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Lesart | Beitrag vom 04.11.2019

Bernhard Kegel über sein "Käfer"-BuchGregor Samsa ist kein Insekt

Bernhard Kegel im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein Prozession aus gekleideten Käfern gehen in dieser Zeichnung gemeinsam ihren Weg.  (imago images / Nature Picture Library)
Wunder der Evolution: Für den Biologen Bernhard Kegel sind Käfer die "größte Erfolgsstory des Tierreichs". (imago images / Nature Picture Library)

Jedes vierte Tier auf der Welt ist ein Käfer - die Artenvielfalt ist riesig, aber auch gefährdet. Der Biologe und Autor Bernhard Kegel hat ein Buch über die Insekten geschrieben. Im Gespräch erklärt er, was seine Faszination für Käfer ausmacht.

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." Dass es sich bei dem Ungeziefer in der "Verwandlung" von Franz Kafka, wie gemeinhin angenommen, um einen Käfer handelt, daran hat Bernhard Kegel seinen Zweifel. Er habe in der Erzählung "keinen konkreten Hinweis" dafür gefunden, dass Kafka einen Käfer oder überhaupt ein Insekt beschreibe.

Kegel muss es wissen. Er hat in Biologie promoviert und schreibt Bücher über das Tierreich, sein Buch "Die Ameise als Tramp" ist ein Dauerbestseller. Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht, das "Käfer" heißt und von eben diesen handelt. 380.000 Arten sind beschrieben, Millionen weitere werden noch vermutet, aber Kegel fasst alles, was man darüber wissen muss, auf 160 Seiten zusammen. "An Käfern kommt man nicht vorbei", sagt er. "Jede vierte Tierart ist ein Käfer."

Borkenkäfer schaden Wäldern

Kegel nennt sie die "größte Erfolgsstory des Tierreichs". Das liege auch an seinem dreiteiligen Aufbau, der es ihm erlaube, sich in verschiedene Richtungen weiterzuentwickeln. Manche sind Räuber, andere fressen Pflanzen, was etwa in der Landwirtschaft große Schäden verursachen kann. Aber auch in Wäldern tummeln sich mittlerweile mehr Borkenkäfer, als den Ökosystemen guttut. Die Fichten im Teutoburger Wald sähen deshalb "katastrophal schlecht" aus.

Zu sehen ist der Autor Bernhard Kegel, der in die Kamera blickt. Er trägt ein dunkelblaues Hemd. (imago images/Viadata)Der Biologe und Autor Bernhard Kegel sammelt Käfer, seit er ein Kind ist. (imago images/Viadata)

Die Leidenschaft für das Thema ist bei Kegel früh entstanden. Schon als Schuljunge habe er angefangen, Käfer zu sammeln. "Käfer sind ein wunderbares Mittel, um in die Vielfalt der Natur einzutauchen." Sie seien als Sammelobjekt hervorragend geeignet, weil sie wie alle Insekten tot so aussehen wie lebendig. Allerdings müsse man sich vor dem Museumskäfer hüten. "Das ist der Feind jeder Sammlung", sagt Kegel, denn der fresse die Reste der Weichteile der Käfer in den Sammelkästen auf, wodurch die Skelette zerfallen.

Sammeln tötet Käfer

Angesichts des weltweiten Artensterbens sieht Kegel ein Dilemma: "Man muss töten, um zu sammeln." Das sei schon aus wissenschaftlicher Sicht wichtig, um zu bestimmen, mit welchem Käfer man es zu tun habe - "in der Forschung leider eine Notwendigkeit". Aber Kegel selbst bringe es nicht mehr übers Herz, Tiere nur zu Sammelzwecken zu töten. 

Der Autor räumt auch mit einem anderen populären Irrtum auf: Die Zahl der Punkte eines Marienkäfers stehe nicht für sein Alter. Ein Siebenpunkt-Marienkäfer werde niemals sieben Jahre alt.

Sein Lieblingskäfer: der Goldlaufkäfer. "Ein wunderschönes Tier, ein lebendes Juwel, das auf unseren Ackerflächen sehr häufig ist."

(leg)

Bernhard Kegel und Judith Schalansky (Hg.): "Käfer"
Matthes & Seitz (Reihe: Naturkunden Bd. 56), Berlin 2019
160 Seiten, 20 Euro

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