Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Freitag, 07.05.2021
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Interview / Archiv | Beitrag vom 25.06.2020

Berufliche GleichstellungParität können wir nur gemeinsam erreichen

Helga Lukoschat im Gespräch mit Axel Rahmlow

Beine von Männern und Frauen, die im Bundestag sitzen (dpa / Wolfgang Kumm)
Selbst im Bundestag ist noch längst kein Frauenanteil von 50 Prozent erreicht. (dpa / Wolfgang Kumm)

Vor 40 Jahren beschloss der Bundestag die berufliche Gleichstellung der Frau. Um Parität zu erreichen, sei nun eine Allianz von Männern und Frauen notwendig, meint Helga Lukoschat, Vorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft.

Am 25. Juni 1980, vor genau 40 Jahren, hat der Bundestag die berufliche Gleichstellung der Frau beschlossen. Auf Druck der Europäischen Gemeinschaft kam damals das "arbeitsrechtliche EG-Anpassungsgesetz" zustande. Doch Recht ist das eine, die Realität weiterhin häufig eine andere – so hat es auch die Bundeskanzlerin in dieser Woche erst wieder festgestellt:

"Wir sind ein gutes Stück vorangekommen, aber wir sind noch längst nicht da, wo wir hinwollen: Parität ist das Ziel!", sagte Angela Merkel am Dienstag in einer Videobotschaft für die Jahreskonferenz der "Initiative Chefsache".

Und die Kanzlerin hat auch gleich die aktuellen Zahlen parat: "In den obersten Bundesbehörden insgesamt ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen allerdings nur spärlich auf 36 Prozent angewachsen. Ähnliches gilt für Aufsichtsräte der börsennotierten und -mitbestimmten Unternehmen: Hier machen Frauen 35 Prozent aus, doch in den Vorständen nicht einmal elf Prozent. Und wenn Unternehmen als Zielgröße für Vorstände gar null Prozent festlegen, dann habe ich dafür auch null Verständnis."

Es geht langsam voran

Auch die Vorstandsvorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft in Berlin, Helga Lukoschat, geht es in Sachen Gleichberechtigung zu langsam voran: "Ich würde mir wünschen, dass all diese Prozesse ein wenig schneller gehen", sagte sie im Interview auf Deutschlandfunk Kultur.

Als Ursachen sieht Lukoschat "fest gefügte Strukturen", sowie eine Mischung aus "historischen Weichenstellungen" und "Rollenbildern". – Auch die strukturellen Rahmenbedingungen wie eine verlässliche Kinderbetreuung würden eine entscheidende Rolle spielen.

Männer fördern Männer

Perspektivwechsel und ein Umdenken seien ebenfalls entscheidend. Denn nach wie vor sei es so, dass Männer vor allem Männer fördern. Deswegen sei es "ein ganz wichtiger Schritt, wenn Männer das reflektieren und auch sagen: Wollen wir das? Fehlt uns da vielleicht nicht auch etwas?"

Deswegen seine Allianzen mit Männern auch entscheidend: "Wir müssen uns gemeinsam darauf verständigen: Wollen wir diesen Prozess voranbringen? Und wollen wir das auch einigermaßen entschlossen machen? Dann müssen wir uns auch gewisse Regeln setzen" – wie beispielsweise Quoten und Zielvorgaben, beispielsweise in der Politik: "Es gibt ja keinen Grund, weswegen im Parlament doppelt so viele Männer wie Frauen Politik für die gesamte Bevölkerung machen sollen."

Ungefähr zehn Jahre werde es allerdings noch dauern, "bis wir Parität erreicht haben", prognostiziert Lukoschat. "Wenn es schneller gehen sollte, umso besser!"

(lkn)

Mehr zum Thema

Juristin über die Gleichbehandlung der Geschlechter - "Frauen wird gern die Kompetenz abgesprochen"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 25.06.2020)

Frauenrechte in Albanien - Gleichberechtigung geht anders
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 22.06.2020)

Arbeitsteilung in Familien - Die Väter holen auf
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 17.06.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur