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Im Gespräch | Beitrag vom 16.03.2019

Besser heilen Wie können wir traditionelle und moderne Medizin verbinden?

Dietrich Grönemeyer im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Dietrich Grönemeyer (Claudio di Lucia)
Der Mediziner Dietrich Grönemeyer ist zu Gast in der Sendung "Im Gespräch". (Claudio di Lucia)

Wadenwickel statt Fiebersenker? Yoga statt Bandscheiben-OP? Immer mehr Patienten suchen nach naturheilkundlichen Alternativen zur Schulmedizin. Der Mediziner Dietrich Grönemeyer plädiert dafür, das Beste aus beiden Welten zu verbinden.

"Wir haben eine hervorragende Schulmedizin mit wertvollen Errungenschaften bis hin zur Kernspintomographie, Labormedizin oder Transplantation. Aber leider haben wir unseren Ursprung verloren", sagt der Radiologe Dietrich Grönemeyer.

Er weiß die Vorteile der Hightech-Medizin zu schätzen: Sein Institut für MikroTherapie ist spezialisiert auf die Behandlung von Rücken- und Wirbelsäulen-Problemen, minimalinvasiv, mit kleinsten Instrumenten. Grönemeyer, der in sechster Generation als Arzt praktiziert, setzt sich seit langem aber auch für eine stärkere Einbindung traditioneller Heilmethoden ein.

Wissen von Schamanen und indigenen Völkern 

Für sein Buch "Weltmedizin" ist er nach Indien, Brasilien, China und Australien gereist. "Ob tibetische Medizin, Schamanismus, die Kräuterkunde der Aborigines, Traditionelle Chinesische Medizin oder Akupunktur: Im Laufe der Geschichte hat sich ein medizinischer Erfahrungsschatz angehäuft, den wir einfach nutzen müssen, mit dessen Pfund wir wuchern sollten."

Viele Krankheiten ließen sich auch ohne OP oder Antibiotika behandeln. "Nicht jedes Herz, das schmerzt, braucht einen Katheter. Rückenschmerzen zum Beispiel sind zu 80 Prozent eine Folge von Muskelverspannungen. Da bedarf es bei Diagnose und Behandlung zuerst der Berührung und der Anamnese über die Hände. Deshalb sind für mich körperorientierte Verfahren so wichtig, etwa das chinesische Tuina, die Akupressur, das japanische Shiatsu, Lomi Lomi bei den Hawaiianern oder Hot Stone bei den Indianern."

Skeptikern, die die Wirksamkeit der traditionellen Heilmethoden anzweifeln, entgegnet er: "Es muss wissenschaftlich überprüft werden: Was ist sinnig, was ist unsinnig – und was ist Quacksalberei."

Mehr Gesundheitsaufklärung für Kinder

Mit seiner Stiftung setzt sich Dietrich Grönemeyer für mehr Gesundheitsaufklärung insbesondere für Kinder ein. Zum einen, damit Kinder mehr über ihren Körper erfahren, über Gesundheit – und was sie selbst dazu beisteuern können. Aber auch, damit sie aufgeklärte und mündige Patientinnen und Patienten werden. 

Sein Rat: "Such dir einen Arzt deines Vertrauens und einen Naturheilkundler. Und dann können wir die Welten zusammenbringen."

Besser heilen – Wie können wir traditionelle und moderne Medizin verbinden?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9.05 bis 11 Uhr mit Dietrich Grönemeyer.  Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:

Dietrich Grönemeyer: Weltmedizin - Auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Heilkunst
S. Fischer Verlag, Berlin 2018
288 Seiten, 20 Euro

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