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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 11.05.2012

Berliner Forum für jüdische Studenten

In der Hauptstadt lockt die Initiative "Studentim" Menschen zwischen 18 und 35 Jahre

Von Shelly Kupferberg

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Im Berliner Centrum Judaicum ist auch Platz für "Studentim". (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)
Im Berliner Centrum Judaicum ist auch Platz für "Studentim". (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)

Gerade in den Großstädten bieten jüdische Gemeinden eine Infrastruktur für Groß und Klein. Nun geht ein neues Projekt in Berlin an den Start: Nach einem Jahr Vorbereitung nimmt die Jüdische Studierendeninitiative Berlin ihre Arbeit auf.

Seit über einem Jahr tüftelt Jonas Fegert, 21 Jahre alt, mit einigen Freunden und Altersgenossen an dem Konzept eines neuen jüdischen Studierendenverbandes für Berlin - und musste dabei den Marsch durch die Institutionen antreten. Seit Ende der 60er-Jahre gab es zwar bereits einen jüdischen Studentenverband in Berlin - doch der war in den letzten Jahren kaum noch aktiv und hinterließ einige Schulden. 'Auf zu neuen Ufern' sagten sich einige junge engagierte Schulabsolventen, darunter auch der jetzige Vorsitzende Jonas Fegert. Sein Abi machte er am Jüdischen Gymnasium in Berlin. Heute studiert er Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin:

"Ich bin nur die letzten zwei Jahre auf der Jüdischen Oberschule gewesen und hab das sehr genossen, da eben auch andere Juden in meinem Alter zu treffen. Es war ein Austausch, den ich bis dahin noch nicht kannte, und das fand ich auch schon sehr schön und interessant und bereichernd. Und trotzdem sind die meisten meiner Freunde nicht jüdisch - ich habe einen sehr gemischten Freundeskreis."

Von der Beschaffung des Stiftungskapitals, bis zur Satzung, den Notarterminen und dem Suchen nach passenden - möglichst kostenfreien - Räumlichkeiten musste viel organisiert werden. Doch nun steht er, der neue Verein, und bietet jungen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren ein Forum zum Kennenlernen, Vernetzen und Diskutieren. Geplant sind zum Beispiel Podiumsdiskussionen zu gesellschaftspolitischen Fragen und Diskurse, die auf jüdischer Grundlage angeregt und erörtert werden sollen:

"Geplant sind aber auch Videoabende, Filmabende, und, was wir bisher gemacht haben, ist vielleicht das, was man sich als klassische Arbeit vom Studentenverband vorstellt: Dass wir Pessach-Pakete verteilt und organisiert haben - 100 Stück - und es sind auch fast alle weggekommen!"

Der Name "Studentim" - das ist Hebräisch - soll auch die inzwischen vielen israelischen Studenten in Berlin ansprechen. Ob Azubi oder Student, alle, die einen Bezug zum Judentum haben, sind willkommen. Und damit öffnet sich der Verein - im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Institutionen. Vereinsvorsitzender Jonas Fegert:

"Wir haben's absichtlich ein bisschen schwammig in unserer Satzung formuliert: Und zwar muss man nicht halachisch jüdisch sein, also man sollte schon einen Bezug haben. Aber man kann auch bei uns mitmachen, wenn man gerade konvertiert ist, oder zum Beispiel einen Vater hat, der jüdisch ist. Wenn man Bezug zur Religion hat, und sich vielleicht auch als jüdisch ansieht, dann finden wir es wichtig, dass die Person nicht ausgeschlossen wird und sich bei uns engagieren kann. Gerade für diejenigen ist es eben auch schwer, einen Anschluss in der Gemeinde zu finden, und da wünschen wir uns einfach mehr Offenheit und haben es deswegen auch so in die Satzung hineingeschrieben."

Von der Jüdischen Gemeinde wird der neue Verein trotzdem unterstützt. Es gibt einen kostenlosen Raum für die Studentim in den Gemeinderäumen in Berlin-Mitte. Die Studentenorganisation sieht sich als gemeindenahe Institution, eine am Gemeindegeschehen interessierte und kritisch begleitende:

"Und da haben sich auch schon ziemlich viele gemeldet, ganz unterschiedlicher Art: Das sind sowohl die, die aus dem Jugendzentrum kommen und nach der Schule etwas suchen - aber auch Israelis oder Leute, die gerade zum Studieren nach Berlin gekommen sind und irgendwie einen Anschluss suchen. Diese Bandbreite finde ich wichtig und finde das auch einen ganz wichtigen Input für die Gemeinde, aber auch für die Studierenden, die hier herkommen, da eben auch Leute von außerhalb zu haben."

Hinweis: Der ursprünglich hier veröffentlichte Artikel war mit dem gesendeten Beitrag nicht identisch. Dies haben wir korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung.

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