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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 30.12.2016

Berliner VolksbühneStreit um Chris Dercon - was bisher geschah

Chris Dercon im Gespräch mit Korbinian Frenzel. (Deutschlandradio - Korbinian Frenzel)
Chris Dercon im Gespräch mit Korbinian Frenzel. (Deutschlandradio - Korbinian Frenzel)

Zum Saisonstart 2017/2018 tritt Chris Dercon sein Amt als Intendant der Berliner Volksbühne an. Die Entscheidung für den belgischen Kurator sorgt seit mehr als anderthalb Jahren für erbitterte Kontroversen. Wir dokumentieren die wichtigsten Stationen.

Es ist die meistdiskutierte Personalie des Berliner Kulturbetriebs: die Ernennung des belgischen Kurators Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs an der Berliner Volksbühne. Seit im März 2015 entsprechende Pläne des damaligen SPD-Kulturstaatssekretärs Tim Renner bekannt wurden, tobt in der Kulturszene der Hauptstadt und darüber hinaus ein erbitterter Streit. Trotz aller Proteste tritt Chris Dercon sein Amt als Volksbühnen-Intendant zum 1. Januar 2017 an.

Claus Peymann posiert mit geballten Fäusten für die Kamera. (dpa picture alliance/ Jörg Carstensen)Kritisierte die Berufung Dercons von Anfang an heftig: Claus Peymann, Intendant des "Berliner Ensembles". (dpa picture alliance/ Jörg Carstensen)

März 2015:

Nachdem Pläne öffentlich werden, der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) wolle den bisherigen Leiter der Londoner Tate Gallery of Modern Art, Chris Dercon, zum Intendanten der Berliner Volksühne machen, bricht eine heftige Debatte los. Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, sieht in der Entscheidung eine "Fehlbesetzung" und äußert die Befürchtung, Dercon wolle aus der Volksbühne eine "neoliberale Eventbude" machen. In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) vom 1.4.2015 nennt Peymann Kulturstaatssekretär Renner "die größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts".

Porträtfoto von Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner. Er verfolgt am 18.02.2015 in Berlin die Veranstaltung "Wie kann Olympia zu einer positiven Stadtentwicklung beitragen". (dpa / picture alliance / Paul Zinken)Der Musikproduzent und frühere Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)

16. April 2015:

In einem "Zeit"-Artikel wehrt sich Tim Renner gegen die Kritik Peymanns und betont die "kulturpolitische Pflicht", die Volksbühne konzeptionell und personell für die Post-Castorf-Ära aufzustellen. Matthias Lilienthal, damals designierter Intendant der Münchner Kammerspiele, springt Renner bei: Dercon sei ein guter Nachfolger Castorfs, sagte er in unserer Sendung Fazit. Hingegen sei Peymanns Berliner Ensemble "der eigentliche Event-Schuppen" und ein "Touristentheater".

Matthias Lilienthal, aufgenommen 2007 im Zuschauerraum des Berliner Hebbel am Ufer, damals war der Theatermacher dort Intendant und Dramaturg. (imago/DRAMA-Berlin.de)Matthias Lilienthal 2007 im Zuschauerraum des Berliner Hebbel am Ufer, wo er Intendant und Dramaturg war. (imago/DRAMA-Berlin.de)

19. April 2015:

Auch Joachim Lux (Thalia Theater Hamburg), Ulrich Khuon (Deutsches Theater Berlin) und Martin Kusej (Residenztheater München) kritisieren die Personalentscheidung. In einem offenen Brief an Tim Renner schreiben sie: "Berlin braucht Frank Castorf und sein Künstlerkollektiv."

24. April 2015:

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kulturstaatssekretär Renner präsentieren Chris Dercon als künftigen Volksbühnen-Intendanten der Presse. Dercon stellt sein Team vor, das aus dem französischen Tänzer und Choreografen Boris Charmatz, dem Filmregisseur Romuald Karmakar, dem Filmemacher Alexander Kluge sowie der Regisseurin Susanne Kennedy und der dänischen Choreografin Mette Ingvartsen besteht. In unserer Sendung "Rang I" betont Chris Dercon: "Ich bin kein Museumsmann - ich komme vom Theater."

Chris Dercon  (picture alliance/dpa/Foto: Rainer Jensen)Der designierte Intendant der Volksbühne Berlin Chris Dercon stellt sich am 24.04.2015 in Berlin der Presse. (picture alliance/dpa/Foto: Rainer Jensen)

20. Juni 2016:

In einem offenen Brief protestieren Mitglieder der Belegschaft der Volksbühne gegen die Berufung Dercons. Sie befürchten, dass unter Dercon ganze Gewerke abgeschafft und die Wurzeln der Volksbühne als Sprechtheater gekappt würden. Der Leipziger Dramaturg Carl Hegemann, einer der Mitunterzeichner, kritisiert im Deutschlandradio Kultur: "Es wird expressis verbis nicht mehr auf Konflikt gesetzt, sondern auf Harmonie. Es wird nicht mehr auf diskursive Auseinandersetzung gesetzt, sondern es wird auf Tanz und Bildkunst gesetzt."

2. Juli 2016:

Kunst- und Museumsmacher mischen sich in den Streit ein: In einem offenen Brief ergreifen 25 Prominente der internationalen Kunst- und Museumsszene Partei für Chris Dercon. Mitunterzeichner Kasper König, langjähriger Leiter des Museum Ludwig in Köln, sagt im Deutschlandradio Kultur: Dercon sei ein "guter Kerl, der auch wirklich offen ist für neue Dinge und auch mit Risikobereitschaft und mit Solidarität Dinge anpackt".

16. November 2016:

Nachdem der Linken-Politiker Klaus Lederer zum Kultursenator bestimmt wird, flammt die Diskussion erneut auf. Denn Lederer hatte sich im Wahlkampf hinter den Protest der Volksbühnenmitarbeiter gestellt und angekündigt, die Berufung Dercons noch einmal zu überprüfen.

Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke, Klaus Lederer bei der Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin. (dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. (dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

8. Dezember 2016:

Nach seiner Vereidigung als Kultursenator am 8.12.2016 äußert sich Klaus Lederer in unserer Sendung "Fazit" zur Personalie Dercon: "Auch Chris Dercon hat seine Fähigkeiten." Es gehe jetzt darum, die Volksbühne als Organismus zu erhalten und weiterzuentwickeln. Er kündigt an, mit dem künftigen Intendanten rasch ins Gespräch zu kommen, aber auch mit anderen Beteiligten der Volksbühne zu sprechen.

20. Dezember 2016:

In Interviews präsentiert Chris Dercon seine Pläne für die künftige Volksbühne: So soll etwa der französische Choreograf Boris Charmatz die Spielzeit 2017 eröffnen. Zwei Wochen lang wird er choreografische Versammlungen auf dem Tempelhofer Feld inszenieren und dazu die "Stadtgesellschaft" einladen. Bildende Künstler sollen in Zukunft häufiger Regie führen und ein Fokus auf Tanz gelegt werden. Auch eine Beckett-Renaissance soll ausgerufen werden. Namen von Schauspielern nennt Dercon jedoch nicht. 

(uko)

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