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Mittwoch, 22.01.2020
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.01.2020

Berliner Philharmoniker mit Petrenko und BarenboimSymbolischer Auftakt mit Beethoven

Moderation: Olaf Wilhelmer

Dirigent und Pianist stehen vor dem Orchester. (Berliner Philharmoniker / Stephan Rabold)
Historische Begegnung: Kirill Petrenko und Daniel Barenboim in der Berliner Philharmonie bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt. (Berliner Philharmoniker / Stephan Rabold)

Das Warten hat ein Ende, die Arbeit beginnt: Kirill Petrenko ist da. In seinem ersten regulären Abokonzert hat der neue Chef der Berliner Philharmoniker besonderen „Beistand“ – Daniel Barenboim als Solist in Beethovens Drittem Klavierkonzert.

Programm und Besetzung haben symbolischen Charakter: Mit der "Asrael"-Sinfonie von Josef Suk dirigiert Kirill Petrenko im ersten Konzert der Berliner Philharmoniker 2020 ein Stück, das ihm seit vielen Jahren am Herzen liegt. Und mit Daniel Barenboim begrüßt er einen Solisten, der dem Orchester enger verbunden ist als jeder andere Musiker. Die beiden Pult-Heroen treten in diesem Konzert zum ersten Mal gemeinsam auf und interpretieren ein Lieblingswerk Barenboims: das c-Moll-Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven.

Mit Daniel Barenboim verbindet sich eine ganze Epoche philharmonischer Geschichte: 1964 debütierte er hier im neu eröffneten Saal als Pianist unter der Leitung von Pierre Boulez, um wenige Monate später bereits zurückzukehren. Diesmal sollte Zubin Mehta am Pult stehen, und das Programm war ungewöhnlich: Barenboim spielte das monumentale Klavierkonzert von Wilhelm Furtwängler. Seit 1969 ist Barenboim den Berliner Philharmonikern auch als Dirigent verbunden, zum 50-jährigen Jubiläum ernannte ihn das Orchester kürzlich zum Ehrendirigenten.

Wunderkind und Übervater

Mit Furtwängler, diesem auch heute verehrten Übervater der Berliner Philharmoniker, war Barenboim noch als Zwölfjähriger kurz vor dessen Tod zusammengetroffen. Furtwängler war von diesem pianistischen Wunderkind mit Dirigier-Ambitionen begeistert. So verkörpert sich heute in dem inzwischen 77 Jahre alten Musiker eine philharmonische Linie, die bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückgeht.

In dieser Zeit komponierte Josef Suk seine "Asrael"-Sinfonie. Der tschechische Komponist und Kammermusiker – nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Enkel, der als Geiger berühmt wurde – arbeitete mit diesem großen Werk eine persönliche Katastrophe auf: den Tod seiner Frau und seines Schwiegervaters und Lehrers Antonin Dvořák.

Liebe und Trauer

So entstand ein instrumentales Requiem von höchster innerer Spannung, vielfach verwoben und anspielungsreich, benannt nach einem Todesengel aus der orientalischen Mythologie. So eigenständig Suks Musik ist, so sehr hört man ihr das Fin de siècle an, dem sie entstammt. Mit Josef Suk ist ein Tondichter und Sinfoniker von gesamteuropäischem Format zu entdecken, dessen Werke sich vor denen seines Zeitgenossen Gustav Mahler nicht verbergen müssen.

Olaf Wilhelmer hat in der Pause mit Knut Weber gesprochen, Cellist und Orchestervorstand der Berliner Philharmoniker. Er gibt Auskunft über die Arbeit mit Kirill Petrenko und Daniel Barenboim.

Live aus der Philharmonie Berlin

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37

Josef Suk
Sinfonie Nr. 2 c-Moll op. 27 "Asrael"

Daniel Barenboim, Klavier
Berliner Philharmoniker
Leitung: Kirill Petrenko

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