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Tonart | Beitrag vom 03.03.2020

Bernie SandersDer Favorit der US-Popstars

Von Fabian Wolff

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Bernie Sanders am Mikrofon (imago / ZUMA Wire)
"Fight the Power": Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders als MC in Minnesota. (imago / ZUMA Wire)

Viele US-Künstler unterstützen den Demokraten Bernie Sanders als Kandidat für den Präsidentschaftswahlkampf. Doch woran liegt diese Faszination? Für das Phänomen gibt es mehrere Erklärungen.

Es ist ein Line-up wie von einem Zufallsgenerator entworfen: Am Wochenende kamen bei einer Wahlkampfveranstaltung in Los Angeles die provokante Komikerin Sarah Silverman, die 94-jährige Hollywoodlegende Dick Van Dyke und die Rap-Ikonen Public Enemy zusammen, um gemeinsam zur Wahl von Bernie Sanders als Präsidentschaftskandidat aufzurufen. Das Plakat zur Veranstaltung zeigt eine Silhouette von Sanders, der die Faust reckt, unter der Überschrift "Fight the Power", wie der alte Hit von Public Enemy. Chuck D von Public Enemy erklärte, warum er Bernie Sanders für die beste Wahl hält: Mit der Sanders-Kampagne könne man Teil einer echten Bewegung werden.

Die Veranstaltung in Los Angeles sollte Wähler aus Kalifornien anziehen, dort finden am Dienstag, wie in 13 anderen Bundesstaaten auch, die Vorwahlen statt. Der Super Tuesday ist ein wichtiger Meilenstein, bevor im Juli endgültig über die Kandidatur abgestimmt wird. So harte Kämpfe wie dieses Jahr haben die Demokraten lange nicht mehr erlebt, und dabei vertrauen immer mehr Kandidaten auf die Unterstützung von Prominenten. Zu der Liste berühmter Sanders-Unterstützer gehören auch Ariana Grande, Vampire Weekend, Lizzo, Kim Gordon von Sonic Youth, Neil Young, Jack White und Cardi B. 

Kompromisslos linke Politik

Ein Grund dafür könnte sein, dass Sanders grundsätzliche Probleme der amerikanischen Mittel- und Arbeiterklasse anspricht und für eine kompromisslos linke Politik steht. Für seine Unterstützer greift er eine Frustration auf, verwandelt sie aber nicht in Hass und Ablehnung, sondern in positive Forderungen und ein Gemeinschaftsgefühl. Das ist eine Dynamik, die zu Pop-Musik gut passt – auch wenn sie unpolitisch ist.

Eine andere Erklärung ist, dass Sanders die Nähe zu diesen Popstars nicht sucht. Seinem eigenen Musikgeschmack entsprechen eher Pete Seeger und der frühe Bob Dylan. Wenn er sich mit Cardi B oder dem Rapper Killer Mike zusammentut, dann einfach, weil sie Ideen über Gerechtigkeit teilen. Sanders sagt, dass die "Have-Nots", die Armen, in seiner Wahlkampagne eine gemeinsame Stimme finden können. Linke Slogans wie "Fight the Power" sind gerade durch den Mut zum Pathos so effektiv. Und es bietet sich natürlich an, denn Sanders hat sich in seiner Karriere oft "the man" entgegengestellt.

Allerdings bleibt die Frage, wie Sanders zur Rassismus steht. 2016 wurde ihm vorgeworfen, strukturellen Rassismus in seinen sozialen Programmen zu ignorieren. Von damals stammt auch das Klischee des "Bernie Bro", des aggressiven weißen männlichen Sanders-Fans, der auch genauso gut Trump wählen könnte. Aber dieses Klischee ist eine Erfindung, denn die Wählerschaft ist vielfältig und auch zu großen Teilen schwarz, gerade unter jüngeren Wählern.

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