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Interview | Beitrag vom 06.12.2018

Big DataKönnen Internetdaten die Politik verbessern?

Lena Ulbricht im Gespräch mit Dieter Kassel

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Datenzentrumschef Joel Kjellgren läuft durch die Serverräume im schwedischen Lapland. (AFP / JONATHAN NACKSTRAND)
Big Data - das bedeutet eine unvorstellbare Menge von Daten, die aus unser aller Nutzerverhalten im Internet gewonnen werden. (AFP / JONATHAN NACKSTRAND)

Die Wirtschaft verspricht sich einiges von Big Data. Auch für die Politik werden die Daten aus dem Internet interessant. Expertin Lena Ulbricht sieht hier ebenfalls durchaus Potenzial – wenn auch nur begrenzt.

Politische Entscheidungen sollten auf wissenschaftlich gesicherten Fakten basieren - das ist zumindest hierzulande noch immer Konsens. Die Daten, die von Wissenschaftlern in Studien oder von Meinungsforschern in Umfragen erhoben werden, unterscheiden sich jedoch oft sehr stark von jenen, die aus dem Internet kommen und zunehmend die Fantasie von Parteien, Politikberatern, Politikern und anderen Entscheidern anregen. Big Data ist das Zauberwort - Daten, die durch unser Konsum- und Sozialverhalten im Netz erzeugt werden.

Es gibt keine "beste" Lösung in der Politik

Die Big-Data-Expertin Lena Ulbricht vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) warnte im Deutschlandfunk Kultur davor, das Potenzial der Internet-Daten zu überschätzen. Das Versprechen von Big Data dürfe nicht zu ernst genommen werden, sagte sie. Der Großteil der Big Data-Forschung wird ihr zufolge momentan von Unternehmen betrieben. Und diese haben in der Regel nur ein Interesse: Ihre Produkte durch Werbung zu einem möglichst günstigen Zeitpunkt dem jeweiligen Konsumenten anzubieten, so dass dieser auf den Bestell-Button klickt.

Es gebe aber auch schon Politikberatungsfirmen, "die im Moment damit werben, dass sie anhand von Big Data bessere Lösungen finden können, besser vorhersagen können, welche Politik wirkt und welche nicht", sagte Ulbricht: "Aber das ist in erster Linie ein Versprechen, das noch nicht eingelöst ist. Und das wird auch niemals eingelöst werden, weil Gesellschaften und die Umwelt so komplex sind, dass wir niemals eindeutig wissen können, was das Beste ist." Das Beste für alle gebe es einfach nicht.

Wahrscheinlichkeit für erwünschtes Verhalten erhöhen

Dennoch kann Big Data laut der Expertin auch für politische Prozesse von Nutzen sein. Eine Kombination von Big Data und "verhaltensbasierter Steuerung" könne beispielsweise dazu genutzt werden, "die Menschen dazu anzuregen, sich nachhaltiger zu verhalten, also Strom zu sparen, sich eine private Rentenvorsorge zuzulegen", sagte Ulbricht.

Hier hätten Regierungen ein großes Interesse daran, "den Kontext, in dem sich Menschen für oder gegen etwas entscheiden, so zu strukturieren, dass sie zwar die Freiheit haben, sich dagegen zu entscheiden - also das zu machen, was sie wirklich möchten - aber eine gewisse Neigung dazu zu entwickeln, dass so zu machen, wie das dem Staat beziehungsweise der Allgemeinheit in dem Moment gut passen würde." Es gehe also nicht darum, die Menschen zu etwas zu zwingen, betonte Ulbricht - sondern nur die Wahrscheinlichkeit für ein erwünschtes Verhalten zu erhöhen.

(ahe)

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