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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 24.01.2019

Bio-Bauer Karsten EllenbergDer Kartoffelkrieger

Moderation: Susanne Führer

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Unterschiedliche Kartoffelsorten mit den Namen (l-r) "Bamberger Hörnchen", "Highland Burgundy Red", "Blaue Salatkartoffel" und "Emma" hält am Mittwoch (23.06.2004) Biobauer Karsten Ellenberg in Barum (Kr. Uelzen) zwischen den Fingern.  (picture-alliance / dpa / Wolfgang Weihs)
Von links nach rechts: Kartoffeln der Sorte "Bamberger Hörnchen", "Highland Burgundy Red", "Blaue Salatkartoffel" und "Emma" (picture-alliance / dpa / Wolfgang Weihs)

Auf seinem alten Bauernhof in Niedersachsen züchtet Karsten Ellenberg in mühsamer Handarbeit Kartoffeln. 150 Sorten gibt es inzwischen auf seinem Biohof. Eine seiner Kreationen, die "Rote Emmalie", war im vergangenen Jahr "Kartoffel des Jahres".

Er soll der einzige Ökokartoffel-Züchter Deutschlands sein. Karsten Ellenberg bewirtschaftet mit seinen beiden erwachsenen Söhnen und seiner Frau einen 80 Hektar großen Hof, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

"Seit vielen Generationen wird dort Landwirtschaft betrieben, werden auch Kartoffeln angebaut. Damit bin ich vertraut gewesen als Kind - und ich wollte immer Bauer werden, weil das schön ist", erzählte Ellenberg im Deutschlandfunk Kultur.

Seine ersten Kartoffeln hat er im Garten als Kind angebaut: "Mein Vater hat mir das gezeigt, hat sie hochgehäufelt und kontrolliert." Heute baut Ellenberg auf seinen Feldern 150 alte und neue Sorten an, 30 bis 35 davon verkauft er in seinem Hofladen. Darunter der "Angeliter Tannenzapfen", die "Blaue Anneliese", "Mayan Twilight" oder die "Schwarze Ungarin".

Experimente im hofeigenen Labor

Ellenberg züchtet auch eigene Sorten, experimentiert dafür im hofeigenen Labor. "Das mache ich wie die Natur es auch macht - so wie der Wind es machen könnte oder die Biene."

Seine Eigenkreation "Rote Emmalie", benannt nach seiner Oma Emma, wurde "Kartoffel des Jahres 2018". Es handele sich dabei um eine Kreuzung von peruanischen und französischen Sorten, berichtete er. Auch eine "modernere Sorte" steckt noch mit drin.

Die schottische Kartoffel "Burgundy Red" steuert schließlich den roten Farbstoff bei. "Hier kennt man mehr das Gelbfleischige. Als ich die roten Kartoffeln kennengelernt habe, hat mich das fasziniert. Diese Vielfalt muss man doch ein bisschen lebendig machen."

Bio-Kartoffelzüchter Karsten Ellenberg steht an einem Stapel Kartoffelsäcken. (picture alliance / Joerg Sarbach / dpa)Mehr Kartoffel geht nicht: Bio-Bauer Karsten Ellenberg (picture alliance / Joerg Sarbach / dpa)

Karsten Ellenberg ist nicht nur Züchter, sondern hat sich auch einen Namen als "Kartoffelkrieger" gemacht – weil er die Aktion "Rettet die Linda!" ins Leben rief. Die Sorte sollte nach 30 Jahren nicht mehr vermarktet werden; durch unermüdliche Protestaktionen und einen sechs Jahre dauernden Rechtsstreit bewahrte der Bauer die "Linda" vor dem Verschwinden.

Kampf für die Vielfalt

Weil das bundesdeutsche Sortenamt sich sperrte, stellten Ellenberg und seine Mitstreiter schließlich einen Antrag in Großbritannien: "Die haben mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, das ist doch nicht möglich, eine Sorte vom Markt zu nehmen, wenn sie beliebt ist. Dann bleibt sie in der Liste."

Ellenbergs Beharrlichkeit zeigt sich auch in seinem Kampf gegen die Saatgutindustrie: Er will unbedingt verhindern, dass die Vielfalt auf die wenigen Kartoffelsorten reduziert wird, die die Konzerne vermarkten.

Ellenberg möchte unabhängig sein – deshalb auch seine Eigenkreationen: "Man braucht Vielfalt. Die belebt das Geschäft. Wir brauchen viele Bauern, viele Händler mit vielen Verbrauchern. Dann haben wir viele Märkte, viele haben Arbeit und viele haben Genuss."

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