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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.08.2016

Bienenforscher Randolf MenzelDie Superhirne der Tierwelt

Randolf Menzel im Gespräch mit Ulrike Timm

Der Bienenforscher Randolf Menzel im Porträt. Er lächelt, hat schüttere Haare und trägt ein kariertes Hemd. (Privat)
Der Bienenforscher Randolf Menzel (Privat)

Sie denken, planen, erinnern und fühlen: Am Gehirn von Bienen können Wissenschaftler wie Randolf Menzel Grundsätzliches über unsere Denk- und Lernfähigkeit erkennen. Es gibt Parallelen: Mit einer neuen Aufgabe verjüngen sich Bienen – und manchmal auch Menschen.

Sein Weg in die Biologie schien vorbestimmt. Schon mit 12 Jahren legte Randolf Menzel einen Teich an, nur um die kleinen Lebewesen in ihm mit dem Mikroskop seines Großvaters, auch eines Wissenschaftlers, zu erforschen. Weil er wissen wollte, wie wirbellose Tiere lernen, Informationen behalten und weitergeben, erforschte er die Bienen. Und entdeckte, dass sie denken, planen, sich erinnern und fühlen. Die Bienen, die den Menschen seit 7.000 Jahren als wilde, unzähmbare Nutztiere begleiten, gelten manchen Forschern als die intelligentesten wirbellosen Tiere. Ihr Gehirn fasziniert Randolf Menzel bis heute:

"Dass so ein kleines Gehirn so erstaunlich intelligent sein kann; und wie im Laufe der Evolution so viel an Verarbeitungsfähigkeiten, an Wahrnehmung der Welt, an Lernfähigkeiten in eine solch kleine Zahl – eine Million von Nervenzellen – eingepackt worden ist."

Wir Menschen können von den Bienen lernen. Denn obwohl ihre Gehirne nur ein Kubikmillimeter groß sind, können Wissenschaftler wie Randolf Menzel an ihnen Grundsätzliches auch über unser Gedächtnis, unsere Denkfähigkeit, unsere Gefühle, unsere Sprache und unsere Lernfähigkeit erforschen - und vielleicht Mittel gegen Demenz und Gedächtnisschwächen finden. Interessant auch ihr soziales Miteinander:

"Dieses Volk entsteht aus den Eiern, die eine Königin legt. Die ist befruchtet worden von manchmal mehreren Drohnen. Und im Laufe ihres Lebens, von drei, vier Jahren, kann sie eine große Zahl von Nachkommen erzeugen. Und das sind alles Geschwister, sind also Schwestern. Und diese Schwestern machen im Laufe ihrer Entwicklung von einem Innendienst bis zum Außendiensttier eine Reihe von Funktionen durch."

Das Interessante: Im Gegensatz zu Ameisen, die ihr Leben lang dieselbe Aufgabe haben, wechseln Bienen ihren Job: Und wenn sie eine neue Aufgabe bekommen, verlängert sich ihre Lebensdauer. Ihr neuer Job verjüngt sie – ähnlich wie bei uns Menschen bleiben geistig länger fit, wenn sie sozial eingebunden sind. Trotzdem würde Randolf Menzel die Insekten niemals vermenschlichen, sie denken "zutiefst bienisch".


Eine Honigwabe mit Arbeitsbienen (picture-alliance/ ZB)Eine Honigwabe mit Arbeitsbienen (picture-alliance/ ZB)

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