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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.03.2020

Bescheidenheit in Zeiten von CoronaKrise ist auch die Zeit für Egoisten

Martin Seel im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Menschen tragen mehrere Packungen Toilettenpapier aus einem Supermarkt. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)
Bescheidenheit kann man lernen, sagt der Philosoph Martin Seel. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

Supermarktregale sind leer. Also ob etliche Klopapierrollen die berechtigten Sorgen und Ängste verjagen könnten. Wo bleibt die Bescheidenheit in der Krise? Der Philosoph Martin Seel über eine Tugend, die derzeit unter die Räder kommt.

Nicht nur in diesen Tagen - ganz grundsätzlich ist Bescheidenheit "eine hilfreiche Tugend", sagt Martin Seel, Professor für Philospohie an der Universität Frankfurt. Jemand sei bescheiden, wenn er sich "nicht zu wichtig nimmt, nicht wichtigtut und wenn er sich zurücknehmen kann".

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Jede menschliche Tugend habe aber auch eine Kehrseite, betont Seel: So könne man auch zu bescheiden sein, wenn man sich nicht traue, die eigenen Stärken auszuspielen oder zur Unterstützung anderer einzusetzen.

Bescheidenheit ist erlernbar

In Zeiten der Coronapandemie zeige sich nun aber, dass viele Menschen Dinge horteten, wie zum Beispiel Klopapier. Von Bescheidenheit also keine Spur.

Die Tugend der Bescheidenheit sei durchaus durch soziale Erfahrungen erlernbar, sagt Seel. "Man will ja auch für andere ein erträglicher Mensch sein."

Jeder habe daher ein starkes Motiv, bestimmte Tugenden zu beachten. Wenn andere Menschen sehen würden, dass man die letzten fünf Klopapierpackungen im Supermarkt mitnimmt, sei das ja auch peinlich.

(jde)

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