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Literatur / Archiv | Beitrag vom 26.05.2013

Bevor ich stürze, bin ich weiter

Ein Besuch bei Sarah Kirsch

Von Andrea Marggraf

Die Dichterin Sarah Kirsch (picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Die Dichterin Sarah Kirsch (picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Am 5. Mai ist die Dichterin Sarah Kirsch gestorben, wie erst diese Woche bekannt wurde. Andrea Marggraf besuchte die einflussreiche Schriftstellerin im Jahr 2006 in ihrem Haus am Deich - und führte dort das letzte Interview, das die Lyrikerin gegeben hat.

Ich sah einen Vogel seinen Schatten anschaun, der war größer als er. Ich sah den Vogel am Himmel ohne seinen Schatten. Und meinen Schatten sah ich, ein Ungeheuer von Schatten.

Einen Ball sah ich springen samt seinem Schatten.

Sarah Kirsch in ihrem Haus am Deich.

"Wie viele Jahre wohnen wir hier?"
Sohn Moritz: "22 Jahre."
"Und ich schreibe über denselben Scheiß eigentlich, und jedes Mal wird es ein bisschen anders."

Seit 1983 lebt Sarah Kirsch in Tielenhemme, einem kleinen abgeschiedenen Ort hoch im Norden Schleswig Holsteins. Es ist nicht so leicht, sie zu finden. Durch die flache nordische Landschaft führt ein breiter Sandweg zum Deich. Hier geht es nicht mehr weiter. Nur links steht noch ein Haus, dessen rote Backsteinfassade hinter wilden Rosensträuchern und anderen rankenden Pflanzen allmählich verschwindet.

Glücklicher ohne den Ball saß das Kind als Vogel verborgen in den Baumkronen drin, um hinter geschlossenen Lidern Feuerrädchen kreisen zu lassen, ...

Aus diesem Haus kommt sie mir entgegen. Sarah Kirsch, wie ich sie von zahlreichen Fotos kenne. Sie hat sich Zeit für mich genommen, und ich weiß, dass sie die lieber für sich und ihr Schreiben nutzen würde.

Vollständiges Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat


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