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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.10.2018

Berliner Ensemble zeigt "Eine griechische Trilogie"Das Raunen der großen Ratlosigkeit

Peter Claus im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Martin Wuttke und Caroline Peters hinter einer Glasscheibe (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)
Martin Wuttke und Caroline Peters in Simon Stones "Eine griechische Tragödie" (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)

Simon Stone – bekannt für das Überschreiben klassischer Texte – hat am Berliner Ensemble „Eine griechische Trilogie“ inszeniert. Unser Theaterkritiker ist maßlos enttäuscht: "Die Autoren der Antike hatten was Besseres zu bieten als Simon Stone."

Der in Basel geborene und in Australien aufgewachsene Simon Stone ist in der europäischen Theaterszene bekannt für das, was er selber das "Überschreiben" von antiken Tragödien und Komödien oder klassischen Dramen nennt. Er gehört zu den wenigen Regisseuren, die auch schreiben und dieses Talent nutzt er, um bekannte Theatertexte in unsere Gegenwart zu verlagern, sprachlich und ästhetisch.

"Eine griechische Trilogie" heißt Simon Stones neues Stück. Am Donnerstagabend fand die Premiere am Berliner Ensemble statt: 3,5 Stunden lang wurde gespielt und der Theaterkritiker Peter Claus hat zugehört und zugesehen.

Constanze Becker und Judith Engel in Simon Stones "Eine griechische Tragödie" (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)Constanze Becker und Judith Engel in Simon Stones "Eine griechische Tragödie" (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)

Peter Claus berichtet, dass er vor dem Theaterbesuch Aristophanes' "Lysistrata", Euripides' "Die Troerinnen" und "Die Bakchen" gelesen, aber in der Inszenierung gar nichts von diesen Stücken wiedergefunden habe. Für Claus handelt es sich hier um "einen Abend im Ton billiger Privatfernsehschmonzetten", ein "Szenenkaleidoskop mit Zeitsprüngen" und "lauter Klischeefiguren".

Weinerliche Männerfantasie

Unser Theaterkritiker erkennt in Simon Stones Inszenierung eine "weinerliche Männerfantasie voller Kastrationsängste", ein Mann werde sogar aufgegessen. "Die Autoren der Antike hatten was Besseres zu bieten als Simon Stone – sehr viel Gehaltvolleres nämlich", so Peter Claus weiter.

Das Problem des Abends: Simon Stone sei es nicht gelungen, die Schauspieler zu einem Team zusammen zu schweißen, erklärt Claus. Dadurch dass Martin Wuttke so viele Manierismen ausbreiten dürfe, werde "letztlich ein Kerl zur Hauptfigur" in einem Stück, in dem es eigentlich um Frauen gehe: "Ich war da ganz schön erschrocken", sagt Claus.

Wie im Splattermovie

Das ganze Stück findet hinter einer riesigen Plexiglasscheibe statt. Das Bühnenbild sei schön, weil es leer sei und nur mit Nebel und Licht gespielt werde, so Claus weiter. Doch der "Inhalt war einfach zu dünn".

Ein Mann liegt auf dem Boden und presst sein Gesicht gegen eine Glasscheibe. Hinter dem Mann steht eine Frau. (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)Samuel Schneider in Simon Stones "Eine griechische Tragödie" (Thomas Aurin / Berliner Ensemble)

Schon in der Pause hätten sich viele Plätze geleert, berichtet unser Theaterkritiker. Unruhe im Publikum habe es aber nicht gegeben, stattdessen: "Es wurde viel gelacht." Das Geschehen hinter der Plexiglasscheibe habe nämlich stellenweise angemutet wie aus einem Splattermovie, wenn beispielsweise ein blutüberschmierter Mann dahinter zusammenbreche.

Am Schluss sei ein merkwürdiges Raunen durchs Publikum gegangen, "ein Raunen der großen, großen Ratlosigkeit. Das vereint mich dann vielleicht mit Simon Stone, dass er dem Thema Männer und Frauen letztlich doch ratlos gegenübersteht und uns einen Abend bietet, den ich als unausgegoren bezeichnen muss, so dass ich dann wiederum sehr ratlos aus dem Theater gegangen bin."

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