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Fazit | Beitrag vom 11.02.2019

Berlinale: WettbewerbsfilmeEndlich mal Poesie

Patrick Wellinski im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Regisseur Denis Côté mit Schauspieler Jean-Michel Anctil bei der Premiere des Films "Répertoire des villes disparues" anlässlich der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin (imago)
Regisseur Denis Côté mit Schauspieler Jean-Michel Anctil bei der Premiere des Films "Répertoire des villes disparues" anlässlich der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin (imago)

Bei der Berlinale ist der Wettbewerb in vollem Gang: "Répertoire des villes disparues" von Denis Côté ist ein "intimer Film über die Trauer und das Sterben". Und "Die drei Schwestern" von Emin Alper kommt als "verträumtes Märchen" daher.

"Répertoire des villes disparues" von Denis Côté

Im abgelegenen Dorf Saint Irénée-les-Neiges stirbt der 21-jährige Simon Dubé bei einem Autounfall, die Einwohnerzahl sinkt demzufolge auf 215. Die Familie gerät aus dem Gleichgewicht, die Mutter wandert apathisch durch die Gegend, ein Mädchen spielt verrückt, ein mäkelndes Ehepaar findet ein totes Reh im Schnee und plötzlich stehen in dieser Winterlandschaft stumme Wesen mit Totenmasken. Auch Simon steht plötzlich wieder vor der eigenen Mutter.

"Die Toten kommen zurück", erklärt unser Filmkritiker Patrick Wellinski. Es handle sich bei diesem Wettbewerbsbeitrag um einen "intimen Film über die Trauer und das Sterben".

Andere Haptik durch analoges Material

Der Film wurde auf 16 mm gedreht. Durch das Verwenden analogen Materials bekämen die Bilder eine ganz andere Haptik: "Sie werden unkontrollierbar, vergänglich", berichtet Wellinski. Dazu die Gesichter der Dorfbewohner: doppelbödig, mysteriös.

"Dieses Dorf stirbt vor unseren Augen langsam aus", so Wellinski. Sein abschließendes Urteil: "Endlich mal Poesie auf der Berlinale."

"Die Geschichte der drei Schwestern" von Emin Alper

In eine kleine Hütte in einem winzigen Dorf in den anatolischen Bergen kehren drei Töchter nach dem Tod der Mutter heim zu ihrem Vater. Alle drei Töchter wurden ehemals mehr oder weniger weggegeben als Hausfrauen oder als Hausmädchen - und allen dreien ist etwas passiert: Eine von ihnen wurde sogar unehelich schwanger und bringt ihren kleinen Sohn mit. Der Vater, der in der Dorfgemeinde sein Gesicht verloren hat, berät nun mit dem Dorfvorsteher und anderen Männern über das Schicksal der Frauen.

"Ein modernes, verträumtes Märchen"

Unser Filmkritiker Patrick Wellinski war anfangs irritiert und sehr skeptisch. Am Ende hat ihn der Film dann aber doch überzeugt: "Das Reden über das Schicksal der Frauen verortet Emin Alper in der Gesellschaft." Die Frauen reden darüber, was ihnen passiert ist. Der Zuschauer bekomme auf diese Weise gezeigt, wie entbehrungsreich ihr Leben verlaufen sei.

Besonders hervorzuheben seien die poetischen, märchenhaften Bilder, findet Wellinski: Es sei, "als würden diese Schwestern ihre eigene Legende erzählen. Es ist ein modernes, ein verträumtes Märchen aus der Türkei."

"Yi miao zhong (One Second)" von Zhang Yimou

Im Wettbewerb um die Berlinale-Bären fällt kurzfristig "Yi miao zhong (One Second)" von Zhang Yimou aus - aufgrund von technischen Problemen bei der Post-Produktion, wie die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin mitteilten.

Es sei schwer einzuschätzen, ob es sich hierbei um Zensur handle oder nicht, sagte unser Kritiker Patrick Wellinski. Ganz ausschließen könne man das nicht. Allerdings sei der Regisseur Zhang Yimou regimetreu - ein "Staatsregisseur", der keine kritischen Filme mehr mache.

Zwei chinesische Filme zurückgezogen

Für Zensur spreche hingegen, dass ein weiterer chinesischer Film, der auf der Berlinale in der Nebenreihe "Generations" laufen sollte, ebenfalls zurückgezogen wurde, nämlich "Better Days" von Derek Kwok-cheung Tsang. Nach Angaben von Wellinksi gibt es seit ein paar Monaten ein neues Zensurgesetz in China. Alle Filme, die im Ausland gezeigt werden, würden nun von der Zensurbehörde in Peking geprüft.

Vor der Gesetzesänderung habe es mehrere Zensurstellen in China gegeben, an die man sich wenden konnte - und je nach Ort habe es unterschiedlich strenge Auslegungen der Zensurregeln gegeben. Manchmal könne der Weg durch die Zensur bis zu zwei Jahre dauern - wie bei dem Film "The Shadow Play" von Lou Ye, der nun aber auf der Berlinale gezeigt wurde.

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