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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 07.01.2014

Berliner Wegmarken Elende Gassen, blühende Kultur

Zweite Folge: Das aufstrebende Berlin

Von Wolf-Sören Treusch

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin bei Nacht (Deutschlandradio)
Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin bei Nacht (Deutschlandradio)

Hauptstadt Preußens, Hauptstadt der Aufklärung, Kulturmetropole: Um das Jahr 1800 wächst Berlin zu einem wichtigen Zentrum in Europa heran. Doch auch die Armut nimmt zu.

Rund ums Brandenburger Tor, einen ruhigen Ort zu finden, ist unmöglich. Es wimmelt von Menschen. Kleindarsteller in Militär- oder Polizeiuniform der verschiedenen historischen Epochen Berlins stehen herum. Lautstark und in allen Sprachen bieten einige ihre Dienste als Fotomotiv feil. Wer will, stellt sich dazu, lässt sich mit ihnen fotografieren und wirft ein Geldstück in Helm oder Mütze.

"Darum, wenn Touristen machen Fotos, dann lieber Tor, manche Touristen machen ohne Pferde, ja, nur die Tor."

Das Brandenburger Tor als rustikale Holzvariante

Nirgendwo in Berlin wird mehr fotografiert als hier. Kein Wahrzeichen ist so symbolträchtig wie das Brandenburger Tor. Es ist das einzige noch erhaltene Stadttor Berlins. 1734 wird eine erste Version erbaut, eine rustikale Holzvariante mit zwei Wachhäusern rechts und links. Das Tor dient als Zollstation, genügt den Ansprüchen der Machthaber aber bald nicht mehr.

Geld ist genug da: Seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges erwirtschaftet Preußen jährliche Handelsüberschüsse in Höhe von vier Millionen Talern. Der Architekt Carl Gotthard Langhans wird beauftragt, etwas Pompöseres, Glanzvolleres zu schaffen. Die Baukosten liegen bei 111.000 Talern. Am 6. August 1791 wird das noch nicht ganz fertige neue Brandenburger Tor eröffnet.

"Ja, je bedeutender Berlin nun wurde. Es war ja dann nach 1763 die Residenz einer europäischen Großmacht, wenn auch einer der kleinsten. Aber immerhin: Es war einer der european players. Dann musste natürlich auch ein bisschen was für die Verschönerung getan werden."

Der Historiker Kurt Wernicke.

"Das Brandenburger Tor, das war natürlich insofern von Wichtigkeit, weil das offensichtlich als ein repräsentativer Ort, als Empfangssalon für das königliche Schloss angesehen wurde – der ganze Platz, aber im Hintergrund immer das Tor. Das war ja eine Prachtstraße. Es lag am Ende der Straße, die vom Schloss ausging, Unter den Linden, und führte nach Charlottenburg. Und Charlottenburg war eine Nebenresidenz."

Vorbild für das Wahrzeichen der Stadt: die Akropolis in Athen

Als architektonisches Vorbild dient der monumentale Eingangsbereich zur Akropolis in Athen. Zwei Jahre später, 1793, folgt nach einem Entwurf des Hofbildhauers Johann Gottfried Schadow die Quadriga, das bronzene Viergespann mit der Friedensgöttin obenauf.

"Es ist die Eirene, die Friedensgöttin. Die Friedensgöttin reitet in die preußische Residenz ein. Das war der Grundgedanke. Es war ein Bekenntnis zur Friedenspolitik. Wie es in der Politik so oft ist: Man bekennt sich zur Nicht-Einmischung – und betreibt sie trotzdem."

Mit dem Bau des Brandenburger Tors ist der Ausbau Berlins zur "Haupt- und Residenzstadt" der europäischen Großmacht Preußen im Wesentlichen abgeschlossen. Berlin um 1800 ist der Mittelpunkt eines Staates, der nach den Teilungen Polens bis weit in den Osten hineinragt. Berlin ist Zentrale des preußischen Rechtsstaates, des damals modernsten Staates in Europa und Hauptstadt der Aufklärung. Etwa 170.000 Menschen leben hier, damit gehört Berlin zu den zehn größten Metropolen des Kontinents. Reisende sind jedes Mal beeindruckt, wenn sie die Stadt erreichen. In einer Schrift aus Amsterdam von 1788 heißt es:

"Welch eine Perspektive, wenn man zum Potsdamer, zum Brandenburger oder zum Halleschen Tor hereinkommt! Breite Gassen, deren Länge das Auge kaum absehen kann; Häuser, die nach den besten Rissen der größten Baumeister Italiens erbaut sind, hohe Lindenalleen, Paläste, öffentliche Plätze, Denkmäler und Gebäude versetzen den neuen Ankömmling in ein angenehmes Erstaunen."

Jedes Brautpaar muss zwölf Bäume pflanzen

Bis heute prägen die Gebäude jener Zeit das Stadtbild entlang der Straße Unter den Linden: das Zeughaus, heute Deutsches Historisches Museum, das Kronprinzenpalais, das Opernpalais, die Staatsoper, das Prinz-Heinrich-Palais – darin seit 1810 die Humboldt-Universität – die St.-Hedwigs-Kathedrale und die Alte, heutige Staats-Bibliothek. Berlin ist schon damals grün. Überall stehen Bäume, auch in der Innenstadt.

Der Grund: Ein Edikt aus dem Jahre 1685 weist die Pfarrer an, den Segen zur Eheschließung erst dann zu erteilen, wenn das Brautpaar sechs Obstbäume und sechs Eichen gepflanzt hat. Das Berlin des ausgehenden 18. Jahrhunderts blüht, wächst und gedeiht - doch der wirtschaftliche Aufschwung hat auch seine Schattenseiten. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Im Jahre 1788 zählt die Königlich-Berlinische Armendirektion 13.992 Bedürftige – fast jeder zehnte Einwohner Berlins ist auf ein Almosen angewiesen.

"Man zählt in Paris 50.000 Menschen, die des Morgens noch nicht wissen, wo sie das Mittagessen hernehmen sollen. Im Verhältnis dazu ist die Armut in Berlin noch größer, weil nur ein sehr kleiner Teil des Staatsvermögens im Umlauf ist und sich der Nationalreichtum in den Händen weniger befindet, die sich der preußischen Sparsamkeit auch noch besonders verpflichtet fühlten." 

Armut und blühende Kultur

Die Stadt hat dunkle Ecken. Wer nicht durch eines der repräsentativen Tore im Westen der Stadt hineinkommt, landet schnell in der Kloake.

"Elende Gassen, wie man sie nur immer in einer Landstadt finden kann – finster, eng, dass, wenn ein Wagen durchfährt, die Fußgänger so lange haltmachen müssen. Und dann so schmutzig, dass man eine schlechte Idee von der großen Königsstadt bekommt. Man findet elende, gestützte Häuser, wüste, unbebaute Plätze, große Misthaufen vor den Türen, und die Bewohner tragen das Zeichen der äußersten Dürftigkeit auf ihrer Stirn."

Kulturell blüht Berlin in jenen Jahren auf, und gibt den Wissenschaftlern bis heute genug zu tun. "Berliner Klassik" nennt sich ihr Untersuchungsgegenstand.

"Bisher war der Begriff Klassik in der Literatur, in der Philosophie, in der Architektur immer mit Weimar verbunden. Mit der Weimarer Klassik: Goethe, Schiller, Herder, Wieland. Dass es aber fast zeitgleich in Berlin eine ähnliche Kulturblüte gegeben hat, ist im gesellschaftlichen Bewusstsein untergegangen."

Uta Motschmann und Klaus Gerlach gehören zu einer Arbeitsgruppe an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die sich seit einem Jahrzehnt mit der "Berliner Klassik" beschäftigt.

In Berlin wird die Weimarer Klassik verwirklicht

"Das ist die große Stadt Berlin. Mit 172.000 Einwohnern, die eine Vielfältigkeit und eine Freiheit bot, die in so einer kleinen Residenzstadt wie Weimar undenkbar war. Es gab eine Fülle von Salons, von Vereinen, Klubs, Ressourcen, wo dieser Gedankenaustausch in ganz anderer Weise möglich war als in einer kleinen Stadt. Es gab das berühmte Nationaltheater, ..."

"... das damals bedeutendste Theater in Deutschland und in ganz Europa überhaupt, weil es einfach das modernste Theater ist. Es ist das größte –  2000 Zuschauer finden in dem Theater Platz –, und außerdem gibt es einen Musiksaal. Das ist auch sehr ungewöhnlich, das ist der erste Konzertsaal Berlins, der erste öffentliche Konzertsaal, in dem auch 1000 Leute untergebracht werden können. Zur gleichen Zeit können sich also 3000 Leute in dem Theater aufhalten."

König Friedrich Wilhelm III. höchstselbst eröffnet 1802 den Neubau am Berliner Gendarmenmarkt. Das Nationaltheater als solches existiert bereits seit 1786. Es erhält viel Geld vom preußischen Staat. Deutschsprachige Stücke werden aufgeführt, die Zeit Friedrichs des Großen, in der die frankofone Kultur vorherrschte, ist endgültig vorbei.

"In diesem Nationaltheater, das Iffland leitet seit 1796, werden Opern, Sprechtheater, Ballette, Singspiele aufgeführt. Hier wurden die meisten Stücke auch von Goethe und Schiller aufgeführt. Eigentlich kann man sagen, dass in Berlin die Weimarer Klassik durchgedrückt worden ist. Also 'Die Jungfrau von Orleans' war der Renner, das ist das meistaufgeführte Stück überhaupt."

Berlin wird zur Hauptstadt der Aufklärung

Das Gebäude bildet nicht nur kulturell, sondern auch räumlich den neuen Mittelpunkt der Stadt. In seinen "Streifzügen durch Berlin" schwärmt der Dichter Joseph von Eichendorff:

"Um sechs Uhr ins königliche Nationaltheater, das in der Mitte des herrlichen Gendarmen-Platzes in einem länglichen Viereck mit rundem Dach und großen Säulenfassaden erbaut ist. Himmlische, überraschende Einrichtung und Malerei des Auditoriums mit fünf Etagen. Hinten die schön erleuchtete Nischenloge. Meine Überraschung und Freude, zum ersten Male durchaus vollkommene Schauspieler zu sehen."

1817 brennt das Nationaltheater ab. Heute bildet an gleicher Stelle das Konzerthaus Berlin den Mittelpunkt des Gendarmenmarktes. Ein klassizistischer Bau, als Königliches Schauspielhaus 1821 fertiggestellt nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels.

Berlin um 1800 ist die Hauptstadt der Aufklärung und ein Hort urbaner Geselligkeit. Schriftsteller, Literaten und Künstler, Intellektuelle, Wissenschaftler, Architekten, hohe Beamte und Adlige, aber auch Vertreter des Bürgertums: Sie alle treffen sich regelmäßig in Salons, in Klubs und Vereinigungen.

Blühendes Klub- und Salonleben

Eine dieser Vereinigungen existiert heute noch: die "Sing-Akademie zu Berlin", der älteste gemischte Chor der Welt. Zum ersten Mal überhaupt singen Frauen in einem Chor mit. Mehr noch: Sie sitzen zu gleichen Teilen wie Männer im Vereinsvorstand.

"Man kann um 1800 von mehr als 100 Vereinigungen mit einer festen Organisationsstruktur ausgehen, also keine Salons. Das ist wieder etwas anderes, da traf man sich unregelmäßig in den Wohnhäusern, meist bei einer Salonière, bei einer Frau, die im Mittelpunkt stand. Und dann waren alle möglichen Gäste zugelassen. Aber Vereinigungen mit einer festen Organisationsstruktur, das heißt mit einem Gründungsdatum, mit Gesetzen, Statuten, die sie sich gegeben haben, mit einem gewählten Mitgliederensemble, gab es etwa 100, 120."

Sie heißen Montagsklub, Donnerstagsklub, Mittwochsgesellschaft, Gesetzlose Gesellschaft, Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, Gesellschaft der Freunde der Humanität.

"Der Mitgliederstamm in diesen Vereinigungen ist ziemlich homogen. Man trifft immer wieder auf die gleichen Namen. Es gab sehr viele Parallelmitgliedschaften. Und man hatte die Möglichkeit, am Montag diesen Verein zu besuchen, am Mittwoch diesen, am Sonntag diesen. Und genau das wurde auch praktiziert. Also Schadow war wahrscheinlich sehr häufig von Montag bis Sonnabend ständig am Abend in irgendwelchen Vereinigungen präsent."

Nicht jedem passt der neue Trend. Der Schriftsteller Jean Paul, anfangs verzaubert von Berlin, weil er in ihr "mehr ein Weltteil als eine Stadt" sieht, ist nach einigen Monaten genervt ob so viel urbaner Geselligkeit.

"Hier bleib ich nicht. Der Ton hier übertrifft an Unbefangenheit weit den Weimar'schen. Der Adel vermengt sich hier mit dem Bürger – nicht wie Fet mit Wasser, auf welchem dieses immer oben schwimmt und äugelt – sondern sie sind innig vereinigt wie diese durch Laugensalz, woraus Saife entsteht. Gelehrte, Juden, Offiziere, Geheime Räthe, Edelleute, kurz alles was sich an andern Orten (Weimar ausgenommen) die Hälse bricht, fället einander um diese, und lebt wenigstens freundlich an The- und Estischen beisammen."

"Wenn die Soldaten und Offiziere außer Dienst durch die Straßen gehen, marschieren sie in der gleichen Manier, die sie im geschlossenen Bataillon gewöhnt sind."

Eine Stadt wie ein Heerlager

Wernicke: "Sie müssen immer sehen: Berlin war im Grunde genommen geprägt durch das Militär. Um 1791, das war immer noch 20 Prozent der Bevölkerung."

"Und sogar die, die nicht aus dem Krieg einen Beruf machen, haben sich samt und sonders daran gewöhnt, wie die Soldaten im Gleichschritt und Stechschritt zu marschieren."

Wernicke: "Um 1790 waren in Berlin fünf Infanterieregimenter, drei Kavallerieregimenter und vier Artillerieregimenter stationiert. Also drei Feldartillerie … und dann gab es ja die sogenannte reitende Artillerie, die die Fußtruppe begleitet hat mit leichteren Kanonen, und dann gab es noch ein Pionierbataillon. Wo man lang geht, sind Soldaten. Das war für Reisende, die aus Sachsen kamen, also völlig unverständlich. Kurz: Berlin gleicht nicht einer Residenz, sondern einem Heerlager an der Grenze, wo die Stärke der Bewohner in der Garnison besteht und wo der Rest der Ansiedler, Männer wie Weiber, nur dazu da ist, die Soldaten zu bedienen."

Prostituierte prägen das Stadtbild

Bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts werden die Soldaten – teilweise mit Frau und Kind – in Privathäusern einquartiert. Für die Bürger ist das oftmals eine lästige Pflicht, von der sich die Wohlhabenden unter ihnen gern freikaufen. Die Situation entspannt sich erst, als Kasernen gebaut werden. Nicht nur Soldaten, auch Prostituierte spielen im Stadtbild eine wichtige Rolle. Nicht heimlich und versteckt, sondern offen und in geselliger Umgebung - sogar Musik- und Tanzveranstaltungen werden in Freudenhäusern geboten. Ein Reisender aus Frankreich ist fasziniert von der Berliner Bordellkultur.

"Auch Leute, die über dem Pöbel sind, machen öfters Lustpartien in die vornehmeren unter denselben. Nicht eben um auszuschweifen, sondern bloß eine Bouteille Wein oder einen Kaffee in Gesellschaft mutwilliger Mädchen zu trinken. Die Sache hat hier gar nichts Anstößiges, und ich habe junge Herren sogar in Gesellschaften von Damen von ihren Expeditionen in diesen Häusern ohne alle Scheu sprechen hören."

Von 1795 bis 1805 erlebt Europa eine kurze Phase friedlichen Zusammenlebens. Die Zahl der Soldaten in Berlin geht leicht zurück, die Zahl der Einwohner steigt. Kinder und Jugendliche machen im Jahr 1801 ein gutes Drittel der Berliner Gesamtbevölkerung aus.

1806 zieht Napoleon durchs Brandenburger Tor

Preußen und damit auch seine "Haupt- und Residenzstadt" Berlin ist jedoch pleite. König Friedrich Wilhelm III. kann den Großmachtgelüsten des französischen Kaisers nichts mehr entgegensetzen. Am Nachmittag des 27. Oktober 1806 zieht Napoleon Bonaparte triumphierend durchs Brandenburger Tor und ins Stadtschloss ein. Der König und etliche wohlhabende Familien fliehen.

Die Berliner empfangen Napoleon wohlwollend, sie erhoffen sich von ihm mehr bürgerliche Freiheiten. In den Wirtshäusern fließt der Alkohol in Strömen, draußen staunt das Volk über die französischen Besatzer, weil sie keine Perücken tragen und auf offener Straße rauchen.

Die Stimmung schlägt um, als die ersten Kontributionsleistungen fällig werden, um sich von drohenden Plünderungen freizukaufen. Lebensmittelpreise schießen in die Höhe, Beamte müssen Gehaltskürzungen hinnehmen, für Witwen und Waisen gibt es kein Geld mehr.

Zwei Jahre und zwei Monate dauert die Besatzungszeit. Am Ende ist Berlins Schuldenberg um weitere viereinhalb Millionen Taler angewachsen, und das Volk ist empört über Napoleon, weil er es gewagt hat, die Quadriga vom Brandenburger Tor zu holen und in fünfzehn Kisten verpackt nach Paris zu schaffen. Napoleon, der "Pferdedieb", heißt es fortan im Volksmund.

Französische Fremdherrschaft führt zu Reformen

Der Druck der französischen Fremdherrschaft bewirkt jedoch auch eine politische Erneuerung Preußens. Der Weg ist frei für Reformen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Berlin zum Beispiel bekommt eine neue Städteordnung. Die Stadt darf sich selbst verwalten und einen eigenen Bürgermeister wählen, sie regelt autonom Haushalts- und Steuerangelegenheiten, sie kümmert sich um die soziale Fürsorge bei den Armen, ein funktionsfähiges Schulwesen und die Geschäfte der Polizei.

"So kommt es dann auch, dass nun erstmals die Stadt von sich aus sagt: 'Na ja, vor jedem Grundstück muss auch die Straße gefegt werden bis zur Mitte.' Sodass das natürlich auch zur Verbesserung der urbanen Infrastruktur führt in Ansätzen. In Ansätzen, aber immerhin."

Auch die Quadriga thront wieder stolz auf dem Brandenburger Tor. Begleitet von Glockengeläut und Segenssprüchen kehrt sie 1815 heim nach Berlin. Ihre Einzelteile hatte man in Paris noch nicht einmal ausgepackt, so der Historiker Kurt Wernicke.

"Dann kamen sie im Triumphzug nach Berlin und wurde dann also dort wiederaufgebaut. Aber in derselben Richtung. Damals hat sich verbreitet das Gerücht: 'Nein, die haben sie jetzt umgedreht, weil es jetzt die Göttin des Sieges ist'. Es wurde ja nun auch das Eiserne Kreuz in ihren Lorbeerkranz reingemacht. Also jetzt wurde sie umfunktioniert von der Göttin des Friedens zur Göttin des Sieges. Und die reitet nun mit der preußischen Armee siegreich von Frankreich kommend nach Berlin ein, und vorher sei sie andersrum gestellt gewesen. Das stimmt einfach nicht."

Bis heute hat das Brandenburger Tor von seinem ursprünglichen Symbolgehalt nichts eingebüßt. Es steht für die aufstrebende Metropole Berlin. Dass es ganz nebenbei das beliebteste Fotomotiv der Stadt geworden ist: Sei's drum.

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