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Fazit | Beitrag vom 24.05.2021

Bilanz des Berliner TheatertreffensEin schwieriger Jahrgang

Eberhard Spreng im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Die Schauspieler Linda Pöppel, Manuel Harder und Niklas Wetzel (rechts) in "Der Zauberberg" nach Thomas Mann in bizarren Kostümen auf der Bühne in der Regie von Sebastian Hartmann. (Arno Declair)
Radikale Bildsprache: Linda Pöppel, Manuel Harder und Niklas Wetzel (v.l.) in "Der Zauberberg" nach Thomas Mann in der Regie von Sebastian Hartmann. (Arno Declair)

Das 58. Berliner Theatertreffen fand wie bereits 2020 digital statt. Kritiker Eberhard Spreng zieht eine durchwachsene Bilanz. Ästhetisch rage "Der Zauberberg" in der Regie von Sebastian Hartmann heraus. Andere Stücke erschöpften sich im Seriellen.

Die Jury habe beim traditionellen Abschlussgespräch des Berliner Theatertreffens dieses Jahr, wenig überraschend, als schwierig in der Vorbereitung beurteilt, sagt Theaterkritiker Eberhard Spreng. Er erinnert daran, dass nur 26 Inszenierungen in der Auswahl für die zehn Einladungen waren. 2001 beispielsweise seien es 85 Produktionen gewesen.

Existenzielle Dringlichkeit der Produktionen

Der Zwang zur Zoom-Konferenz sei für die Jury problematisch gewesen, man habe sich nicht so verständigen können wie früher. "Die Klage über die technischen Voraussetzungen und die Abwesenheit des Theaters war sehr stark spürbar in der Diskussion", sagt Spreng. Jury-Mitglied Wolfgang Höbel habe aber dennoch inhaltlich etwas Positives angemerkt, indem er gesagt habe, dass viele Produktionen eine große existenzielle Dringlichkeit gehabt hätten und etwas weniger verspielt gewesen seien als in anderen Jahren.

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Aufgefallen sei ihm die offensichtliche Vorliebe der Jury für die "Dramaturgie des Seriellen", so Spreng. "Das sind sehr, sehr lange Performances, von Gob Squad zum Beispiel oder von Marie Schleef. Das waren Produktionen, die im ersten Fall über zwölf Stunden, im zweiten Fall über sechs Stunden liefen und fast keine dramaturgische Entwicklung hatten, sondern relativ linear waren.

Im ersten Fall ist es quasi die Errettung des Alltags und im zweiten Fall, das ist natürlich ein großes, wichtiges politisches feministisches Projekt, die Wiederherstellung und das Benennen von all den wichtigen Künstlerinnen und Politikerinnen der Geschichte, die übergangen worden sind. Ästhetisch war das aber wie ein Kommentar zu einer Diaschau, das heißt: nicht befriedigend."

Radikale Bildsprache in Hartmanns "Zauberberg"

Im Wesentlichen habe es nur eine Produktion gegeben, die speziell für ein digitales Theater gedacht gewesen sei. Der Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen und analog gedachte Aufführungen zu streamen, habe mal gut und mal weniger gut geklappt. In den Stücken der 3sat-Reihe habe es klassische Theateransätze als Fernsehaufzeichnungen mit gut ausgeleuchteten Bildern und korrekten Hauttönen gegeben, sagt Spreng.

"Und dann gab es ganz plötzlich diesen Schock im November letzten Jahres mit dem 'Zauberberg', inszeniert von Sebastian Hartmann: ein radikaler Umgang mit dem, was Menschen sind, was Konturen sind, was Landschaft ist, da verschmelzen Menschen plötzlich mit der Landschaft. Die Kamera ist so überbelichtet, dass wir nur Augen, Nase und Mund sehen, die Konturen des Körpers, die Konturen der Gesichter verschwinden - eine radikale Bildsprache, die ästhetisch alles andere in diesem Jahr in den Schatten gestellt hat."

(rja)

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