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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.11.2011

Bestätigung für die Arbeit

Der Faustpreis - ein Preis vom Theater fürs Theater

Von Natascha Pflaumbaum

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Blick auf die Oper Frankfurt - in der die Preisverleihung stattfand. (Rui Camilo)
Blick auf die Oper Frankfurt - in der die Preisverleihung stattfand. (Rui Camilo)

Er ist der "Oskar des Theaters" und wird seit 2006 jährlich vom Deutschen Bühnenverein in einer anderen deutschen Stadt verliehen an Regisseure, Darsteller, Sänger, Tänzer, Choreographen: der Faustpreis. In diesem Jahr fand die Preisverleihung in Hessen, in der Oper Frankfurt, statt.

Man bekommt kein Geld, nur Ruhm und Ehre, und das rührte so manchen Preisträger am Samstagabend denn doch zu Tränen. Der Faustpreis, dem Publikum nahezu unbekannt, zählt in der Branche viel: er gibt Bestätigung für die Arbeit, stärkt das künstlerische Selbstbewusstsein, öffnet Türen und schafft ein Netzwerk, das für die Künstler künstlerische und finanzielle Vorteile haben kann.

Der Faustpreis ist branchenintern ein großer Coup, das zeigte schon die Verleihung in der Frankfurter Oper: vorwiegend ein closed-shop der deutschen Theaterheroen, weit entfernt vom Glamour populärer Fernsehpreise wie "Bambi" oder der "Deutsche Fernsehpreis". Keine Verona Feldbusch in der ersten Reihe, dafür die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte, die fröhlich und dankbar den Ehrenpreis des Präsidenten entgegennahm und dafür herzlich gefeiert wurde.

Die Frankfurter Oper, die zusammen mit Oliver Reeses Schauspiel der grauen Bankenstadt allmählich das Image einer lebendigen Kulturstadt verpasst, zeigte sich am Samstag von ihrer besten Seite: stolz und selbstbewusst. Endlich sei der Preis da, wo er hingehöre, ließ Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier verlauten: der "Faust" in der "Goethe"-Stadt. Der Frankfurter Kabarettist Michael Quast, der als Moderator durch den Abend führte, nahm den Gedanken auf und flocht ihn leitmotivisch in seine kurzen Moderationen ein.

Er kalauerte auf angemessen hohem Niveau, nahm die Theaterwelt auf die Schippe, ätzte gegen Preisverleihungen im Allgemeinen und diese im Besonderen, sang Wagner-Arien, hüpfte, baute Stehpulte um und zeigte auf geradezu preiswürdige Weise, wie entspannt, nett, selbstironisch und dennoch feierlich eine Preisverleihung sein kann.

Die Preisträger sind:
Regie Musiktheater: Benedikt von Peter
Regie Schauspiel: Stephan Kimmig
Regie Kinder- und Jugendtheater: Neco Çelik
Sängerdarsteller: Claudia Barainsky
Darsteller Schauspiel: Martin Wuttke
Tänzer: Giuseppe Spota
Choreografie: Christian Spuck
Ausstattung Bühne/Kostüme: Johannes Schütz
Preis für das Lebenswerk: Wolfgang Engel
Preis des Präsidenten: Erika Fischer-Lichte

Der Faustpreis wird in acht Kategorien verliehen: Regie Musiktheater, Regie Schauspiel, Regie Kinder- und Jugendtheater, Sängerdarsteller, Darsteller Schauspiel, Tänzer, Choreografie, Ausstattung Bühne/Kostüme. Ferne gibt es noch zwei Ehrenpreise: für das Lebenswerk, die der Präsident des Deutschen Bühnenvereins persönlich verleiht. Alle anderen acht Preise werden über ein komplexes Auswahlverfahren ermittelt. Um überhaupt nominiert zu werden, muss eine Produktion, ein Künstler von einem Theater, das nicht das produzierende ist, vorgeschlagen werden. Künstler und Theater dürfen sich also nicht selbst vorschlagen, keine eigenen Arbeiten, sondern die der Kollegen aus anderen Häusern.

Aus diesen Vorschlägen, in diesem Jahr waren es 550, ermittelt zunächst ein Gremium aus Intendanten, Ballettdirektoren, Regisseuren und anderen künstlerischen Sachverständigen drei Künstler als Nominierte pro Kategorie. Aus diesen 24 Nominierten wählt dann in einem zweiten Verfahren eine andere Jury bestehend aus Mitgliedern der Deutschen Akademie für Darstellende Kunst schriftlich die Preisträger. Der Faust Preis ist also ein Preis von Theaterleuten für Theaterleute.

Zur Homepage: Deutscher Theaterpreis Faust

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