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Lesart / Archiv | Beitrag vom 24.07.2019

Bestseller-Autorin Carmen Korn"Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens Leichen produzieren"

Moderation: Joachim Scholl

Ein Porträt zeigt die Bestseller-Autorin Carmen Korn. (Charlotte Schreiber)
War mit drei Büchern zugleich auf der Bestsellerliste: Carmen Korn. (Charlotte Schreiber)

Die Hamburger Schriftstellerin Carmen Korn hat mit ihrer "Jahrhundert-Trilogie" eine Bestseller-Reihe geschaffen. Ursprünglich war sie Krimi-Autorin, verlor aber die Lust am Genre. Ein Gespräch über blutige Plots, überraschenden Erfolg und Zukunftspläne.

Seit 30 Jahren schreibt sie Bücher. Aber erst seit drei Jahren kennt eine breite Leserschaft ihren Namen: Carmen Korn hat mit ihrer "Jahrhundert-Trilogie" Millionen von Lesern erreicht. Die Romane "Töchter einer neuen Zeit", "Zeiten des Aufbruchs" und "Zeitenwende" erzählen von vier Frauen im Hamburg des 20. Jahrhunderts. Die Bücher waren zeitweilig sogar gleichzeitig auf den Bestsellerlisten.

Keine Lust mehr auf blutige Plots

"Diese Art von Erfolg kann man sich nicht mal im Traum vorstellen", sagte Korn im Deutschlandfunk Kultur. Es sei ein großes Glück, das sie immer noch staunen lasse.

Vor ihrem großen Durchbruch schrieb die 66-Jährige Hamburgerin Kriminalromane. "Da bin ich ein bisschen reingeraten. Das war nicht unbedingt eine bewusst Entscheidung. Aber im Frühling 2015 wusste ich, dass ich nicht für den Rest meines Lebens Leichen produzieren und Plots entwerfen wollte, die meistens blutig sein mussten."

Familiengeschichte und Lebenserzählungen

Korn begab sich für ihr neues Projekt in ihren "geistigen Fundus" – den ihrer eigenen Familiengeschichte und den Lebenserzählungen, die sie in der Nachbarschaft gehört hatte. Die Autorin musste viel recherchieren, gerade die Details seien am aufwendigsten gewesen, berichtete Korn - sie habe viele Biografien, aber auch alte Warenkataloge studiert.

Ursprünglich hatte sie zwei Bücher geplant, sie wollte mit dem Mauerfall enden. Dann überzeugte sie ihr Verlag, noch ein drittes zu schreiben. Das habe dazu geführt, dass es im letzten Band nun ein "großes Sterben" gebe.

Zurück in die 50er-Jahre

Carmen Korn liest selbst viel, besonders, wenn sie zwischen zwei Büchern steckt, zuletzt Simenons "Antoine und Julie". Auch "Pawlowa: oder Wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt" von Brian Sewell kann sie empfehlen.

Ihr nächstes Buch werde nichts direkt mit ihrer "Jahrhundert-Trilogie" zu tun haben, sagte sie – aber ebenfalls eine Familien- und Freundesgeschichte sein und in den 50er-Jahren spielen. "Ich habe mein Genre nun gefunden." Ganz Abschied nehmen von ihren Heldinnen will sie aber nicht: "Ab und zu geht jemand aus der Trilogie durchs Bild."

Carmen Korn: "Töchter einer neuen Zeit", "Zeiten des Aufbruchs", "Zeitenwende"
Rohwohlt 2016-2018
Jeweils 560-600 Seiten
Band 1-2 als Taschenbuch: 12 Euro, Band 3 19,95 Euro (das Taschenbuch erscheint im November 2019)

(leg)

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