Das Feature, vom 25.10.2013

Von Elke Suhr

Der Pianist und Komponist Eduard Zuckmayer, Bruder des Schriftstellers Carl, war Anfang des Jahrhunderts einer der Stars am deutschen Musikhimmel. Aber das Erlebnis Erster Weltkrieg ernüchterte ihn, der kommerzielle Konzertbetrieb ödete ihn an.

Ein Wandteller, der im Arbeitszimmer  des Pianisten und Komponisten Eduard Zuckmayer an der Musiklehrerhochschule Ankara hängt (Elke Suhr)
Ein Wandteller, der im Arbeitszimmer des Pianisten und Komponisten Eduard Zuckmayer an der Musiklehrerhochschule Ankara hängt (Elke Suhr)

Die "neue Musik", schrieb er, müsse die Herzen der Massen ergreifen, den Bau einer "neuen Welt" anregen. So entwickelt er in der deutschen Jugendbewegung moderne Formen kollektiven Musizierens. Als "Halbjude" wurde er 1934 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen, seine Kompositionen verschwanden aus dem deutschen Musikleben und sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

1935 ging er nach Ankara. Dort sammelte sich eine Exilgemeinde namhafter deutscher Wissenschaftler und Künstler. Atatürk hatte die Verfemten in seine junge Republik geholt. Eduard Zuckmayer baute das musikpädagogische Institut der Gazi Universität auf, das er bis 1968 leitete. Vier Jahre später starb er. In seiner Arbeit suchte er eine Synthese zeitgenössischer westlicher und traditioneller türkischer Musik. Seine letzten Konzerte im türkischen Rundfunk weisen ihn als großen Musiker, den es neu zu entdecken gilt.


Regie: Thomas Wolfertz
DLF 2009