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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.09.2018

Bettina Jahnkes erste Spielzeit in Potsdam"Man hätte die Stecknadel fallen hören können"

Peter Claus im Gespräch mit Gabi Wuttke

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David Hörning und Ulrike Beerbaum in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" am Hans-Otto-Theater (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)
David Hörning und Ulrike Beerbaum in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)

Das Hans-Otto-Theater in Potsdam hat eine neue Intendantin. Heute eröffnete Bettina Jahnke ihre erste Saison und präsentierte sich auch gleich als Regisseurin - mit der Inszenierung von Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts". Unser Kritiker ist begeistert.

Vor sieben Jahren erhielt Eugen Ruge für sein Romandebüt den Deutschen Buchpreis. Letzten Sommer kam die Verfilmung der stark autobiografisch erzählten Familiengeschichte in die Kinos. Nun wird die DDR-Geschichte in der brandenburgischen Hauptstadt aufgeführt. Unser Theaterkritiker Peter Claus war bei der Premiere von Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts" und ist begeistert.

"Wie sind wir das geworden, was wir heute sind?"

Claus fasst seine Eindrücke vom Premierenabend zusammen und erklärt, dass Bettina Jahnke in ihrer Inszenierung vor allem die Frage stelle: Wie sind wir das geworden, was wir heute sind? Es handle sich also um einen Abend, der aufs Heute ziele. Dabei arbeite Bettina Jahnke mit einem Erzähler und Erinnerungsschnipseln, also mit Momentaufnahmen und dies auf einer ganz raffinierten Bühne.

Bettina Riebesel, Rita Feldmeier, Joachim Berger, Nadine Nolla, Henning Strübbe, René Schwittay, David Hörning und Ulrike Beerbaum in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" am Hans-Otto-Theater (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)Bettina Riebesel, Rita Feldmeier, Joachim Berger, Nadine Nolla, Henning Strübbe, René Schwittay, David Hörning und Ulrike Beerbaum in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)
Es seien vor allem die Figuren, die das Stück tragen. Deren Innerstes werde nach außen gekehrt, so Claus weiter. Jahnke habe als Regisseurin "ganz fein gearbeitet". Alle acht Schauspieler hätten ihre Momente auf der Bühne gehabt. Gänsehaut sei erzeugt worden, Seelen öffneten sich, resümiert unser Theaterkritiker den Abend. 

Dabei fordere Jahnke die Zuschauer auf, selbst zu denken. Und das habe wunderbar funktioniert: "Man hätte heute die Stecknadel fallen hören können."

"Flüchte nicht, stell dich und ring um Worte!"

Die unterschiedlichen Schauplätze aus der Geschichte seien gar nicht mehr so wichtig gewesen, so Claus weiter. "Das Entscheidende sind die Worte der Personen und die Momente des Schweigens. Toll, wie die Regisseurin das erarbeitet hat." Der Abend gebe die Botschaft aus: "Flüchte nicht, stell dich und ring um Worte!"

Henning Strübbe in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" am Hans-Otto-Theater (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)Henning Strübbe in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (Thomas M. Jauk / Hans-Otto-Theater)

Zudem berichtet Claus, dass die Inszenierung zwar ernst sei, aber mit Witz. Es dürfe also gelacht werden. Die Dialoge seien zum Teil sehr scharf pointiert, "auch das kurbelt das Denken an". Der Spielplan verspreche ein breites Angebot von Klassik bis Moderne. "Wenn das so intelligent bleibt, dann gibt es eine super Saison im Potsdamer Theater."

Die nächsten Vorstellungen finden am 30. September und am 7. und 13. Oktober im Hans-Otto-Theater statt.

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