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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.03.2018

Berliner RegierungsviertelDer Traum vom Bürgerforum - ausgeträumt?

André Wilkens im Gespräch mit Ute Welty

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Die Planung für das Regierungsviertel sah ein Bürgerforum zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus vor - was stattdessen entstand, ist eine wenig attraktive Freifläche (imago / Peter Sandbiller)
Die Planung für das Regierungsviertel sah ein Bürgerforum zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus vor - was stattdessen entstand, ist eine wenig attraktive Freifläche (imago / Peter Sandbiller)

Zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt sollte einst ein Bürgerforum entstehen. Das ist nie gebaut worden, und die Zukunft des Projekts ist mehr als ungewiss. Die Initiative Offene Gesellschaft wirbt dafür, das Bürgerforum doch noch zu realisieren.

Aktuell wird in Berlin über die Straße diskutiert, die vor dem Bundeskanzleramt verläuft und das Regierungsviertel teilt. Sie wurde ehemals provisorisch angelegt und soll nun ausgebaut werden. Morgen endet die Einspruchsfrist bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Straße führt über das Gelände, auf dem ehemals eigentlich das Bürgerforum errichtet werden sollte - Kernstück des "Band des Bundes". So wurde die Anordnung von Gebäuden im Regierungsviertel genannt, das architektonische Gesamtkonzept, das die Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank geplant hatten. Der Entwurf sah 1992 eine bauliche Verbindung von Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus vor.

Helmut Kohl wollte das Demokratie-Labor nicht

Hier sollte ein Demokratie-Labor entstehen - an dem allerdings schon Bundeskanzler Kohl ehemals keinen Gefallen fand. Wird die Straße nun institutionalisiert, ist das Forum möglicherweise endgültig Geschichte. Zumindest an diesem Ort. Doch die Initiative Offene Gesellschaft mag sich damit nicht abfinden.

Der Mitbegründer der Initiative, André Wilkens, warf der Politik im Deutschlandfunk Kultur vor, es am nötigen Willen fehlen zu lassen. Auch das Geld habe anfangs gefehlt, und dann seien auch noch Sicherheitsbedenken hinzu gekommen. Jetzt igele man sich lieber ein - "als dem Bürger den Platz zu geben, den man ihm eigentlich schon vor 25 Jahren zugesichert hatte", sagte Wilkens.

Abgehakt und untergegangen

Architektonisch sei im Regierungsviertel "viel Gutes" passiert, lobte er - das Projekt Bürgerforum, das die Initiative sogar mit einem Trailer bewirbt, sei aber leider "abgehakt" worden. Jetzt beschäftige sich die Politik lieber mit einem Flughafen, von dem keine Flugzeuge abheben, und einem Schloss, von dem niemand richtig wisse, was da rein solle. Dazwischen sei das Bürgerforum untergegangen.

Kämpft für das Bürgerforum: André Wilkens (Copyright: privat)Kämpft für das Bürgerforum: André Wilkens (Copyright: privat)

Manchmal lohne sich aber ein Blick zurück auf das "Wesentliche", betonte Wilkens. Es werde sehr viel diskutiert - "aber wahnsinnig viel digital". Dabei gebe es "Risiken und Nebenwirkungen" wie Manipulationen und Filterblasen. Alles, was nun digital stattfinde, sei früher analog gemacht worden, zum Beispiel bei Diskussionforen in Theatern - "da ist viel verloren gegangen". Es gehe deswegen beim Bürgerforum auch um die Zurückeroberung des öffentlichen Raums. (ahe)

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