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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 12.05.2017

Berühmte Filmhistoriker"Wir wollten die Filme nicht verschwinden lassen"

Ulrich und Erika Gregor im Gespräch mit Britta Bürger

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(Deutschlandradio - Matthias Dreier)
Filmhistoriker-Ehepaar: Erika und Ulrich Gregor zu Besuch beim Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio - Matthias Dreier)

Für Berliner Cineasten sind sie einfach nur "die Gregors". Gemeinsam hat das Filmhistoriker-Ehepaar auch selbst Filmgeschichte schrieben: Mit Filmkritiken, Büchern, der Gründung eines Kinos und einer eigenen Berlinale-Sektion. Wir haben uns mit Ulrich und Erika Gregor unterhalten.

Sie waren die ersten "Freunde der deutschen Kinemathek" – Erika und Ulrich Gregor gründeten nicht nur dieses bedeutende Filmarchiv, ein Filmmuseum und ein eigenes Kino, sie riefen auch die Berlinale-Sektion "Forum des jungen Films" ins Leben. Angefangen hat alles im Filmclub der Freien Universität Berlin – schon damals mit dem Ziel, gute und interessante Filme jenseits des Mainstreams unter die Leute zu bringen.

Der Anspruch, den die beiden dabei haben ist durchaus auch ein politischer. So erzählt Erika Gregor von einer Kommilitonin, die nach einem Film über russische Kriegsgefangene in Deutschland ihren Hass auf die Russen überwinden konnte. Solche Erfahrungen bilden gewissermaßen den Idealfall der Kinomacher:

"Wenn ich ein, zweimal im Leben es schaffe, dass ich Leute von ihren festgefügten Ansichten wegbringe, durch das Ansehen eines Filmes, dann ist es das. (…) Für mich war das immer imminent auch eine politische Arbeit."

Jedes Jahr nach Cannes

Auch mit über 80 Jahren gehen die beiden noch zusammen ins Kino, reisen zu Filmfestivals und diskutieren über Filme.

"Es gibt ein paar Fixpunkte. Natürlich fahren wir nicht mehr so viel wie früher. Wohin wir noch immer fahren, ist das Festival von Cannes. Weil das Festival von Cannes meines Erachtens weltweit den höchsten Informationswert hat. Wenn man dort viele Filme sieht, dann hat man die wichtigsten Filme des Jahres gesehen. (…) Aber auch ein paar andere Festivals – es gibt so Traditionen. Zum Beispiel haben wir in Tokio gute Beziehungen nach Japan aufgebaut seit vielen, vielen Jahren. Dort findet ein Festival statt und wir werden jedes Jahr eingeladen. Wenn in Japan eine Tradition existiert, dann muss sie unbedingt fortgesetzt werden, koste es, was es wolle…  da heißt es dann immer 'Bitte, bitte kommen Sie, sonst können wir unser Festival gar nicht machen' – also fahren wir da immer wieder hin."

Einzigartiges Filmarchiv

Was die Archivierung und Erhaltung ansonsten kaum noch auffindbarer Filme betrifft, ist die Arbeit der Gregors einzigartig. Ihr Filmarchiv würde wahrscheinlich mehrere Museen füllen können:

"Wir haben eine Filmsammlung von weit über 10.000 Titeln inzwischen, weil wir von Anfang an die Politik verfolgt haben im Forum der Berlinale, dass wir die Filme nicht einfach wieder verschwinden lassen wollten. Wir wollten dafür sorgen, dass sie nicht wieder vergessen werden, dass sie weiterleben können, indem wir eben die Kopien behalten haben."

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