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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.12.2017

Berliner Meyerbeer-Zyklus"Der Prophet" als Finale

Aus der Deutschen Oper Berlin

Gregory Kunde (als Jean de Leyde) während der Fotoprobe zu Le Prophete in der Deutschen Oper Berlin (imago stock&people/Martin Müller)
Gregory Kunde als Jean de Leyde in der Berliner Inszenierung (imago stock&people/Martin Müller)

Bei Heinrich Heine und anderen kann man nachlesen, welche Sensation die Pariser Weltpremiere von Meyerbeers "Prophet" 1849 nach nervzerrendem, jahrelangem Warten bedeutete. Eine exzessive Herausforderung ist das Stück bis heute geblieben.

Keine Kleinigkeit also, wenn Berlins Deutsche Oper dieses gerade gegenwärtig wieder höchst aktuelle Opus um Demagogie, politisch-religiöse Verführung und die Manipulierbarkeit wankelmütiger Volksmassen als Schlussstein ihres mehrjährigen Meyerbeer-Zyklus ausgewählt hat. Szenisch gab es nach der Premiere vor einem Monat viel Kritik, doch die musikalischen Leistungen ernteten eine Menge Lob, voran die Verkörperung der Fidès durch Clémentine Margaine und die Orchesterleistung unter dem Dirigat von Enrique Mazzola, der auch schon andere Berliner Meyerbeer-Aufführungen  leitete und sich mit den Musikern einen immer besseren Zugang zu diesem lange Zeit unterbelichteten Opern-Großmeister des 19. Jahrhunderts erarbeitet hat.

Die Brüche zwischen einer fast noch den Musterbögen der Empfindsamkeit folgenden pastoralen Idyllik und fulminanter Dramatik, zwischen italienisch inspiriertem Ziergesang und der elementaren Wucht roh ausbrechender Massenchöre lassen über mehr als vier Stunden hin nie Monotonie aufkommen – was auch die Berliner Entscheidung rechtfertigt, die in vielen abweichenden Fassungen überlieferte Partitur ziemlich vollständig zu präsentieren. Schnell wird zu hören sein, dass da viel mehr drin ist als die charmante Eisballett-Einlage und der immer wieder einmal außer der Reihe auf die geneigten Hörer abgefeuerte Krönungsmarsch. Es gibt nur wenige Komponisten, von denen die großen Opern-Antipoden des "romantischen Jahrhunderts", Verdi und Wagner, gleichermaßen gelernt haben – Meyerbeer ist einer von ihnen.


Deutsche Oper Berlin

Aufzeichnung vom 30.11. und 03.12.2017


Giacomo Meyerbeer

"Le Prophète", Grand Opéra in fünf Akten

Libretto: Eugène Scribe und Émile Deschamps


Gregory Kunde, Tenor - Jean de Leyde

Clémentine Margaine, Alt - Fidès

Elena Tsallagova, Sopran - Berthe

Derek Welton, Bass - Zaccharias

Andrew Dickinson, Tenor - Jonas

Noel Bouley, Tenor - Mathisen

Seth Carico, Bariton - Graf Oberthal


Chor der Deutschen Oper Berlin

Kinderchor der Deutschen Oper Berlin

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Leitung: Enrique Mazzola

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