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Im Gespräch | Beitrag vom 28.08.2018

Biologe Michael OhlHerr der Wespen

Moderation Ulrike Timm

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Die "Deutsche" Wespe baut ihre Nester auch auf Balkonen. (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)
Der Biologe Michael Ohl hat eine Wespenart entdeckt, die Köpfe von toten Ameisen am Eingang ihres Nestes stapelt, um Feinde abzuschrecken. (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)

Deutschland erlebt einen Wespensommer und Michael Ohl ist viel beschäftigt. Der Biologe versucht, der Öffentlichkeit das Wesen der aufdringlichen Hautflügler nahezubringen - und ihren Nutzen.

Ein Hornissennest in der Nähe des Esstischs, dazu rät der Biologe Michael Ohl. "Zu Hause gibt es in diesem Jahr ein schönes Hornissennest und wir haben im Grunde keine Wespen auf der Terrasse." Der Biologe am Berliner Naturkundemuseum hat sich auf Insekten spezialisiert und ganz besonders haben es ihm die Wespen angetan. Über die schreibt der 53-Jährige unter anderem in seinem jüngsten Buch.

Wespen sind nützlich

Derzeit wird er nicht müde, der vom "Wespensommer" geplagten Öffentlichkeit zu erklären, wie nützlich das Insekt ist. "Sie jagen schädliche Insekten. Die Wespen sind schon sehr wichtig und aus diesem Grund hat man gesagt, dass man Wespen nicht willkürlich töten und Wespennester nicht wegmachen soll."

Der Biologe Michael Ohl (Mattes Linde)Der Biologe Michael Ohl (Mattes Linde)

Seine eigentliche Leidenschaft gilt den Grabwespen, die im Gegensatz zu den Wespen, die wir meist wahrnehmen, ein Individualist sei. "Im Gegensatz zu sozialen Wespen, die derzeit unsere Städte überschwemmen, gibt es dahinter eine enorme Vielfalt an einzeln lebenden Wespen, die gar nicht in Erscheinung treten. Es gibt von den Grabwespen 250 Arten. Damit rechnet man natürlich eigentlich gar nicht."

Ein leidenschaftlicher Blick auf die Natur

Spinnen, Wespen und Käfer statt Fußballplatz oder Klettergerüst: Michael Ohl streunte schon als Kind mit einem Tierbestimmungsbuch durch die heimische Natur und hatte Freude daran, die gefundenen Insekten ihrer jeweiligen Art zuzuordnen. "Mich hat schon relativ früh interessiert, wie wir Menschen uns mit der Natur auseinandersetzen. Die Natur ist jetzt nicht etwas, das wir nur objektiv erforschen, sondern durch unsere persönlichen Zugänge, durch unsere Leidenschaft schauen wir durch eine besondere Brille auf die Natur. Und diese Auseinandersetzung des Forschers aus seiner eigenen Emotionalität mit der Natur hat mich schon immer sehr fasziniert."

Am Berliner Naturkundemuseum leitet Michael Ohl zudem kommissarisch das kürzlich gegründete "Zentrum für integrative Biodiversitätsentdeckung", an dem die weltweite Artenvielfalt erforscht werden soll. Besonders interessant sei es dabei, Arten zu finden, die auch besondere Funktionen haben: "Ich habe vor einiger Zeit eine Wespe entdeckt, die stapelt die Köpfe von toten Ameisen am Eingang ihres Nestes, um Feinde abzuschrecken."

Vom Aussterben bedroht

Das Vorhaben zur Artenvielfalt ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Auch wenn im Jahr ungefähr 18.000 Arten weltweit gefunden werden, wurde erst ein Bruchteil der Tierarten bisher entdeckt und benannt. Viele andere werden wohl ausgestorben sein, bevor Michael Ohl und seine Kollegen die Arten bestimmen konnten.

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Ellen Blumenstein hat sich als Ausstellungsmacherin einen Namen gemacht. Ihr Ziel: Möglichst vielen Menschen Kultur als Erlebnis vermitteln. Als Kuratorin eines ganzen Stadviertels, der Hamburger HafenCity, betritt sie seit einem Jahr Neuland.Mehr

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