhaupt entdecken und bestimmen konnten.

Die Sendung ist eine Wiederholung vom 28.8.2018.

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