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Studio 9 | Beitrag vom 09.08.2019

Besuch in einer Physiotherapiepraxis für TiereMit dem Hund zum Aquajogging

Von Thorsten Philipps

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Ein Hund wird physiotherapeutisch behandelt. (picture alliance / Arco / P. Wegner)
Es sieht entspannend aus: Ein Hund bekommt eine physiotherapeutische Behandlung. (picture alliance / Arco / P. Wegner)

Ob Wohlfühlmassagen, Muskeltraining oder Einrenken: Auch für Haustiere gibt es heute alle möglichen Heilmethoden. Der Besuch in einer Physiotherapiepraxis für Vierbeiner zeigt, wie eng Tier und Mensch heute zusammengewachsen sind.

Es sieht aus wie ein Meter hohes und zwei Meter breites Aquarium, in dem Hund Murphy grade die Pfoten auf einem Laufband nach vorne bewegt. Er ist zwar nur mit den Beinen unter Wasser, aber es scheint ungewohnt für ihn, er strampelt etwas ungleichmäßig – nimmt immer wieder Blickkontakt zu seinem Frauchen - Sabrina Lossin - auf.

Bis vor ein paar Wochen hatte der Zwergschnauzer noch heftige Schmerzen in den hinteren Beinen, ein Tierarzt hatte eine Operation empfohlen. Besitzerin Sabrina Lossin entschied sich lieber für eine Physiotherapie für ihren Hund.

"Wir finden es natürlich klasse, das ist erst mal auch eine Kostensache, und die Garantie, dass es nach der OP hätte besser werden sollen, gab es auch nicht, also wir sind super zufrieden. Ihm geht es besser." 

Ab unter die Rotlichtlampe

Die Beinbewegung im Unterwasserlaufband stärkt nach Angaben von Physiotherapeutin und Chiropraktikerin Steffanie Möller die Muskulatur und die Knie an den Hinterläufen. Zwei Monate dauerte die Behandlung bisher. Kosten: etwa 300 Euro, jedes weitere Mal kostet 30 Euro. 

Sabrina Lossin ist eine von hundert Kunden, um deren Hunde sich Steffi Möller in ihrer Praxis in Groß Grönau bei Lübeck kümmert. Murphy ist mittlerweile fertig mit dem Joggen im Wasserbecken. Möller hebt den tropfenden Hund heraus und legt ihn unter eine Rotlichtlampe.

"Einfach zum Lösen der Muskulatur, dann bekommt er gleich noch ne Massage. Ich überprüfe noch mal, ob die Knie stabil sind und da werde ich gleich noch mit einem Schallwellenmassagegerät reingehen, um das ganze Lymphsystem anzuregen und die Muskulatur zu stärken und aufzubauen."

Tiere als Kinderersatz

Die Besitzerin ist zufrieden, Murphy gehe es seit Behandlung merklich besser, meint sie. Doch nicht jeder Tierhalter kommt aus medizinischen Gründen in die Praxis. Mancher gönnt seinem Haustier auch einfach so die Massage für 30 Euro: Tierliebe kennt finanziell immer weniger Grenzen - das weiß auch Stefanie Möller.

"Heutzutage ersetzen die Tiere vielleicht auch Kinder. Oder die Kinder sind schon groß. Einsame Menschen haben Tiere und die sollen natürlich auch möglichst lange und schön Gassi gehen können, da achten die Leute heutzutage mehr drauf. Es gibt heute nicht nur Hofhunde, das sind Familienmitglieder. Genauso wie bei Pferdebesitzern. Da gibt es viele, bei denen ist das eine Lebenseinstellung."

Blockaden bei Dressurpferden

Entsprechend renkt die Physiotherapeutin nicht nur die verschobenen Gelenke von Pferden wieder ein - manche Reiter erhoffen sich auch, dass sie ihrem Pferd zu optimaler Fitness für den Leistungssport, egal ob Dressur oder Springen, verhelfen kann.

"Es gibt manchmal Blockaden, wenn die Pferde im LKW lange gestanden haben, sich in der Box verlegen haben. Wenn irgendwo was im Hals hakt - und ein Pferd hat einen langen Hals - und wenn das in der Dressur nicht so funktioniert, dann wehrt sich das Pferd. Dafür bin ich da, das wiederherzurichten und muskulär wieder in Form zu bringen."

Wer sich seinem Tier so nahe fühlt, wie viele Mensch heute – der wünscht sich offenbar auch bei Gesundheit und Wohlbefinden, dass Tier und Mensch nahezu gleiche Behandlungen bekommen können. Dafür sind viele Halter – ob von Hund oder Pferd – offenbar auch bereit, etwas mehr zu berappen.

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